"Mit Steuergeld bezahlter Partyraum"

Nach heftigen Problemen mit Drogen und Alkohol: Ronshausen schließt Jugendraum

Schluss mit Tresen und Kneipen-Ambiente: Der Ronshäuser Jugendraum im Haus des Gastes soll künftig für pädagogische Jugendarbeit genutzt werden.
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Schluss mit Tresen und Kneipen-Ambiente: Der Ronshäuser Jugendraum im Haus des Gastes soll künftig für pädagogische Jugendarbeit genutzt werden. In den Überresten des bisherigen Partykellers stehen – von links – Ralf Bartholmai von der Drogenhilfe Nordhessen, Bürgermeister Markus Becker und Sozialarbeiterin Diana Voigt-Hohoff.

Der Jugendraum in Ronshausen bleibt erst einmal zu: Nach heftigen Problemen mit Drogen und Alkohol hat die Gemeinde die Reißleine gezogen. Jetzt wird an einem Neuanfang gearbeitet.

Der Jugendraum im Haus des Gastes, der vom Jugendclub Ronshausen bislang in Selbstverwaltung genutzt wurde, bleibt erst einmal geschlossen. „Was sich dort zuletzt abgespielt hat, das hatte mit dem Grundkonzept von Jugendarbeit nichts mehr zu tun“, sagt Ronshausens Bürgermeister Markus Becker und verweist auf heftige Probleme mit Alkohol- und Drogenmissbrauch, die gehäuft aufgetreten seien.

„Es bedarf jetzt dringend eines Neuanfangs“, sind sich der Bürgermeister sowie Sozialarbeiterin Diana Voigt-Hohoff und Ralf Bartholmai von der Drogenhilfe Nordhessen, die den Jugendraum im Zuge des Projekts „Sozialraumorientierte Suchthilfe (SoS)“ mitbetreuen, einig.

Partyraum mit jungem Kampfhund am Eingang 

Man wolle vorrangig Jugendliche erreichen, die im Alter von zwölf bis 17 Jahren sind und nicht deutlich Ältere. Diese – teilweise nicht einmal aus Ronshausen stammend, sondern von außerhalb – hätten den Jugendraum als „mit Steuergeld bezahlten Partyraum missbraucht, in dem Alkohol und Drogen konsumiert wurden“. 

Ein junger Kampfhund, der im Eingangsbereich lag, habe das abschreckende Gesamtbild noch abgerundet. „Deshalb haben wir uns entschlossen, nun die Reißleine zu ziehen“, sagt Becker.

Fast alles, was sich im Raum befand, sei aufgrund des schlechten Zustands nicht mehr brauchbar gewesen: Kaputte Couchgarnituren und verklebte Tische sowie sonstiges nicht mehr nutzbares Mobiliar sind in einem großen Müllwagen inzwischen entsorgt worden. „Wir haben allein Pfandflaschen im Wert von über 80 Euro vorgefunden – alles musste entrümpelt werden“, berichtet Becker.

Das neue Konzept: Pädagogik statt Party-Zone

Der Jugendclub müsse nun noch seine Musikanlage und sonstigen Elektrogeräte rausräumen und dann werde über die grundlegende Renovierung des Raumes nachgedacht. Letztendlich werde dann auch die Theke weichen – „sie wird für das künftige Konzept einer pädagogischen Jugendarbeit nicht mehr benötigt“, sind sich Voigt-Hohoff, Becker und Bartholmai einig. 

„Wir bräuchten eher eine vernünftige Küchenzeile, um dort mal gemeinsam mit den Jugendlichen Kochen und Backen zu können“, sagt Bartholmai. Die Zeiten einer selbstorganisierten Jugendkneipe im Haus des Gastes seien jedenfalls vorbei.

Jugendclub: "Es ist schade um die Gemeinschaft"

„Das war unsere letzte Chance – es gab ja vor zwei Jahren schon mal größere Probleme – und das ist nun leider schief gegangen“, sagt Jonathan Werner, Vorsitzender des Ronshäuser Jugendclubs, auf Anfrage unserer Zeitung. Es sei sehr schade um die Gemeinschaft, aber die Probleme, dass Drogen mit in den Jugendraum hineingenommen wurden, habe der Jugendclub nicht immer so scharf kontrollieren können, um es wirksam zu verhindern. 

„Wir sind im Gespräch mit dem Bürgermeister, um zu schauen, wie es weitergehen kann. Das Konzept für die Jüngeren finde ich gut, aber es wäre schön, wenn auch die älteren Ronshäuser Jugendlichen dort an manchen Tagen wieder Platz finden könnten“, sagt der 25-jährige Vorsitzende des Jugendclubs.

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