Im Umfeld des Herzberg-Festivals

Per Zufall in Polizeikontrolle: Dumm gelaufen für Rauschgifttäter

Bad Hersfeld. Wie kommt es, dass ein Rauschgiftkonsument aus Eltville am Rhein vor dem Schöffengericht in Bad Hersfeld landet? Antwort: Weil es für den 30-jährigen Krankenpfleger am 30. Juli vergangenen Jahres einfach nur dumm gelaufen ist.

Als Beifahrer im Pkw eines Bekannten war er gegen 14.30 Uhr auf der Autobahn bei Friedewald in eine Polizeikontrolle geraten.

Auf dem Rastplatz Seulingswald schauten die Ordnungshüter stichprobenartig genauer hin – so wie sie es jedes Jahr im zeitlichen Umfeld des sogenannten Hippie-Festivals auf der Burg Herzberg bei Breitenbach/H. taten. Dort werden erfahrungsgemäß auch Drogen konsumiert.

Und tatsächlich fanden sich im Rucksack des Krankenpflegers 26 Gramm Amphetamintabletten. Das wäre zwar noch nicht so schlimm gewesen, doch bei Durchsuchung von dessen Wohnung in Eltville wurden noch am selben Tag auch 92,28 Gramm Marihuana sichergestellt.

Nicht geringe Menge

Dabei hatte der junge Mann vom Rhein mit dem Herzberg-Festival überhaupt nichts am Hut. Er war nur zufällig im Landkreis Hersfeld-Rotenburg unterwegs, mutmaßlich nach dem Kauf des Rauschgiftes.

Was fatal für den 30-Jährigen war: Weil der Wirkstoffgehalt des Marihuanas 9,2 Gramm betrug, war die rechtlich bedeutsame Grenze zur „nicht geringen Menge“ um nahezu zwei Gramm überschritten. Mindeststrafe in solchen Fällen: ein Jahr hinter Gittern.

Die Strafandrohung ist bei dieser Menge deshalb so hoch, weil dann auch der Verdacht des Rauschgifthandels naheliegt. Dafür gab es im konkreten Fall jedoch keine Anhaltspunkte. Der Angeklagte hatte seinerzeit regelmäßig Joints geraucht und sich lediglich einen großen Vorrat zum Eigenverbrauch zugelegt.

Damit war nach seiner Entdeckung als Rauschgifttäter sofort Schluss. Der bis dato nicht vorbestrafte Krankenpfleger zeigte sich gestern vor Richter Michael Krusche und den beiden Schöffinnen rundum geständig und versicherte, heute drogenfrei zu leben.

Sein Verteidiger versuchte deshalb, die Umstände des Falles als „minderschwer“ zu beschreiben, um auf ein milderes Urteil zu kommen.

Das Schöffengericht ging jedoch vom Regelfall aus, so dass am Ende eine Freiheitsstrafe von einem Jahr stand, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Zusätzlich muss der 30-Jährige 800 Euro bezahlen und sich in dieser Zeit Drogenscreenings unterziehen.

Richter Krusche wies angesichts der aktuellen Diskussion um die Freigabe von Marihuana darauf hin, dass auch sogenannte weiche Drogen für junge Menschen im Entwicklungsstadium gesundheitsschädlich sind. Auch die weit verbreitete Ansicht, dass der Konsum von Marihuana im Gegensatz zum Besitz straffrei sei, widersprach der Richter: „Konsum ohne Besitz ist ja nicht vorstellbar. Er wird nur nicht immer verfolgt.“

Von Karl Schönholtz

Rubriklistenbild: © KEYSTONE

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