Wochenendporträt

Ein langes Leben für den Bau: Peter Bickhardt wird 90 Jahre alt

Sei schlau, geh zum Bau: Für Peter Bickhardt hat dieser alte Spruch immer noch Berechtigung.
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Sei schlau, geh zum Bau: Für Peter Bickhardt hat dieser alte Spruch immer noch Berechtigung.

Der Bauunternehmer Peter Bickhardt feiert heute in Bad Hersfeld bei guter Gesundheit seinen 90. Geburtstag.

Kirchheim – Der aus Kirchheim stammende Diplom-Ingenieur ist der Gründer der Bickhardt Bau AG, die in wenigen Tagen ihr 50-jähriges Jubiläum begeht.

Voller Stolz und Freude blickt Peter Bickhardt in diesem Tagen auf sein Lebenswerk zurück. Im Januar 1971 gegründete er mit zwei Kommanditisten die Bickhardt Baugesellschaft mbH & Co. Straßen- und Tiefbau KG. Fünf Jahrzehnte später ist die Bickhardt-Bau-Unternehmensgruppe mit rund 2 500 Mitarbeitern und einer Bauleistung von 500 Millionen Euro eines der führenden, mittelständisch geprägten Bauunternehmen in Deutschland. Die Entwicklung ist auch eine deutsch-deutsche Erfolgsgeschichte.

Von der Pike auf

Peter Bickhardt wurde am 20. Dezember 1930 in Gersdorf geboren. Nach der Volksschule besuchte er die Alte Klosterschule in Bad Hersfeld, die er zum Kriegsende mit der Mittleren Reife verließ. Während einer Maurerlehre im Geschäft seines Großvaters Valentin Bickhardt lernte er das Bauhandwerk von der Pike auf kennen. Nach einem Studium an der Staatsbauschule Darmstadt erwarb er den Abschluss als graduierter Bauingenieur. 1954 trat Peter Bickhardt als technischer Angestellter beim neu geschaffenen Tiefbauamt der Stadt Bad Hersfeld ein. Er plante und leitete unter anderem den Neubau des damaligen Stadions im Jahnpark und des Geistalbades. Anschließend war er einige Jahre für das Straßenbauamt Bad Hersfeld tätig, bis er 1960 von der Auftraggeber- auf die Auftragnehmerseite wechselte.

1990 kurz nach der Grenzöffnung: Peter Bickhardt (mit Mütze) überreichte dem damaligen Thüringer Ministerpräsidenten Josef Duchac bei der Verkehrsfreigabe einer Kreisstraße einen Bickhardt-Bau-Regenschirm. Trotz Schwarz-Weiß-

Nach seiner Tätigkeit für die Straßenbaufirma Iffland in Alsfeld – zuletzt als technischer Geschäftsführer – verwirklichte Peter Bickhardt wenige Tage nach seinem 40. Geburtstag seinen Wunsch, sich selbstständig zu machen. Mit 35 gewerblichen Mitarbeitern und neun Angestellten ging das junge Unternehmen im Januar 1971 in einer bescheidenen Bürobehausung an der Friedhofstraße in Kirchheim an den Start. Vier Jahre später kam die erste Ölkrise, die die Bauwirtschaft in wirtschaftliche Not brachte. Peter Bickhardt bewies in dieser Zeit Wagemut und unternehmerische Weitsicht: Er übernahm 1974 nicht nur sämtliche Mitarbeiter der in die Insolvenz geratenen Firma Iffland aus Alsfeld, sondern auch alle Aufträge. Die Mitarbeiterzahl stieg über Nacht auf über 300.

Aufbruch gen Osten

Das war der Beginn einer Entwicklung, die zum klassischen mittelständischen Straßenbau-Unternehmen führte. Meilensteine auf diesem Weg waren der Bau der ICE-Schnellbahntrasse Hannover-Würzburg und in 1989 die Grenzöffnung. Die deutsche Einheit und die Ausweitung der Tätigkeiten in die neuen Bundesländer führte auch zu einem deutlichen Anstieg der Belegschaft. In dieser Zeit legte Peter Bickhardt den Grundstein für die weitere Entwicklung zum Komplettanbieter für den Verkehrswegebau.

Nachdem die Baufirmen der Region jahrzehntelang im ehemaligen Zonenrandgebiet „mit dem Rücken zur Wand“ standen, nutzten sie beim Aufbruch in Richtung Osten den Standortvorteil. Bickhardt Bau gründete frühzeitig im Osten Deutschlands mehrere Tochtergesellschaften und stieg in die Baustoffproduktion ein. Mit der Umwandlung der Kommanditgesellschaft in eine nicht-börsennotierte Aktiengesellschaft 1993 wurde die Steuerung des gesamten Unternehmens zukunftsfähig gestaltet. 1998 übergab Peter Bickhardt nach 27 Jahren an der Unternehmensspitze das operative Geschäft an den heutigen Vorstandsvorsitzenden, Diplom-Ingenieur Ralf Schär. Als Aufsichtsratsvorsitzender begleitete Peter Bickhardt weitere 14 Jahre die positive wirtschaftliche Entwicklung der Bickhardt Bau AG, und wurde zum 1. Januar 2012 zum Ehrenvorsitzenden des Aufsichtsrats auf Lebenszeit ernannt.

Über sein Leben für und mit dem Bau hinaus ist Peter Bickhardt in vielen Bereichen sozial und ehrenamtlich engagiert. Er gehört vielen Vereinen und Verbänden an, ist seit über vier Jahrzehnten Rotarier und gründete 1987 den Kurhessischen Golfclub Oberaula/Bad Hersfeld, dem er über ein Vierteljahrhundert als Präsident vorstand.

Für sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement wurde er bereits anlässlich seines 65. Geburtstages mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Darüber hinaus hat die Gemeinde Oberaula die Zufahrtstraße zum Golfclub nach ihm benannt: Peter-Bickhardt-Allee.  red/kai

Mit ruhiger Hand: Peter Bickhardt beim Golf.

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