Taschenlampenführung

Ein bisschen gruselig: Nachts im Kreisheimatmuseum Rotenburg

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Mal eine ganz andere Betrachtungsweise demonstrierte Museumsleiterin Lisa Heckeroth im Schein der Taschenlampe. Foto: MAURICE MORTH

Rotenburg – Im Lichtkegel sieht alles anders aus - auch ausgestopfte Tiere oder Dino-Fährten. Das erlebten die Teilnehmer der ersten Taschenlampenführung im Kreisheimatmuseum.

Über die angestrahlten Fährten von Sauriern, die vor Millionen von Jahren ihre Spuren im Steinbruch in Cornberg hinterließen, ging es für die Besucher mit Museumspädagogin Lisa Heckeroth im Bereich Erdgeschichte weiter zum Kupferschieferbergbau im Richelsdorfer Gebirge. Wie sich die Bergmänner – wegen ihrer Körperhaltung auch „Krummhälser“ genannt – durch den Stollen fortbewegten, dürfte sich allein durch ihren Namen schnell erklären. Ein besonderer Höhepunkt war die Miniaturdarstellung eines Bergmannsstollens, in den sich einige der jungen Besucher, nur mit ihren Taschenlampen bewaffnet, hineinwagten.

Praktisch ging es danach im Obergeschoss des Heimatmuseums weiter. Wie konnte der Schafhof bei Rotenburg eigentlich die Versorgung der Bewohner des Landgrafenschlosses an der Fulda sicherstellen? Welches Handwerkszeug war nötig, um Getreide, Gemüse, Obst, Honig und Fleisch zu produzieren, zu ernten und zu verarbeiten? Hier konnten einige der vor Jahrhunderten verwendeten Gerätschaften wie zum Beispiel die Wasser-Tragestange im Schein der Taschenlampen getestet werden.

Die Vögel der Naturkundeabteilung rückten mit den Taschenlampen ins Rampenlicht. Foto: MAURICE MORTH

Passend zum Thema der Führung folgte dann ein Einwurf zur Elektrizität. Kaum einer der Besucher hätte wohl gewusst, wo und wann es die erste Beleuchtung mit Strom im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gab. Die Antwort: Schon 1887 wurden Teile des Bebraer Bahnhofs erleuchtet. In Rotenburg gingen die ersten Straßenlaternen übrigens erst zehn Jahre später ans Netz.

Über eine schwer knarzende Holztreppe gelangen die Besucher in das in schummriges Licht getauchte Dachgeschoss. Hier wartet die Naturkundesammlung mit heimischen Tierarten wie Wildschwein, Dachs, Reh und vielen Vogelarten auf die Museumsbesucher – selbst ein im 19. Jahrhundert in Sontra erlegter und in Deutschland höchst selten gewordener Seeadler findet sich dort. Auch hier sorgt das Licht der vielen Taschenlampen dafür, dass die Ausstellungsstücke im Rampenlicht stehen.

Nach etwa einer Stunde ist die „Nacht im Museum“ in Rotenburg beendet und die Resonanz, gerade bei den Jüngeren und deren Eltern, positiv. Nach dem ersten Testlauf wird die Taschenlampenführung fortan für Gruppen mit ins Programm aufgenommen – auch für Kindergeburtstage. Die nächste offene Führung mit Taschenlampen (ohne Anmeldung) wird laut Museumspädagogin Lisa Heckeroth im Herbst stattfinden. Wer sich bis dahin nicht gedulden kann, der kann im Museum ab März auf Ostereiersuche gehen. Und wer weiß, vielleicht lässt sich das eine oder andere auch im Bergwerksstollen finden.

Geöffnet hat das Museum mittwochs, freitags und sonntags von 14 Uhr bis 17 Uhr. Weitere Infos bei Museumspädagogin Lisa Heckeroth telefonisch unter z 0 66 23/91 46 96 oder per E-Mail an lisa.heckeroth@hef-rof.de.

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