Neue Dorfchronik mit Geschichten der Asmushäuser

Kirmes vor 100 Jahren: Zum Gruppenbild fanden sich die Asmushäuser zur Kirmes im Jahr 1913, am 10. November, vor der Gastwirtschaft Johannes Apel, zusammen. Fast ein Jahr später begann der 1. Weltkrieg, in dem 17 Männer aus dem Dorf starben. Fotos: privat

Asmushausen. Die gute alte Zeit - es gab sie nicht. Vor 150 Jahren starb noch jedes dritte Kind in Asmushausen.

Oft steckten sich die Geschwister gegenseitig an, überlebten schwere Durchfälle oder Lungenentzüdung nicht. Nach dem Krieg musste man zusammenrücken: Zu der sechsköpfigen Familie aus Großeltern, Eltern, dem Bruder und ihm selbst zogen in das Vierzimmer-Haus noch acht Flüchtlinge ein, erinnert sich Kurt Gleim.

Dass es „uns heute wahrscheinlich besser geht als allen anderen Generationen jemals zuvor“, ist eine Erkenntnis des Redaktionsteams nach zwei Jahren Arbeit an einer neuen Chronik über Asmushausen, die keine Chronik sein will. Die Herausgeber sprechen von einer Zeitreise, auf die sie die Leser des Werkes mitnehmen möchten.

„Wir haben auf drei Schätzen aufgebaut“, erzählen Wolfgang Fehling, Kurt Gleim und Egbert Heese, die zusammen mit Martina Stein, Ulrike Weinhold-Bottner und Frank Klose zu den Herausgebern zählen.

• Vorgelegen hat dem Team die Chronik des Lehrers Rudi Eichhorn, die bis 1965 reicht.

• Seit 40 Jahren hat Kurt Gleim, der ebenfalls Lehrer gewesen ist, alles Gedruckte bis hin zu den Todesanzeigen und 6000 Fotos gesammelt.

• Gespräche mit Zeitzeugen.

Die Dokumente wurden digitalisiert, gesichtet, geordnet, und übrig blieben 370 wichtige Ereignisse in 60 Artikeln, die nach Themen geordnet wurden.

Von der ursprünglichen Idee, die Eichhorn-Chronik fortzuschreiben, nahm man schließlich Abstand, bezog sie zwar ein, aber am Ende ist ein ganz neues Werk entstanden.

Wolfgang Fehling erstellte dazu eine Liste aller Häuser und der Hausbesitzer mit Ehepartnern. „Die Zuordnung der Familien bedeutete viel Arbeit“, blickt Fehling zurück, denn bis Anfang der 70er-Jahre waren die Gebäude im Dorf durchnummeriert bis 111 - es gab noch keine Straßennamen. 1060 Familienoberhäupter zählte Fehling seit 1800, sammelte deren Geburts-, Sterbedaten und die Namen der Ehepartner.

Die Zahlen erzählten Geschichten, und die Geschichten in der Geschichte beeindruckten die Chronisten. So sind die Männer des Jahrgangs 1882 fast komplett im 1. Weltkrieg gefallen, berichtet Egbert Heese, Höfen fehlten die Nachfolger. Der 2. Weltkrieg ließ viele Halbwaisen und Witwen zurück, die die schwere körperliche Arbeit übernehmen mussten.

Die Familienschicksale werden anschaulich geschildert, verspricht das Team des Buches, das zurzeit im Druck ist und am Donnerstag zum Lichterfest zum ersten Mal zum Kauf angeboten wird. Dabei stehen die Menschen selbst im Mittelpunkt, ihr Leben, ihre Erinnerungen. Die Leser sollen sich wiederfinden, zum Beispiel in der Schilderung der Kindheit in den 70er-Jahren. „So ging es mir auch“, sollen sie sagen können.

Dazu befragte das Team 23 ältere Zeitzeugen, unterstützte andere beim Schreiben, redigierte und gab Hilfestellung beim Formulieren.

Wolfgang Fehling, erst vor wenigen Jahren zugezogen und verheiratet mit einer Asmushäuserin, erledigte einen Löwenteil der Arbeit. Er ist dankbar für das Vertrauen, das ihm entgegengebracht worden ist, und kennt die Familien jetzt besser als die geborenen Asmushäuser.

Lesen Sie weitere Artikel über die neue Asmushäuser Chronik in der gedruckten Ausgabe unserer Zeitung.

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