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Fragen und Antworten zum Repowering des Windparks Gethsemane

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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Blick auf Gethsemane und seine Windräder: Die vier im Jahr 2001 errichteten Anlagen sollen durch drei größere und leistungsstärkere Exemplare ersetzt werden.
Blick auf Gethsemane und seine Windräder: Die vier im Jahr 2001 errichteten Anlagen sollen durch drei größere und leistungsstärkere Exemplare ersetzt werden. © Jan-Christoph Eisenberg

Die vier Windräder bei Gethsemane sollen durch drei neue, deutlich größere Anlagen ersetzt werden.

Gethsemane - Die Pläne für das Repowering (Kraftwerkserneuerung) stellten Angelina Yalcin und Hannes Hormann vom Projektierer RWE Renewables am Mittwochabend im Dorfgemeinschaftshaus des Philippsthaler Ortsteils vor. Eine weitere Info-Veranstaltung fand am Donnerstag im Nachbarort Heimboldshausen statt. Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was genau plant RWE Renewables?

Die vier im Jahr 2001 errichteten Windräder vom Typ Enercon E-66 sollen abgebaut und unmittelbar daneben drei leistungsstärkere Exemplare errichtet werden. Der Abstand zur Wohnbebauung vergrößert sich dadurch von rund 500 auf 600 Meter. Auf den konkreten Anlagen-Typ hat RWE sich noch nicht festgelegt. Während die bisherigen Windräder eine Gesamthöhe von 120 Metern und je 1,8 Megawatt Leistung haben, sind ihre Nachfolger bis zu 200 Meter hoch und verfügen über je rund fünf Megawatt Leistung. Statt bislang rund 2300 könnte der Park damit rechnerisch künftig etwa 7000 Haushalte mit Strom versorgen.

Lässt der Regionalplan Nordhessen dort überhaupt neue Windräder zu?

Nein. Das Gebiet ist im Teilregionalplan Energie wegen des Abstandes zu den Wohnhäusern nicht als Repowering-Fläche ausgewiesen. Allerdings greift zum kommenden Jahr eine Änderung im Baugesetzbuch, nach der bis Ende 2030 auch außerhalb von Vorrangflächen bestehende Windräder durch neue ersetzt werden dürfen. Davon will RWE Gebrauch machen.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Aktuell laufen naturschutzfachliche Untersuchungen und die Vorbereitung des Genehmigungsantrags, den RWE im ersten Quartal 2023 beim Regierungspräsidium Kassel einreichen will. Der Baubeginn hängt dann von der Dauer des Genehmigungsverfahrens und der Marterialverfügbarkeit ab. Die Bauzeit beträgt laut Yalcin und Hormann inklusive Demontage der alten Anlagen rund ein Jahr, wobei drei der vier Windräder voraussichtlich noch laufen können, während ihre Nachfolger bereits errichtet werden.

Welche Belastungen sind zu erwarten?

Wie beim bestehenden Windpark sind das vor allem Schall und Schattenwurf. RWE muss mit Gutachten nachweisen, dass alle Grenzwerte eingehalten werden. Die neuen Windräder seien zudem leiser als die bisherigen, betonten die Unternehmensvertreter. Sobald der Schattenwurf an von der Genehmigungsbehörde festgelegten repräsentativen Emissionsorten in den umliegenden Dörfern eine Dauer von 30 Minuten pro Tag oder 30 Stunden pro Jahr überschreitet, müssen die Anlagen abgeschaltet werden.

Wo soll der Strom ins Netz eingespeist werden?

Das steht laut Hannes Hormann noch nicht fest und liegt auch nicht in der Hand des Projektierers. RWE werde vom Netzbetreiber als Einspeisepunkt entweder ein Umspannwerk mit freier Kapazität oder ein Platz für den Neubau einer solchen Anlage vorgegeben. Da bei Gethsemane bereits der Strom aus mehreren umliegenden Windparks eingespeist wird, ist noch unklar, ob die Kapazität der vorhandenen 110-kV-Leitung für die zusätzliche Menge ausreicht. Auf weitere Freileitungen müssen sich die Anwohner aber laut Hormann wohl nicht einstellen. Wahrscheinlicher sei, dass RWE ein Erdkabel zu einem weiter entfernt gelegenen Einspeisepunkt ins Hochspannungsnetz verlegen müsse.

Wie reagierten die Einwohner?

Neben Lärm und Schattenwurf, der insbesondere in Heimboldshausen auftritt, trieb die Anwesenden am Mittwochabend vor allem die Sorge vor massivem LKW-Verkehr um, der während der Bauphase durch oder unmittelbar an Gethsemane vorbei rollen und die Straßen und Wege entsprechend in Mitleidenschaft ziehen würde. Bürgermeister Timo Heusner betonte, dass die Brunnenstraße für solche Transporte nicht infrage komme. Straßen und Wege würden zudem im Vorfeld begutachtet und müssten vom Investor nach den Arbeiten wieder in den Ausgangszustand versetzt werden. Zuhörer merkten allerdings an, dass solche Vorgaben bei früheren Projekten, etwa dem Bau der Umspannwerke, nicht bestanden hätten oder schlicht ignoriert worden seien.

Profitiert die Gemeinde finanziell?

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz sieht für Gemeinden in 2,5 Kilometern Umkreis um jede Anlage eine Zahlung von 0,2 Cent pro Kilowattstunde vor, die bei mehreren Kommunen nach Flächenanteil aufgesplittet wird. Diesen Beitrag zahlt RWE ab dem kommenden Jahr auch für den Bestandspark. Laut Beispielrechnung des Unternehmens liegt die Gesamtsumme dafür pro Jahr bei 18 000 Euro und würde nach dem Repowering auf 54 000 Euro steigen. Davon profitieren dann auch Friedewald, Hohenroda, Heringen und Schenklengsfeld. Der Anteil von Philippsthal liegt bei rund 41,5 Prozent.

Und die betroffenen Anwohner?

Als Beteiligungsmöglichkeit für die Anwohner stellten die RWE-Vertreter einen Windsparbrief mit sechs Jahren Laufzeit und 2,5 Prozent Verzinsung über Marktniveau vor. Zusätzlich würde RWE jährlich 30 000 Euro an einen Förderverein spenden, der Jugendarbeit, kulturelle Projekte oder die Feuerwehr unterstützt. Gründung und Ausarbeitung einer Satzung seien dabei aber Sache der Einwohner der betroffenen Orte. Ob zusätzlich oder alternativ eine aus den Reihen der Anwesenden angeregte Strompreis-Vergünstigung möglich ist, blieb offen. Angelina Yalcin und Hannes Hormann sagten jedoch zu, dies zu prüfen.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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