Zwei Geschichten, die nicht passen

Drogenprozess vor Gericht: Unterschiedliche Aussagen zweier Cousins

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Aussage gegen Aussage: Sowohl die Aussage des Angeklagten als auch die des Zeugen erzählen eine andere Geschichte in einem Drogenprozess in Bad Hersfeld (Symbolbild).

Die Aussagen des Angeklagten und des Belastungszeugen in einem Drogenprozess in Bad Hersfeld klangen beide nicht unglaubhaft, erzählten aber zwei ganz verschiedene Geschichten.

Was das Schöffengericht im Drogenprozess gegen einen 31 Jahre alten Hersfelder vorgesetzt bekam, das passte hinten und vorne nicht. Denn die Aussagen des Angeklagten und des Belastungszeugen klangen beide nicht unglaubhaft, erzählten aber zwei ganz verschiedene Geschichten.

Auf den ersten Blick schien es sich um drei ziemlich belanglose Drogen-Deals zu handeln, die Staatsanwalt Patrick Greyer zur Anklage gebracht hatte. Schließlich ging es „nur“ um Haschisch und lediglich um ein paar Gramm. Auch das in der Wohnung des Hersfelders sichergestellte Rauschgift lag unter der jusristisch bedeutsamen „nicht geringen Menge“.

Was den Fall so brisant machte, war der Umstand, dass der 31-Jährige den Stoff an seinen minderjährigen Cousin verkauft hatte. Erst siebzehneinhalb war der junge Mann im Sommer vor zwei Jahren – und das machte den Vorwurf der Staatsanwaltschaft zum Verbrechenstatbestand. Weil der Angeklagte noch dazu erheblich vorbestraft war, ging es um viel.

Der Hersfelder gab zwar zu, dem Cousin bei einer Gelegenheit ein Gramm Hasch überlassen zu haben – jedoch ohne Gegenleistung und auf Bitten einer Tante für deren Freundin. Über das Alter des Cousins, der in einem Heim in Thüringen wohnte, habe er sich keine Gedanken gemacht. Dass sie sich nicht besonders nahe standen, das bestätigte auch der Zeuge. Der wiederholte allerdings seine Angaben, die er im vergangenen Jahr bei der Polizei gemacht hatte: Mindestens zweimal habe er von dem Hersfelder je ein Gramm für jeweils 13 Euro gekauft, aber auch nur als Mittelsmann für einen Schulfreund.

Beide rückten keinen Millimeter von ihren Angaben ab, ereiferten sich jedoch nicht. Für Staatsanwalt Greyer war die Anklage damit belegt, denn der Hersfelder habe zumindest „billigend in Kauf genommen“, dass der Cousin noch minderjährig war.

Die Verteidigung ignorierte Geschäft und den Fund der Polizei und forderte in allen Punkten Freispruch. Das kam für Richterin Silvia Reidt und ihre beiden Schöffen natürlich nicht in Frage: Für zweifachen unerlaubten Handel und einmal Besitz verhängte das Gericht eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu zehn Euro. Die Beratung nahm allerdings einige Zeit in Anspruch, ehe man sich entschied, dem Angeklagten zu glauben, dass er sich des Alters seines Cousins tatsächlich nicht bewusst war. ks

Quelle: Hersfelder Zeitung

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