Doch kein Weihnachten wie immer

Interview mit Theaterregisseurin Irmgard Schmidt über die Folgen der Pandemie

Irmgard Schmidt schreibt die Tanner Theaterstücke an ihrem Laptop in einem Rutsch.
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Irmgard Schmidt schreibt die Tanner Theaterstücke an ihrem Laptop in einem Rutsch.

Hobbyregisseurin Irmgard Schmidt spricht im Interview über die Folgen der Pandemie für die Kulturszene und gibt einen Vorgeschmack auf das verschobene Theaterstück.

Friedlos – Eigentlich hätte Hobbyregisseurin Irmgard Schmidt die Auftritte mit der Theatergruppe aus Tann gerade hinter sich und würde bereits an einem neuen Theaterstück tüfteln. Weil in diesem Jahr aber alles anders ist, blieben ihr Skript in der Schublade und die Schauspieler zuhause. Im Interview spricht sie über den fehlenden Weihnachtstrott, die Folgen der Pandemie für die Kulturszene und gibt einen Vorgeschmack auf das verschobene Theaterstück.

Frau Schmidt, Ihr Theaterstück musste in diesem Jahr coronabedingt entfallen. Steht denn schon ein Plan für das nächste Jahr?

Ja, wenn sich alles wieder beruhigt hat, dann werden wir im nächsten Jahr unser Theaterstück auch wiederaufführen. Das Stück ist ja schon geschrieben.

Verraten Sie uns, wie Ihr Stück heißt?

Das ist jetzt Ironie des Schicksals. Es heißt: „Weihnachten wie immer“. Ich wollte eigentlich mal so ein Weihnachfest zeigen, ganz so, wie es in so einer Familie zugeht. Das hatte ich mir schon lange vorgenommen und letztes Jahr habe ich ausgerechnet dieses Stück geschrieben. Jetzt muss ich das durch Corona jedoch mal aktualisieren. Ich lasse es aber auf mich zukommen.

Das heißt, im nächsten Jahr wird das Stück nachgezogen?

Ja, weil es ja in diesem Jahr ausfallen musste. Ich schreibe die Stücke immer so, dass sie schon im März oder April fertig sind. Dann verteile ich die Rollen und dann kann man langsam mit den Proben beginnen. Das holen wir dann hoffentlich sobald es geht nach. Die Ideen für die Stücke sammele ich das Jahr über und speichere sie dann im Kopf ab. Für „Weihnachten wie immer“ gibt es ja genügend Steilvorlagen über das, was alles in den Familien passiert, wenn zwei oder drei Generationen an Weihnachten zusammenkommen. Da gibt es schon mal Probleme, die hinterher Anlass zu Anekdoten geben. Das alles zusammen gemischt ergibt dann das Stück. Ich habe ja auch eine große Familie.

Kamen sie denn in diesem Jahr schon einmal zum Proben?

Nein, überhaupt nicht. Im März hatten wir schon gesagt, wir warten erst einmal ab und das war dann auch gut so. Wir dachten dabei auch an unsere Besucher. Die Leute hatten nach dem Lockdown auch keine Lust wegzugehen und wir hätten nur ein Drittel der Zuschauer in die Halle nehmen können. Das wäre mit viel Aufwand verbunden gewesen. So eine Situation haben wir ja noch nie gehabt und da hilft es auch nichts, die Augen zuzudrücken.

Musste Ihr Theaterstück schon einmal entfallen?

Nein, das war das erste Mal. Wie lange ich das jetzt schon mache, weiß ich nicht genau. Es sind schon viele Jahre. Entstanden ist das Ganze durch unsere Volkstanzgruppe in Tann. An den jährlichen Dorfabenden habe ich immer kurze Sketche geschrieben. Da das Programm aber immer sehr vollgepackt war, haben wir uns entschlossen, Theaterabende anzubieten. Die Resonanz war sehr gut und wir sind dabei geblieben.

Wie fühlt es sich an, dass Ihr Theaterstück in der Kiste bleiben muss?

Naja, es gibt Schlimmeres, muss ich sagen. In einer Zeit, in der nicht so viel stattfinden kann, ist das, das kleinste Übel. Ich denke, wenn Corona wirklich vorbei ist und die Leute wieder ausgehen können, dann kommen die Besucher auch wieder.

Und wie hat Ihre Theatergruppe auf die Absage reagiert?

Es tat natürlich allen leid. Aber wir waren alle einstimmig der Meinung, dass wir es lassen. Die Theatergruppe hätte sich normalerweise regelmäßig zu den Proben getroffen. Das ist schon sehr zeitintensiv, zumal viele Spieler berufstätig sind. Viele opfern ihren Urlaub für das Theaterspiel. Es ist immer für alle eine schöne Zeit. Mittlerweile sind viele untereinander befreundet.

Mit Blick auf die Theaterbranche und auch auf die professionellen Schauspieler: Was bedeutet der coronabedingte Stillstand?

Für die ist es ganz schlimm und es tut mir auch schrecklich leid für die Künstler und alle kleinen Bühnen, die damit ihr Geld verdienen. Wir als Theatergruppe treten ja nur zum Spaß auf, aber für die, die davon leben müssen, ist es sehr hart.

Und was bedeutet es für die Menschen vor der Bühne, wenn der Kulturaspekt wegfällt?

Vorhang auf: So war es vor der Pandemie. Die Schauspieler der Theatergruppe zeigen ein Stück aus der Feder von Irmgard Schmidt.

Das ist ein ganz großer Verlust. Der Mensch lebt nun einmal von Kontakten und die Kultur ist ein ganz wichtiger Aspekt dabei. So einen Einbruch hat es noch nie gegeben. Ich selbst gehe auch gerne ins Theater oder ins Konzert und das fehlt mir auch. Unser Tanner Theater ist eigentlich schon ein Selbstläufer. Die Leute wissen: Ende Oktober, nach Lolls, wird Theater in der Besengrundhalle in Tann gespielt. Wir haben viele Stammgäste, die jedes Jahr dabei sind. Und die Besucher kommen nicht nur aus Ludwigsau, sondern von überall aus dem Kreis.

Hat Sie die Krise in der Weihnachtszeit auch persönlich betroffen?

Ja, mein Sohn wohnt mit seiner Familie in Hamburg. Die Enkelkinder waren traurig, dass sie nicht zur Oma konnten. Wir waren nur ein kleiner Familienkreis, sonst sind wir immer viele und das Haus ist voll. Aber wir müssen uns an die Corona-Regeln halten.

Und nach Ende der Pandemie, haben Sie Lust, am Tanner Theater weiterzumachen?

Ja. Aber man weiß ja nie, was die Zukunft bringt. Wenn ich gesund bleibe, ja dann mache ich weiter. Es macht mir einfach großen Spaß. Denn Theaterstücke zu schreiben ist ein kleines Hobby von mir. Und bei dem nächsten Stück wird Corona vielleicht auch eine Rolle spielen.

Zur Person

Irmgard Schmidt (84) ist Hobbyregisseurin, wohnt in Friedlos und schreibt ihre Theaterstücke schon solange, dass sie selbst nicht mehr weiß, wann alles begann. Zusammen mit einer Theatergruppe aus festen und wechselnden Schauspielern, vom Kind bis zum Rentner, zeigt Schmidt jedes Jahr in der Zeit nach dem Lullusfest ein neues Theaterstück, in der Besengrundhalle in Tann. Die Ideen für ihre lustig-dramatischen Werke sucht sie sich im Alltag. In diesem Jahr muss ihr Stück wegen Corona zum ersten Mal verschoben werden. (Kim Hornickel)

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