Interview mit Sozialarbeiterin Martina Drewes

„Obdachlose Menschen vereinsamen“

Martina Drewes ist 56 Jahre alt und wohnt in Rotenburg. Sie ist Dipl. Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin und hat in Kassel studiert. Seit sechs Jahren arbeitet sie nun schon bei der Diakonie und seit fünf Jahren bereits in der Fachberatungsstelle und dem Tagesaufenthalt für Wohnungslose und Obdachlose, womit sie ihren absoluten Traumjob gefunden hat, wie sie sagt.
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Martina Drewes ist 56 Jahre alt und wohnt in Rotenburg. Sie ist Dipl. Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin und hat in Kassel studiert. Seit sechs Jahren arbeitet sie nun schon bei der Diakonie und seit fünf Jahren bereits in der Fachberatungsstelle und dem Tagesaufenthalt für Wohnungslose und Obdachlose, womit sie ihren absoluten Traumjob gefunden hat, wie sie sagt.

Corona ist eine Herausforderung für die Gesellschaft. Martina Drewes ist Dipl. Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin in Bad Hersfeld. Sie arbeitet mit Obdachlosen zusammen.

Was tut man denn jetzt, wenn man kein Zuhause hat?

Der Winter ist immer eine schwierige Zeit für Obdach- und Wohnungslose. Wegen der kalten Temperaturen sind sie mehr auf Unterkünfte zum Schlafen oder tagsüber auch auf Orte zum Aufwärmen angewiesen. Jetzt durch Corona ist es noch mal eine besondere Herausforderung für alle, denn viele Hilfsangebote sind nur eingeschränkt möglich.

Wie viele Menschen betrifft das bei uns im Landkreis?

So direkt in Zahlen kann ich das für den gesamten Landkreis nicht sagen. Für Hersfeld würde ich schätzen, dass in der Regel schon bis zu 15 Menschen in den Notunterkünften schlafen. Auch bei uns in der Tagesstätte waren es vor Corona immer zehn bis 20 Menschen, die täglich zu uns kamen und oftmals auch mehrere Stunden bei uns verbrachten.

Welche Hilfestellungen kann unser Landkreis diesen Menschen anbieten?

Es gibt im Landkreis einige Hilfen für Obdachlose. An manchen Stellen könnte man mehr machen, aber hier in Hersfeld sind wir gut aufgestellt, sowohl was die Unterbringung der Menschen angeht, als auch was ihre Versorgung angeht. Wir in der Tagesstätte kümmern uns beispielsweise um ihre Versorgung mit Lebensmitteln oder anderen wichtigen Dingen. Außerdem beraten wir unsere Klienten, bearbeiten gemeinsam behördliche Anträge mit ihnen und vermitteln die Unterkunftsmöglichkeiten.

Wie ist Ihre soziale Arbeit in Pandemiezeiten generell möglich?

Wir sind immer hier vor Ort, auch jetzt in der Zeit des Lockdowns. Zur Beratung dürfen unsere Klienten auch einzeln hereinkommen. Wir messen dann zuerst Fieber und sie bekommen von uns eine Mund-Nasen-Maske. Außerdem halten wir natürlich Abstand. Unsere Klienten können uns aber auch telefonisch zum Beratungsgespräch immer erreichen. Ansonsten können wir derzeit aber niemanden wirklich hineinlassen. Wir verteilen daher Lunchpakete und das, was die Leute sonst noch so brauchen, am Fenster.

Vor der Pandemie konnten sich Besucher auch den gesamten Tag bei Ihnen in der Einrichtung aufhalten. Das ist jetzt nicht mehr möglich?

Nein, leider nicht. Es gibt im Moment keine Verweilmöglichkeit hier. Es geht leider gerade nicht anders. Bei den hohen Corona-Infektionszahlen müssen auch wir uns an die geltenden Regeln halten. Auch die Bahnhofsmission macht das ebenso wie wir.

Und wie reagieren Ihre Klienten auf diese Regelungen?

Ganz am Anfang der Corona-Pandemie, im ersten Lockdown, war es etwas schwieriger, aber jetzt gibt es wirklich eine hohe Akzeptanz gegenüber der Ansteckungsgefahr. Unsere Klienten gehen sehr tolerant mit den Bestimmungen um. Und die Angst, selbst zu erkranken, ist bei vielen auch enorm hoch. Die Menschen sind deshalb sehr verunsichert.

Der fehlende warme Aufenthaltsort ist nur ein Aspekt, der durch Corona beeinflusst wird. Wie sieht es denn mit dem sozialen Miteinander aus?

Das ist in dieser Zeit kaum möglich, und das ist für diese Menschen natürlich besonders schwierig. Für viele waren wir von der Tagesstätte hauptsächlich der soziale Kontakt. Oder sie haben hier bei uns in der Tagesstätte andere Menschen zum Reden getroffen. Das alles fehlt jetzt, das spürt man deutlich. Wohnungs- und Obdachlose vereinsamen immer mehr. Unsere Klienten haben Gesprächsbedarf und wir haben immer ein offenes Ohr für sie. Aber gemeinsam in den Austausch zu gehen und zusammen zu lachen, das fehlt uns allen schon sehr.  alw

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