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Drei Jahre Haft für 43 Taten: Betrüger in Klinik im Kreis Hersfeld-Rotenburg untergebracht

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Amtsgericht Bad Hersfeld in der Dudenstraße
Amtsgericht Bad Hersfeld in der Dudenstraße © Carolin Eberth

24 Mal vorbestraft ist der 47 Jahre alte Mann, der am Amtsgericht Fritzlar zu drei Jahren Haft verurteilt wurde.

Hersfeld-Rotenburg – Wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 41 Fällen und Computerbetrugs in zwei Fällen hat das Schöffengericht am Amtsgericht Fritzlar einen 47 Jahre alten Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Der Mann ist bereits 24 mal vorbestraft und steht noch bis 2024 unter Bewährung.

Der Beschuldigte ist medikamenten- und alkoholabhängig, wie er einräumte. Er ist derzeit in einer Fachklinik im Kreis Hersfeld-Rotenburg untergebracht. Er hoffe, im Herbst in der Hausverwaltung einer Klinik in Bad Hersfeld einen Arbeitsplatz zu bekommen, sagte der gelernte Elektriker.

21 260 Euro Schaden

Den von seinen Betrügereien verursachten Schaden beziffert die Staatsanwaltschaft auf 21 260 Euro. Zu Geschädigten gehört auch der Kreis Waldeck-Frankenberg, vertreten durch das Jobcenter. Die Straftaten beging er auch in den Kreisen Schwalm-Eder und Hersfeld-Rotenburg sowie in Kassel.

In der knapp sechsstündigen Verhandlung dauerte das Verlesen der Anklageschrift über eine halbe Stunde. Allein in Homberg hat der Mann laut Anklage über 20 Betrugstaten begangen. Von Juli 2020 bis April 2021 habe er über mehrere Internetplattformen hochwertige Smartphones zum Kauf angeboten, „ohne willens und in der Lage gewesen zu sein, die angebotenen Handys auch zu übereignen“. Der Mann wurde bereits mehrfach in Kliniken in ganz Nordhessen behandelt.

Alle Anklagepunkte eingeräumt

„Ich habe genug Scheiße gebaut, ich will dem Staat nicht mehr auf der Tasche liegen.“ Das sagte der Angeklagte gleich zu Beginn des Prozesses. Alle Anklagepunkte räumte er ein. Er sei in der Schule gemobbt worden und in einer Familie aufgewachsen, „die ständig unter Alkohol“ gestanden habe. Nur sein Bruder, Vater von zwei Kindern, lebe normal. Sein Vater sei Feinmechaniker, seine Mutter Chefsekretärin einer Klinik. Beide würden trinken.

Er selbst, so der Beschuldigte, sei unehrenhaft aus der Bundeswehr entlassen worden, habe „immer mehr Alkohol“ getrunken, habe schon 1996 den Führerschein verloren. Er berichtete über mehrere Entgiftungen, Beschäftigungen bei Zeitarbeitsfirmen, Therapien, Arbeitsplatzverluste. Er habe zu wenig Zuneigung von den Eltern bekommen, „ich war immer das schwarze Schaf der Familie“.

Die Staatsanwältin bezeichnet den Täter als gewerbsmäßigen Betrüger

Er müsse für seine Taten geradestehen, sagte er. Seit Februar sei er nun frei von Suchtmitteln. Meine Therapie ziehe ich jetzt durch.“ Vorbestraft ist er, wie aus den Akten hervorgeht, unter anderem wegen Unterschlagung, Trunkenheit am Steuer, Störung von Fernmeldeanlagen, Fälschung von Gesundheitszeugnissen, Betrugs, Körperverletzung und Diebstahls.

„Ein gewerbsmäßiger Betrüger.“ So bezeichnete die Staatsanwältin den Angeklagten. Bei einer Bauchfell-Entfernung habe er viermal die Krankenhausaufenthalte nicht bezahlt und Luxus- beziehungsweise Komfortzimmer gebucht. Verminderte Schuldfähigkeit komme nicht infrage.

Man müsse ihm zugutehalten, dass er alles eingestanden habe. Er habe die Straftaten zur Finanzierung seiner Sucht begangen bis hin zur Bestellung von Parfüm und Weihnachtsdekoration. Er habe immer wieder eine echte Chance bekommen, diese aber nie genutzt. Er habe „enorme kriminelle Energie“ gezeigt, indem er beispielsweise für einen Betrug Daten einer Anwaltskanzlei missbraucht habe. Die Staatsanwältin beantragte eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren und das Einziehen der 21 260 Euro: „Sie müssen den Schaden wiedergutmachen.“

Angeklagter bittet um ein mildes Urteil

Sein Mandant habe „vollumfänglich gestanden“, deshalb bitte er um ein mildes Urteil, das noch zur Bewährung ausgesetzt werden könne, betonte der Verteidiger. Sein Mandant habe seit einem Jahr bewiesen, „dass er auch straffrei bleiben kann“. Er lebe ohne Alkohol und Medikamente, und man müsse ihm ermöglichen, sich noch einmal zu bewähren.

„Ich will abstinent bleiben, den Schaden wiedergutmachen und bitte um ein mildes Urteil“ – so das letzte Wort des Angeklagten. Drei Jahre Freiheitsstrafe seien das rechte Maß, sagte Richterin Corinna Eichler bei der Urteilsverkündung. Sie sprach von einem wertvollen Geständnis. Die Vorstrafen seien dem Angeklagten zum Verhängnis geworden. Von einer Einziehung der 21 260 Euro sah das Gericht ab. (Manfred Schaake)

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