Kein Corona-Abstand möglich

„Die Busse sind viel zu voll“: Zehnjährige schreibt Brief mit Bitte an Landrat

Die zehnjährige Emmely-Sophie Weppler aus Ronshausen hält ihren handgeschriebenen Brief an Landrat Dr. Michael Koch in die Kamera. Die Schülerin der Blumensteinschule wünscht sich in Corona-Zeiten mehr Schulbusse.
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Handgeschriebener Brief: Emmely-Sophie Weppler aus Ronshausen, Schülerin der 5b der Blumensteinschule in Obersuhl, wünscht sich vom Landrat mehr Schulbusse. Es sei aktuell schlicht nicht möglich, in den überfüllten Fahrzeugen den geforderten Corona-Abstand einzuhalten.

Weil ihr Schulbus nach Obersuhl tagein, tagaus „völlig überfüllt“ sei, hat die zehnjährige Emmely-Sophie Weppler aus Ronshausen einen Brief an Landrat Dr. Michael Koch geschrieben.

Obersuhl – Die Schülerin der Blumensteinschule bittet darum um Unterstützung und wünscht sich, dass der Landkreis zusätzliche Reisebusse für den Schülertransport einsetzt. In ergänzenden Fahrzeugen hätten die Schüler bessere Chancen auf einen Sitzplatz, seien sicherer und könnten die Corona-Abstandsregeln besser einhalten als wie derzeit dicht gedrängt im Gang, sagt die Fünftklässlerin. Und: „Reisebusse haben auch einen Anschnaller. Die normalen Busse nicht.“

Aktuell seien die Fahrzeuge „viel zu voll“, schreibt Emmely-Sophie in ihrem handgeschriebenen, zwei Seiten langen Brief, der auf der Internetseite der Schule veröffentlicht worden ist und auf Facebook die Runde macht. Die Idee zu dem Brief sei ihr gekommen, als sie nach dem Wechsel im Sommer von der Grundschule in Ronshausen auf die integrierte Gesamtschule in Obersuhl das erste Mal auf einen Bus angewiesen war. „Da habe ich gemerkt, was für ein Problem das ist.“ Also habe sie sich hingesetzt und losgeschrieben. Ihre Eltern hätten ihr bei der Rechtschreibung geholfen, bevor sie den Brief ihrem Klassenlehrer gezeigt habe. Der sei dann derart begeistert gewesen, dass er ihr empfohlen habe, den Brief tatsächlich auch abzuschicken.

Schule sorgt sich um die Sicherheit auf dem Schulweg

Doritha Rudschewski, Leiterin der Blumensteinschule, bestätigt das. „Ich unterstütze es ausdrücklich, dass sich unsere Schüler Gedanken machen“, sagt sie nicht ohne Stolz. Deshalb habe sie den Brief mit einem Begleitschreiben der Schule nach Bad Hersfeld geschickt. „Wir sorgen uns hier schon länger um die Sicherheit auf dem Schulweg“, sagt sie. Die Blumensteinschule hat derzeit 615 Schüler – „höchstens 20 Prozent kommen aus Obersuhl, der Rest ist auf Bus und Bahn angewiesen.“ In den Bussen hätten viele Schüler keinen Sitzplatz, am Bahnhof dürfe die Schule keine Aufsicht stellen. „Dafür müsste die Bahn sorgen.“

Ihr und ihren Klassenkameraden aus der 5b, die den Brief mitunterschrieben haben, sei klar, dass die Corona-Pandemie eine „sehr schwierige Situation für uns alle“ sei, schreibt Emmely-Sophie in ihrem Brief. Doch die Einhaltung der Abstandsregeln sei in überfüllten Bussen nicht gewährleistet.

Das sieht auch Elternbeirätin Britta Apel aus dem Heringer Stadtteil Widdershausen so, die auch Mitglied in der Schulkonferenz ist. „In den Bussen sind zu viele Stehplätze ausgewiesen. In der Realität ist es doch so, dass die Kinder ihre Schulranzen im Bus abstellen – und die nehmen mittlerweile so viel Platz ein wie die Kinder selbst.“

Zu wenig Platz in Corona-Zeiten: Schülerin schlägt Reisebusse als Lösung vor

Eine Lösung, schlägt die zehnjährige Schülerin vor, könnten deshalb Reisebusse sein. „Ich habe in den Nachrichten gehört, dass zur Zeit viele Reisebusse nicht fahren können und die Unternehmen vor einer großen Pleite stehen.“ Würde man sie für den Schülertransport einsetzen, wäre den notleidenden Betrieben und den Schülern geholfen. „Bitte nehmen Sie meinen Brief ernst und bleiben Sie gesund“, heißt es am Ende des Schreibens.

Der Adressat, Dr. Michael Koch, teilt auf Nachfrage unserer Zeitung mit, dass er den Brief erhalten und gelesen habe. „Emmely-Sophies Brief hat mich inzwischen erreicht und ich habe ihr auch schon geantwortet. Mein Brief müsste sie in den nächsten Tagen erreichen.“ (Von Sebastian Schaffner)

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