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Die Neukirchener Ploasterhepser: Spott über ein Zeichen des Wohlstands

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Von: Laura Hellwig

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Dem Ploasterhepser ein Denkmal: Der Brunnen an der Kreuzung Hauptstraße/Braugasse symbolisiert den Uznamen der Neukirchener.
Dem Ploasterhepser ein Denkmal: Der Brunnen an der Kreuzung Hauptstraße/Braugasse symbolisiert den Uznamen der Neukirchener. © Laura Hellwig

Fast jeder Ort hat ihn: einen Uznamen. Meist vergeben von benachbarten Dörfern, sind die Spitznamen voller Spott, Neid oder gar Überheblichkeit. Heute: die Neukirchener Ploasterhepser.

Neukirchen – Hier hat die Gemeindeverwaltung ihren Sitz, es gibt einen Kindergarten und eine Schule, Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten – Das Dorf Neukirchen hat eine bedeutsame Stellung in der Gemeinde Haunetal. Und dass Neukirchen früher schon wohlhabend war, darauf weist der bis heute erhaltene Uzname des Dorfes hin.

Als „Ploasterhepser“, Pflasterhüpfer, wurden die Neukirchener von ihren Nachbarn bezeichnet, nachdem ihr Dorf als eines der ersten in der Region gepflasterte Straßen erhielt. Das sorgte laut Alois Wörndl, ehemaliger Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins, vermutlich für Neid in den umliegenden Ortschaften.

In dem Sammelband „Neukirchen – zwischen Haune und Stoppelsberg: 100 Jahre Dorfgeschichte“ finden sich Informationen zu der Straßen-Pflasterung in Neukirchen. So sei es ein Zeichen des Wohlstands gewesen, als zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Hauptstraße durch den Ortskern sowie die Straße zum Bahnhof mit Basaltsteinen gepflastert worden sind. Bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert erfuhr Neukirchen einen wirtschaftlichen Aufschwung, als dort eine Bahnverbindung eingerichtet wurde, die für Arbeitsplätze und bessere Lebensverhältnisse gesorgt habe.

Allerdings gab es vonseiten der Neukirchener nicht nur positive Reaktionen gegenüber der neuen Straßen, so Wörndl: Vor allem am steilen Kirchberg hatten Pferdefuhrwerke auf den im Winter oft nassen und rutschigen Pflastersteinen wohl ihre Schwierigkeiten.

Laut Berichten der Dorfbewohner soll es großen Unmut gegeben haben, als dann auch noch die Johannesstraße bis zum Hof des Bürgermeisters gepflastert wurde. Genau diese Straße ist es auch, auf der man heute noch auf dem alten Pflaster entlang geht. Ein ehemaliger Bürgermeister habe sich gegen eine Erneuerung der Fahrbahnoberfläche eingesetzt, berichtet eine Bürgerin.

Alois Wörndl berichtet von weiteren Erzählungen, wonach sich die Neukirchener mit einem Uznamen für ihre Nachbarn revanchierten. Als „Seedörfer“ bezeichneten sie solche Nachbarorte, deren nicht gepflasterte Straßen nach stärkeren Regenfällen mit seenartigen Pfützen übersät waren. Ein Brunnen im Ort erinnert mit einer Skulptur an den Uznamen der Neukirchener. (Laura Hellwig)

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