Wochenendporträt

Die Medizin liegt ihnen im Blut: Manuel Schmidtlein und Uta Grosser lieben ihren Beruf

Dr. Uta Grosser und Dr. Manuel Schmidtlein stammen aus Familien mit jahrhundertealter Medizinertradition. Sie führen gemeinsam mit Dr. Claus Schmidtlein und Dr. Nils Stelz eine Gemeinschaftspraxis.
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Dr. Uta Grosser und Dr. Manuel Schmidtlein stammen aus Familien mit jahrhundertealter Medizinertradition. Sie führen gemeinsam mit Dr. Claus Schmidtlein und Dr. Nils Stelz eine Gemeinschaftspraxis.

Dr. Manuel Schmidtlein und Dr. Uta Grosser lieben ihren Beruf. Auch wenn die beiden Landärzte eigentlich nie wirklich Feierabend haben.

Bad Hersfeld - „Ich konnte eigentlich gar nichts anderes als Arzt werden“, sagt Dr. Manuel Schmidtlein und lacht. Dabei hat er sich redlich bemüht. Nach dem Abitur am Obersberg in Bad Hersfeld hat er erst überlegt, Musik zu studieren und dann mit Archäologie und alter Geschichte begonnen. Das war ihm aber schnell zu trocken. Als er dann nach zwei Semestern zuhause anrief und fragte, ob er vielleicht doch Medizin studieren könne, war sein Vater begeistert. „Druck“, so betont Schmidtlein, „haben meine Eltern aber nie auf mich ausgeübt. Ich konnte frei entscheiden.“

So war es auch bei Dr. Uta Grosser, die gemeinsam mit den Ärzten Claus und Manuel Schmidtlein sowie Jens Stelz in einer Gemeinschaftspraxis tätig ist. Sie blieb zwar mit dem Medizinstudium in der familiären Tradition, wollte aber lieber Landärztin als Zahnärztin wie ihr Vater werden. Ihr großes Vorbild war der Friedloser Arzt Dr. Koch, mit dessen Familie die Grossers eng befreundet waren. Beeindruckt hat sie seine Menschlichkeit und Fürsorge und seine Bereitschaft, jederzeit, Tag und Nacht, für seine Patienten da zu sein. Die Tatsache, dass er von seinen Patienten zu Weihnachten mit Hausmacher Wurst versorgt wurde, erschien der in der Nachkriegszeit aufgewachsenen Uta Grosser als weiterer Pluspunkt.

Beide Ärzte kommen aus Familien mit jahrhundertelanger Mediziner-Tradition. Er sei auf dem Weg zur Uni in Erlangen oft über den Friedhof gegangen und habe dort das Grab eines Professors von Schmidtlein aus dem 18. Jahrhundert entdeckt. Das sei tatsächlich ein Vorfahr von ihm gewesen, erfuhr er von seinem Vater. Einer der Schmidtleins hat als Mediziner sogar richtig Karriere gemacht. Adolf von Schmidtlein war Leibarzt von Kaiser Maximilian I in Mexiko. Sein Vorfahr, ein Großonkel seines Großvaters, sei in München in der Hochschulmedizin tätig gewesen, bis er den Ruf an den Habsburger Hof erhalten habe und mit dem Erzherzog nach Mexiko ging. Der Arzt betreute den glücklosen Kaiser auch während dessen Festungshaft bis zur Hinrichtung. Danach blieb er in Mexiko.

Da er keine Kinder hatte, bat er seinen Neffen Max, den Urgroßvater von Manuel Schmidtlein, nach Mexiko zu kommen und seine Klinik zu übernehmen. Dort wurde Manuel Schmidtleins Großvater Ernst geboren. Dessen Mutter starb bei seiner Geburt, deshalb wuchs er bei einer mexikanischen Amme auf und hat bis zu seinem zehnten Lebensjahr nur spanisch gesprochen. Er wurde zur Ausbildung nach Deutschland geschickt, hat später Medizin studiert, war Assistent des berühmten Chirurgen Ferdinand Sauerbruch, und kam 1935 nach Hersfeld als Chef des Kreiskrankenhauses. Nach dem Krieg gründete er das Elisabeth-Krankenhaus, wo er bis in seine 70er tätig war. Auch Uta Grosser kann auf eine lange Familientradition in der Medizin zurückblicken, die ebenfalls bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Ihr Vater war allerdings der erste, der studiert hatte. „Meine Vorfahren waren Bader“, erzählt Uta Grosser. Bader war im Mittelalter die Berufsbezeichnung für den Betreiber einer Badestube. Bader waren die Ärzte der kleinen Leute. Sie kümmerten sich um Körperpflege, waren Friseure, versorgten schmerzende Zähne – meistens mit der Zange – Knochenbrüche oder Wunden.

Grossers Vorfahren waren vor allem in der Zahnmedizin tätig. Von ihrer Urgroßmutter, erzählte man sich, dass sie besser Zähne ziehen konnte als ihr Mann, erzählte die Ärztin. Die Arbeit des Vaters sei immer selbstverständlicher Teil des Familienlebens gewesen. Mit einem gewissen Schaudern erinnert sie sich daran, dass ein Patient bei ihnen an der Tür klingelte, ihr sein Gebiss in die Hand drückte und sie bat, das ihrem Vater zu bringen. Im Wohnzimmer habe ihr Vater einen provisorischen Behandlungsstuhl mit einer Tretbohrmaschine aufgebaut, um auch am Wochenende Notfälle versorgen zu können. Auch bei Schmidtleins wurden am Wochenende und nach Feierabend Notfälle im Wohnzimmer behandelt. Hausarzt sein, das ist eine Lebensaufgabe, davon sind beide Mediziner überzeugt. Und sie schätzen den persönlichen Kontakt und die Nähe zu ihren Patienten. Dass das bedeutet, praktisch immer im Dienst zu sein und auch auf einer privaten Feier mal eben die Krampfadern gezeigt oder medizinische Fragen gestellt zu bekommen, das nehmen sie gelassen und mit Humor in Kauf. (Christine Zacharias)

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