Eine Wucht: Frieda Braun bringt das Publikum in Ellis Saal zum Toben

Lachen mit Frieda: Ellis voll besetzter Saal tobt, als Marko Vogel so wie von Frieda gewünscht erklärt: „Ich, Marko, bin schön!“ Fotos: Apel

Weiterode. Wer das Sauerland mit dem selbst Schnee produzierenden Städtchen Winterberg noch nicht kennt, der ist spätestens am Samstagabend zum Fan dieses Landstrichs geworden. Vor allem aber zum Fan von Karin Berkenhoff, die in Ellis Saal einmal mehr als Frieda Braun das sich vor Lachen biegende Publikum begeistert.

Landchic betritt die 1963 geborene, seit 1997 als biedere und doch gewiefte Hausfrau Frieda Braun auftretende Winterbergerin die Bühne. Aus den Siebziger Jahren stammende, von Brauntönen geprägte Mode scheint ihr Faible zu sein.

Sie warnt vor Burnout, vor zu langem Arbeiten, und todernst legt sie dar, dass es zu einer Unwucht im Kopf führt, wenn das im Laufe des Lebens gesammelte Fachwissen über Jahre hinweg im rechten Gehirnlappen abgelagert wird. „Königin Beatrix ist rechtzeitig zurückgetreten. Das Gegenbeispiel ist die Queen: Sie trägt Hüte mit Schwerpunkt links!“ Prinz Charles muss unter ihrer Arbeitswut leiden: „Er ist neidisch auf unser Schützenwesen. Wie schnell wirst du da König! Aber es ist ja auch viel einfacher, einen hölzernen Vogel abzuschießen als die eigene Mutter!“

Darüber hinaus geht es in ihrer herrlichen Revue „Rolle vorwärts“ um die elf Frauen der Winterberger Splittergruppe der Katholischen Frauen Deutschlands, die Bildungskurse anbieten wollen - eine jede in ihrer „Domäne“ und eine jede so wohlüberlegt, dass es sich nicht schädlich auf die Partnerschaft von Eheleuten auswirkt. Insoweit empfiehlt sich nach Meinung von Frieda generell, sich selbst und dem jeweils anderen Komplimente zu machen: „Du bist schön!“ Wie das geht, demonstriert sie an zwei Herren aus dem Publikum. An Egolf aus Friedewald („Hört sich ja an wie E-Bike, elektrisch Golf spielen!“) und Marko aus Weiterode („Guck mal, so einfach ist das!“).

In sprachlich herausragender Weise („Woll!“) gelingt es ihr, mit unbewegter Miene Bögen zu schlagen von Toilettenpapier mit Spekulatiusduft und belanglosen Dialogen, die man in Winterberg vor und nach Weihnachten führt, bis hin zur Produktion von tierischen Unterwassergesängen bei Violas Bildungskurs: „Da brauchst du nur elf Frauen und für jede eine Terrine scharfe Bohnensuppe. Nach zehn Minuten gibt es ein ozeanisches Glucksen. Und wenn man vorher eingemachte Zwetschen isst, dann kriegst du Gesänge hin von Tieren, die gerade am Aussterben sind!“

Einfach Klasse, die unaufhörlich beklatschte Frieda.

Von Wilfried Apel

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