1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra

50 Jahre immer im Laden: Edeka-Frischmarkt in Raboldshausen ist jetzt geschlossen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christine Zacharias

Kommentare

Irene Berg vor ihrem Edeka-Frischmarkt in Raboldshausen, den sie jetzt endgültig geschlossen hat.
Irene Berg vor ihrem Edeka-Frischmarkt in Raboldshausen, den sie jetzt endgültig geschlossen hat. © Christine Zacharias

Nach 50 Jahren hat Irene Berg ihren Lebensmittelmarkt in Raboldshausen jetzt geschlossen. Sie und der Edeka-Frischmarkt haben Neuenstein lange geprägt.

Raboldshausen – Wenn der Spruch von dem lachenden und dem weinenden Auge zutrifft, dann auf Irene Berg. 50 Jahre lang hat Irene Berg für ihren Laden und für die Menschen in Neuenstein gelebt. Jetzt, im 72. Lebensjahr, hat sie den kleinen Supermarkt in Raboldshausen geschlossen und will „einfach leben“.

Das Lebensmittelgeschäft in Raboldshausen haben Irene Bergs Schwiegereltern vor 70 Jahren gegründet, am 1. April 1952. Der Schwiegervater habe eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann gemacht und gerne einen Laden betreiben wollen, erzählt Irene Berg. Also habe die Familie das Wohnzimmer leer geräumt und dort den Laden eingerichtet, der dann vor allem Aufgabe der Schwiegermutter gewesen sei. Als Irene und Karl Berg dann 1972 heirateten, habe sie ihren Beruf aufgegeben und sei ebenfalls in den Laden eingestiegen, der dann für die nächsten 50 Jahre ihr Leben prägte.

Laden und Angebot wuchsen im Laufe der Jahre

Aus dem kleinen Laden direkt neben der Wohnung wurde im Laufe der Jahre ein richtiger Supermarkt mit allem, was man so braucht. Die alte Scheune wurde umgebaut und das Geschäft auf 200 Quadratmeter erweitert. Dort gab es eine Kühltheke, Tiefkühlware, frisches Obst und Gemüse, Fleisch und Wurstwaren, eine kleine Backtheke, Lebensmittel, Drogerieartikel, eben alles, was nötig ist. Außerdem war in dem Laden die Post, die Lottoannahmestelle, die Reinigung, bestellte Medikamente konnten hier abgeholt und GLS-Pakete abgegeben und geholt werden. Auf Bestellung kochten Irene Berg oder ihre Mitarbeiterin täglich warmes Essen, was vor allem von älteren und alleinstehenden Raboldshäusern geschätzt wurde. Sonntags backte sie frische Brötchen, etwa 300 Stück, die bei den Einwohnern sehr beliebt waren.

Wer nicht mehr selbst zum Einkaufen kommen konnte, wurde auch beliefert. Immer freitags nahm Irene Berg sich die Zeit, den Kunden ihre Bestellung nach Hause zu bringen und ein bisschen mit ihnen zu plaudern. Eine Zeitlang belieferte die Familie Berg auch die Firma GLS mit Brotzeit, Getränken und Süßigkeiten, als es dort abends keine Kantine für die Mitarbeiter gab. Und bei Tagungen des Logistikers auf Schloss Neuenstein sorgten Irene Berg und ihre Mitarbeiterinnen für die kalten Platten. Auch einen Partyservice hatten die Bergs.

Familie Berg hofft weiter auf einen Nachfolger

Der Laden war Treffpunkt und dörfliche Kommunikationszentrale, erzählt Irene Berg nicht ohne Stolz. „Wir haben wirklich malocht“, sagt Berg, doch sie habe ihre Arbeit geliebt, sei immer gerne für die Menschen da gewesen und bedauere es sehr, dass der Laden nun geschlossen werden musste, weil sich kein Nachfolger gefunden habe. Doch jetzt wolle sie die ihr noch bleibende Lebenszeit selbstbestimmt und eigenständig nutzen, sagt Irene Berg. Sie freut sich, dass sie nun Zeit für die Enkel hat, für all das, was bisher kaum möglich war. Plätzchen backen im Sommer, zum Beispiel, oder etwas mit den Kindern unternehmen. Und sie geht gerne auf Reisen. Traumziele, die sie gerne noch sehen möchte, sind die Toskana und die Provence. Irene Berg genießt es aber auch, einfach mal zuhause zu sein – „Da war ich sonst nur zum Schlafen und Putzen“ oder in Ruhe zu frühstücken – „Bisher gab’s nur ein Brötchen nebenbei.“

Trotz der bisher vergeblichen Suche nach einem Nachfolger hoffen die Bergs immer noch, dass sich jemand findet, der den Frischemarkt oder den Getränkemarkt übernehmen will. Für Angebote sind sie offen. (Christine Zacharias)

Auch interessant

Kommentare