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Weidesaison beginnt im Landkreis: Angst vor Wölfen nimmt bei Landwirten zu

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Von: Carolin Eberth

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Wölfe sind in Alheim keine seltenen Gäste mehr. Daher wurden jüngst 100 Warnschilder in der Gemeinde aufgehängt. Ein Schild wurde neben der Weide von Landwirt Jörg Schäfer aus Niedergude angebracht.
Wölfe sind in Alheim keine seltenen Gäste mehr. Daher wurden jüngst 100 Warnschilder in der Gemeinde aufgehängt. Ein Schild wurde neben der Weide von Landwirt Jörg Schäfer aus Niedergude angebracht. © Carolin Eberth

Den Winter verbrachten die Kühe von Landwirt Jörg Schäfer aus Niedergude im Stall. Nun können seine 120 Tiere endlich wieder auf der Weide an der frischen Luft grasen.

Niedergude - Muhend und mit Luftsprüngen rennen sie über die grünen Wiesen und begrüßen die gestartete Weidesaison. Freude dabei hat auch Jörg Schäfer, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Hersfeld-Rotenburg: „Weidegang ist gut für die Tiere, für ihre Gesundheit und auch für unser Klima, weil die Weidehaltung weniger CO2-Emissionen verursacht als die Stallhaltung.“ Denn bei der Stallhaltung brauche man mehr Energie für die Futterbeschaffung und Gülleausbringung. Hinzu kämen die Emissionen bei der Produktion von Konzentratfutter und mineralischem Dünger, die bei der Stallhaltung häufiger eingesetzt würden. „Außerdem bekommen die Tiere draußen mehr Bewegung und ich brauche die Wiesen nicht mähen, weshalb weitere Emissionen eingespart werden können.“

Aus diesem Grund bringt Jörg Schäfer seine Tiere auch auf die steilen Wiesen an Hängen, die er ohnehin nicht mähen kann. „Ein Drittel meiner Grünlandflächen könnte ich ohne die Beweidung mit meinen Kühen gar nicht nutzen, weil sie sehr schlecht zu befahren sind“, sagt Schäfer.

Weitere Vorteile der Weidehaltung seien eine gute Vitaminversorgung durch das frische Gras, etwas niedrigere Futter- und Arbeitskosten und geringfügig bessere Milchpreise. „Manche Molkereien zahlen einen geringen Aufschlag auf Weidemilch. Ich zum Beispiel erhalte pro Liter Milch einen Zuschlag von 0,2 Cent. Doch das ist ein viel zu geringer Betrag, weshalb es für die meisten Betriebe gar kein Anreiz ist, ihre Tiere aus dem Stall zu lassen.“

Denn auch wenn Schäfer seine Wiesen nicht mähen braucht und weniger Gülle ausbringen muss, sei der Arbeitsaufwand noch immer hoch. „Die Milchkühe müssen abends zum Melken ja auch reingeholt werden in den Stall und morgens wieder freigelassen werden“, erklärt der Vorsitzende des Bauernverbands, der sich mehr Unterstützung und Förderungen für Landwirte wünscht, die Weidetierhaltung noch betreiben.

Unterstützung fordert Jörg Schäfer auch wegen der stetig wachsenden Anzahl an Wölfen in der Region. Erst Mitte März habe ein Wolf unmittelbar in der Nähe seiner Weiden ein Stück Rotwild gerissen, wie das Hessische Umweltministerium bestätigt. „Wenn die Vorfälle mit Wölfen weiter so stark zunehmen, bleiben meine Kühe in Zukunft im Stall. Dann betreibe ich keine Weidehaltung mehr.“

Ein Wolfsriss in seiner Kuhherde hätte nämlich nicht nur zur Folge, dass seine Tiere verletzt oder sogar getötet werden könnten, sondern auch die Gefahr, dass die restlichen Kühe ausbrechen, würde sich erhöhen. „Im Zweifelsfall kann ich die ausgerissenen Tiere wieder einfangen. Es kann aber auch sein, dass sie auf die Straße laufen und einen Unfall verursachen oder sich nicht mehr einfangen lassen. Auf die Weide können diese Tieren dann jedenfalls nicht mehr, wenn sie nach einem solchen Vorfall verängstigt und verstört sind“, erklärt Schäfer. Der Landwirt aus Niedergude hat das Vertrauen an das Umweltministerium, welches die Wolfsnachweise in Hessen registriert, längst verloren und schenkt den Zahlen über die Wolfspopulation keinen Glauben. „Hessen Forst meldet merkwürdigerweise gar keine Wolfsnachweise. Wie sollen wir einen genauen Überblick bekommen, wenn uns vieles verschwiegen wird? Wäre die richtige Anzahl an Wölfen bekannt, würde den Weidetierhaltern vielleicht auch mal geholfen.“

In den nächsten Monaten können seine 120 Kühe, falls sie nicht vom Wolf aufgesucht werden, nun das Gras unter ihren Hufen und die Freiheit genießen, bevor es im November wieder zurück in Schäfers Stall geht.

Von Carolin Eberth

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