1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra

Uznamen: In Braach wohnen die „Kuckucke“

Erstellt:

Kommentare

Ein Kuckuck- und Esel-Kunstwerk: Zur 1250-Jahr Feier von Braach wurde das Kunstwerk auf dem Wohnmobilplatz enthüllt.
Ein Kuckuck- und Esel-Kunstwerk: Zur 1250-Jahr Feier von Braach wurde das Kunstwerk auf dem Wohnmobilplatz enthüllt. © Märthe Werder

Fast jeder Ort hat ihn: einen Uznamen. Meist vergeben von benachbarten Dörfern, sind die Spitznamen voller Spott, Neid oder gar Überheblichkeit. Heute der Stadtteil Braach in Rotenburg.

Braach – Die Bewohner von Braach werden auch als „Kuckucke“ bezeichnet. Woher dieser Name stammt, ist nicht genau bekannt, es gibt aber drei unterschiedliche Theorien, erzählt Jochen Freitag. Er ist der erste Vorsitzende vom Verein für Kultur und Brauchtumspflege Braach, kurz „Kubraa“. Die verschiedenen Ursprünge des Spitznamens sind alle in der Ortschronik zum 1250-jährigen Dorfjubiläum festgehalten.

Die erste Theorie besagt, dass die Kinder früher in einer Kötze, einem Korb aus Weidengeflecht, auf dem Rücken mit zur Arbeit auf die Felder genommen worden seien. „Während die Mutter arbeitete, rief sie immer wieder 'Kuckuck', um die Aufmerksamkeit ihres Zöglings zu bekommen und ihre Anwesenheit zu signalisieren“, liest Freitag aus der Chronik vor.

Reges Markttreiben: Der Kuckucksmarkt in Braach findet einmal im Monat statt. Archi
Reges Markttreiben: Der Kuckucksmarkt in Braach findet einmal im Monat statt. Archi © Kuckucksmarktverein/NH

Eine andere Erklärung für die Entstehung des Uznamens ist, dass die Braacher häufig in andere Dörfer eingeheiratet hätten. „Der Bezug zum Kuckuck ist hier, dass der seine Eier in fremden Nestern ablegt“, sagt Freitag.

Uznamen: Braach ist ein ideales Kuckucksgebiet

Die Braacher sollen überdies sehr sparsam gewesen sein. Damals hätten die Bewohner eines Ortes die Beerdigungen ärmerer Menschen bezahlen müssen, da diese sie nicht selbst finanzieren konnten. Verstarb ein Wohnsitzloser oder Bettler in Braach, so hätten die Braacher den Toten heimlich still und leise in der Nacht vor den Toren von Rotenburg abgelegt, besagt die dritte Theorie. Somit musste dann die Stadt Rotenburg, die mehr Einwohner hatte, die Kosten für die Beerdigung übernehmen.

Am wahrscheinlichsten sei aber die Herleitung, dass Braach ein ideales Kuckucksgebiet ist. „Die Fuldaaue bei Braach gehört mit dem wechselnden Bewuchs zu den für den Kuckuck sehr geeigneten Gebieten. Man hört ihn daher sehr häufig rufen“, heißt es in der Ortschronik.

Wo auch immer die Verbindung zum Kuckuck herkommt, die Braacher haben dem Tier ein Denkmal gesetzt: Zur 1250-Jahrfeier wurde ein Kunstwerk mit Kuckuck auf dem Wohnmobilplatz enthüllt. Auch ihren Bauernmarkt haben sie nach dem Tier benannt: Der Kuckucksmarkt findet einmal im Monat in Braach statt. (Märthe Werder)

Auch interessant

Kommentare