Melike Celik und Thomas Izgin sehen sich als ganz normale Jugendliche

Die dritte Generation

Melike Celik und Thomas Izgin: Zwei ganz normale Jugendliche aus Bebra. Beide engagieren sich für ihre Mitschüler.

Bebra. Sie ist muslimische Türkin, er Aramäer mit syrischer Mutter und aus der Türkei stammendem Vater. Aber zunächst einmal sind beide Jugendliche mit viel Engagement und wenig Neigung, den anderen wegen seiner Herkunft oder Religion auszugrenzen.

Melike Celik und Thomas Izgin besuchen beide die Brüder-Grimm-Gesamtschule in Bebra und engagieren sich auf unterschiedliche Weise. Melike ist 14 und hilft Jüngeren in den 5. und 6. Klassen bei den Hausaufgaben. Auch Thomas hat in der Hausaufgabenbetreuung mitgearbeitet, bevor er zum Schulsprecher gewählt wurde. Beide sind in Deutschland als Enkel von Zuwanderern geboren und aufgewachsen – die dritte Generation.

„Mir hat es geholfen, dass meine Eltern sich immer dafür interessiert haben, wie es in der Schule läuft, und die Elternabende besucht haben“, erzählt Melike. Bereits in der Grundschule war sie eine gute Schülerin und hatte nie Grund, sich als Außenseiterin zu fühlen. „Ich war eine von drei Türkinnen in der Klasse, unsere Herkunft war nie ein Thema.“ Als Betreuerin wird sie von den Jüngeren akzeptiert, viele „Kolleginnen“ in der Hausaufgabenhilfe stammen von Zuwanderern ab.

Der 16-jährige Thomas berichtet, warum er Schulsprecher werden wollte. „Irgendwer hat gesagt: Man kann niemanden überholen, wenn man in dessen Fußstapfen tritt. Ich möchte eigene Fußstapfen hinterlassen, etwas bewirken.“ Im vorigen Jahr hat er als Betreuer bei den Ferienspielen mitgearbeitet, weil ihm der Umgang mit Kindern Spaß macht. Später möchte vielleicht Lehrer werden.

„Ich kann nur jeden ermuntern, sich ehrenamtlich zu engagieren, wenn man etwas für andere tut, tut man am meisten für sich selbst.“ Alle beide haben den Kindergarten besucht und sagen, dass die Nationalität in der Kindheit gar keine Rolle spiele. Erst mit der Pubertät kämen die Vorurteile, aber auch das Selbstbewusstsein.

Melike und Thomas reden über ihre jeweilige Religion, die ihnen beiden wichtig ist. Er trägt ein Kreuz um den Hals, sie den Koran als Zeichen der Religionszugehörigkeit. Als die Sprache auf das Kopftuch kommt, erklärt Melike, dass die Kleiderregeln im Islam schon wichtig seien, aber jeder dazu seine eigene Entscheidung treffen müsse. „Das muss aus dem Herzen kommen, dann ist es in Ordnung.“ Sie hat keine Neigung, ein Kopftuch zu tragen, ebenso wie ihre Mutter, dennoch seien sie beide gläubige Musliminnen.

Kopftuch beim Kirchgang

Thomas wirft ein, es sei auch bei aramäischen Christen üblich, dass die Frauen beim Kirchgang ein Kopftuch tragen. Beim Erzählen fallen ihnen weitere Parallelen auf. So wird der aramäische Gottesdienst auf Hebräisch abgehalten, „bis auf die Predigt, die soll ja jeder verstehen.“

Im Islam seien nicht automatisch die Frauen die Unterdrückten, sagt Melike. Es gebe auch viele Beispiele für Gleichberechtigung. Auch in vielen muslimischen Familien sei die Gleichberechtigung von Jungen und Mädchen ein Thema.

Von Martina Selzer

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