78-Jährige "hätte auch gern mit ihm geschlafen"

Rentnerin zu Vorwürfen gegen Wedel: "Haben sich die Frauen ausgedacht"

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Weil wir zuletzt immer Fotos des alten Dieter Wedel ausgewählt haben, auf denen er "so hässlich" aussah, wie eine Leserin kritisierte, zeigen wir hier den jungen Frauenschwarm: Im Jahr 2006 ließ sich der Regie-Star mit den Schauspielerinnen Jasmin Tabatabai (links) und Sonja Kirchberger bei den Nibelungen-Festspielen in Worms ablichten.

Nachdem wir über die Vorwürfe gegen Dieter Wedel berichtet hatten, rief uns eine Rentnerin an. Für sie ist der Star ein Opfer und der Feminismus an allem schuld.

Aktualisiert um 16.54 Uhr - War früher doch alles besser?. 

Frau Gerhard ist richtig wütend wegen des ehemaligen Intendanten der Bad Hersfelder Festspiele Dieter Wedel und der sexuellen Gewalt, die ihm von verschiedenen Frauen vorgeworfen wird. Sie hat uns darum am Freitag angerufen und erklärt, wie das war mit dem Star-Regisseur und den Frauen. Die 78-Jährige aus Kassel, deren Namen die Redaktion geändert hat, ist nicht etwa enttäuscht darüber, dass ihr Held vielleicht Frauen ausgenutzt, missbraucht und vergewaltigt hat, wie immer mehr Schauspielerinnen behaupten. Sie ist vielmehr entsetzt über unsere Berichterstattung und die angebliche Vorverurteilung des zurückgetretenen Intendanten der Bad Hersfelder Festspiele.

"Ich hatte auch gern mit ihm geschlafen"

Frau Gerhard weiß: "Die Frauen haben sich das nur ausgedacht." Wir würden ihnen aber eine Stimme geben und dann auch noch ein Foto von Wedel dazu stellen, auf dem er richtig hässlich aussehe. Früher dagegen sei er so schön gewesen, dass die Frauen ihm reihenweise verfallen seien. "Ich hätte auch mit ihm geschlafen, so ein toller Mann", sagt Frau Gerhard.

Ihr Urteil bezieht sich in erster Linie auf Wedels künstlerische Arbeit. Was er privat mache, gehe niemanden etwas an. Die Frauen, die nun sagen, der Mann sei ein Sadist, seien doch freiwillig zu ihm aufs Hotelzimmer gegangen. Und wieso sei es schlimm, wenn ein Regisseur seine Schauspielerinnen, die ihren Text nicht können, am Set zurechtweise? "Ich bin von meinem Chef auch oft schikaniert worden", sagt Frau Gerhard. Deswegen ist sie heute aber nicht wütend auf ihn: "Ich denke, er hat recht gehabt, weil ich meine Arbeit nicht richtig erledigt habe."

Es ist ein bisschen schwer, mit ihr zu reden, weil sie einem so oft ins Wort fällt wie die Ex-Grüne Jutta Ditfurth Talkshow-Kontrahenten. Dafür ist ihr Weltbild ganz einfach: Die Frauen wollten Jahrzehnte später wenigstens etwas Ruhm oder Geld oder beides haben. Die eine sage noch nicht mal ihren Namen, was die Begründung mit dem Ruhm nicht gerade unterstützt, denn wie soll man anonym bekannt werden?

Iris Berben im Fall Wedel nicht glaubwürdig für Rentnerin

Zeugen wie die Star-Schauspieler Iris Berben (67) und Michael Mendl (73), die Dieter Wedel ebenfalls belasten, sind für Frau Gerhard auch nicht glaubwürdig. Ein Richter solle über den Fall Wedel entscheiden. Andererseits: "Wenn alle vergewaltigten Frauen so ein Bohei machen würden", wäre auch niemandem geholfen.

Frau Gerhard redet wie ein alter Mann, der den Zeiten hinterhertrauert, in denen Frauen erst ihren Gatten um Erlaubnis fragen mussten, wenn sie arbeiten wollten. Für sie ist die Welt durch den Feminismus schlechter geworden. Man kennt so etwas von Stammtischen, aber nicht von einer Frau, die sich jetzt schon auf die Hersfelder Festspiele 2018 im Sommer freut, auch wenn für die dann nicht mehr Dieter Wedel verantwortlich sein wird. Der tut ihr leid, weil er sich als alter Mann nicht mehr wehren könne.

Dieter Wedels Schicksal ist in der Tat tragisch. Auch für ihn muss die Unschuldsvermutung gelten. Das bedeutet aber nicht, dass die vermeintlichen Opfer nicht reden dürfen. Und auch die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf, sich ein Bild zu machen - selbst wenn alles nur erstunken und erlogen sein sollte, wie Frau Gerhard meint. Wir wissen nicht, ob sie unsere Antwort noch verstanden hat, bevor sie wütend aufgelegt hat.

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