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Dorfladen in Oberellenbach bleibt erstmal geöffnet

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Von: Carolin Eberth

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Dorfladen in Oberellenbach: Noch sind die Türen bis Mitte des Jahres geöffnet, wie Mario Schneider auf dem Bild zeigt – jedoch seit Jahresbeginn mit reduzierten Öffnungszeiten. Wie es danach weitergeht, ist unklar.
Dorfladen in Oberellenbach: Noch sind die Türen bis Mitte des Jahres geöffnet, wie Mario Schneider auf dem Bild zeigt – jedoch seit Jahresbeginn mit reduzierten Öffnungszeiten. Wie es danach weitergeht, ist unklar. © carolin eberth

Seit fast 25 Jahren hat der Dorfladen in Oberellenbach die Nahversorgung gewährleistet – nun steckt er in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Noch im Oktober überlegten die Geschäftsführer den Laden zum Jahresende 2022 zu schließen (wir berichteten). Damit wäre gleichermaßen auch ein Treffpunkt aus dem Oberellenbacher Alltag weggefallen.

Oberellenbach – Als Gründe nannte Geschäftsführungsmitglied Mario Schneider die enorm gestiegenen Energiekosten und die Mindestlohnerhöhung. „Vor der Coronapandemie hat es gereicht, wenn wir im Monat 12 500 Euro eingenommen haben. Durch die Energiekrise und die Erhöhung des Mindestlohns müssen wir nun aber mindestens 15 500 Euro monatlich einnehmen, damit wir über die Runden kommen“, sagte Schneider.

Jüngst wurde jedoch beschlossen, dass der Dorfladen noch circa bis Mitte des Jahres 2023 geöffnet bleiben soll mit reduzierten Öffnungszeiten, um den Lagerbestand so weit wie möglich abzuverkaufen.

Im Dezember 2022 haben die Gesellschafterinnen und Gesellschafter der „Dorfladen Oberellenbach GbR“ die Auflösung der Gesellschaft bürgerlichen Rechts beschlossen. Die Geschäftsführung, bestehend aus Anke Geißler, Johannes Lutz, Heinz Schneider und Mario Schneider, wurden mit der Abwicklung der Gesellschaft beauftragt.

„Dabei hatte der Dorfladen die Corona-Jahre gut überstanden. Die Umsätze waren drei Jahre in Folge gestiegen, 2020 konnte erstmals nach vier Verlustjahren wieder ein Gewinn von circa 4000 Euro erzielt werden. Im Jahr 2021 konnte der Umsatz durch eine Ausweitung des Warenangebots nochmals gesteigert werden. Weil dieser zur Deckung der höheren Personalkosten nicht ausreichte, musste Steuerberater Harald Voeckel bei Vorstellung der Bilanz dennoch einen Verlust von rund 3000 Euro verkünden“, heißt es in einer Pressemitteilung der Geschäftsführung.

Das begründen Johannes Lutz und Mario Schneider auch mit dem nachlassenden ehrenamtlichen Engagement. Der Dorfladen hätte aber wieder schwarze Zahlen schreiben können, weil nach den Corona-Jahren wieder mehr Veranstaltungen möglich waren.

Seit Beginn des Jahres 2022 sei dann aber der Umsatz dramatisch eingebrochen. Im ersten Quartal lag er, erläutert Heinz Schneider, um mehr als 30 Prozent unter dem Vorjahr. Zwar habe sich der Rückgang durch die Veranstaltungen etwas abgeflacht, lag aber bis September immer noch bei 20 Prozent. Danach schlugen die höheren Mindestlöhne und Energiekosten zusätzlich zu Buche. Das eingezahlte Gesellschaftskapital ist, so seine Einschätzung, zum Jahreswechsel aufgebraucht, so Heinz Schneider.

Heinz Schneider Geschäftsführungsmitglied
Heinz Schneider Geschäftsführungsmitglied © Ziermann, Christopher

Die anschließende Diskussion zeigte, dass die Gesellschafter wegen der wirtschaftlichen Situation nicht auf eine schnelle Erholung der Umsätze hoffen. Die Kunden hätten mit den Füßen abgestimmt, dass der Dorfladen geschlossen werden muss.

Die Geschäftsführung schlägt nun vor, mit reduzierten Öffnungszeiten den Lagerbestand so weit wie möglich abzuverkaufen, um dann bis Mitte des Jahres die Auflösung der GbR durchzuführen. Da es im Dorf Initiativen gebe, die an einem alternativen Betriebskonzept arbeiten, mache es Sinn, den Laden noch bis dahin zu erhalten, sagt Heinz Schneider. Vielleicht, so die Hoffnung, könnte sich ohne die GbR zum 25-jährigen Jubiläum im Sommer doch noch eine Zukunft eröffnen für den laut Geschäftsführung ältesten Dorfladen Hessens.

Den Dorfladen mit einem Verein zu führen, könnte nämlich erhebliche Vorteile haben, sagte bereits Mario Schneider im Oktober. „Dann würde zum Beispiel der sehr hohe finanzielle Aufwand für die Steuererklärungen der Gesellschafter wegfallen und dann dürfte auch ehrenamtlich im Laden gearbeitet werden. So könnten wir viel Geld sparen und müssten auch keine sieben Mitarbeiter – wie es bis zuletzt der Fall war – im Laden anstellen.“

Wie es mit dem Laden genau weitergeht, das würde jetzt aber vor allem an den Oberellenbacherinnen und Oberellenbachern liegen, so Johannes Lutz. Er wirbt darum, die Initiativen für einen Neustart zu unterstützen und mitzuarbeiten, vor allem aber wieder mehr einzukaufen.

Öffnungszeiten: Montag, Dienstag: geschlossen; Mittwoch: 15 bis 18 Uhr (weiterhin mit Kaffee und Kuchen); Donnerstag: geschlossen; Freitag: 8 bis 11 Uhr und 15 bis 18 Uhr; Samstag: 7 bis 11 Uhr.

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