Richelsdorfer wehren sich gegen Sanierungskosten

Eimerweise Erde nach Eltville: Ordnungsamt stoppt geplante Demo von Arsen-Bürgerinitiative

Kommt sie nicht nach Richelsdorf, wollten sie zu ihr reisen: Die Bürgerinitiative Arsen hatte geplant, Umweltministerin Priska Hinz bei einer Bürgermeisterrunde in Eltville Eimer voller Blumenerde übergeben zu lassen, die die Böden der verseuchten Grundstücke im Wildecker Ortsteil symbolisieren sollen.  Unser Foto vor einer Lore in Richelsdorf zeigt
Dirk Köhler (von links), Rolf Hornickel aus dem Gemeindevorstand, Boris Rimbach und Jens Pfeiffer.
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Kommt sie nicht nach Richelsdorf, wollten sie zu ihr reisen: Die Bürgerinitiative Arsen hatte geplant, Umweltministerin Priska Hinz bei einer Bürgermeisterrunde in Eltville Eimer voller Blumenerde übergeben zu lassen, die die Böden der verseuchten Grundstücke im Wildecker Ortsteil symbolisieren sollen. Unser Foto vor einer Lore in Richelsdorf zeigt Dirk Köhler (von links), Rolf Hornickel aus dem Gemeindevorstand, Boris Rimbach und Jens Pfeiffer.

Eigentlich wollte die Bürgerinitiative Arsen Richelsdorf am heutigen Dienstag in Eltville am Rande einer Bürgermeisterrunde gegen die Arsen-Belastung im Wildecker Ortsteil demonstrieren. Daraus wird aber nichts.

Wildeck – Ein Reisebus war schon gechartert, die 48 Sitzplätze so gut wie alle reserviert, die symbolischen Eimer voller Erde waren gefüllt. Doch dann kam die Absage des Ordnungsamtes aus Eltville am Rhein: Nein, die geplante Demonstration der Bürgerinitiative Arsen aus Richelsdorf (BI) beim „BürgermeisterInnen-Dialog 2030“ am heutgen Dienstag im Kloster Eberbach wird nicht genehmigt.

„Wir hatten uns im Vorstand bewusst dafür entschieden, keine illegalen Aktionen zu machen, sondern unsere Demo offiziell anzumelden“, sagt BI-Sprecher Dirk Köhler. „Dass unser Anliegen nun abgelehnt worden ist, ist enttäuschend, überrascht uns aber nicht wirklich.“

Hier hätten die Richelsdorfer demonstriert: Auf dem Gelände des Klosters Eberbach in Eltville am Rhein, wo am heutigen Dienstag eine Bürgermeisterrunde stattfindet.

Oft schon haben die Eigentümer der mit Arsen verseuchten Grundstücke in dem Wildecker Ortsteil Umweltministerin Priska Hinz nach Richelsdorf eingeladen, zu einem „sachlichen Gespräch ohne Trillerpfeifen“, wie sie betonen. Bislang hat sie die Einladungen ignoriert. „Wenn Priska Hinz nicht zu uns kommt, kommen wir eben zu Priska Hinz“, erklärt Dirk Köhler die Idee zur geplanten Reise in den Rheingau, die eigentlich am Dienstag um 10 Uhr losgehen sollte.

Die Ministerin hat für den Nachmittag die mehr als 400 hessischen Bürgermeister in das Kloster eingeladen, das idyllisch in den Wäldern des Taunus liegt. „Wir hätten am Eingang den Bürgermeistern 20 bis 30 Fünf-Liter-Eimer mit Blumenerde in die Hand gedrückt, mit der Bitte, sie im Veranstaltungssaal der Ministerin zu überreichen“, sagt Dirk Köhler. Die Plastikbehälter mit der Aufschrift „Arsen nein danke“ sollten die mit dem Gift kontaminierten Böden in Richelsdorf symbolisieren und unter den Rathauschefs für Aufmerksamkeit sorgen.

Das Ordnungsamt von Eltville hat das Vorhaben allerdings nicht genehmigt. „Das Amt hat uns mitgeteilt, dass der Eigentümer des Klosters keine Demo duldet“, sagt Dirk Köhler. Das mit einer Mauer geschützte Gelände gehört dem Land Hessen.

Die BI versuchte daraufhin, eine Genehmigung für eine Demo auf dem an der Zufahrtsstraße gelegenen Besucherparkplatz zu bekommen. „Doch auch das wurde uns aus Sicherheitsgründen verwehrt“, berichtet der BI-Sprecher. Die Straße zum Kloster sei wegen Tiefbauarbeiten derzeit nur einspurig befahrbar, so die Ordnungshüter. Da sei kein Platz für eine Demonstration.

Das Angebot, in einem Nachbarort zu demonstrieren, der laut dem Ordnungsamt von den Autos der Bürgermeister auf dem Weg zum Kloster durchquert wird, oder sich an einem anderen Tag auf dem Areal einzufinden, lehnten die Richelsdorfer dankend ab. „Das ergibt ja gar keinen Sinn.“ Der Reisebus ist abbestellt, die Fahrgäste sind über die Absage informiert.

Bürgerinitiative will Druck auf Land erhöhen

Ziel der Bürgerinitiative Arsen ist es, den Druck auf das Land Hessen zu erhöhen, die Kosten für die Sanierung der arsenverseuchten Grundstücke zu übernehmen. Das Gift, das aus der Zeit des Kupferbergbaus in der Richelsdorfer Hütte stammt, war über den Weihe-Bach ins Dorf gespült worden. Das Land ist laut einem Gutachten rechtlich nicht für die Sanierung der Schäden verantwortlich. Zuletzt hatte der Kreistag 200 000 Euro aus dem Kreisausgleichsstock freigegeben, um die Betroffenen zu unterstützen. Die Gesamtkosten werden auf mehr als 600 000 Euro geschätzt. 

Von Sebastian Schaffner

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