Präsenzunterricht in kleinen Gruppen

Endlich wieder in die Schule: Wechselunterricht in Hersfeld-Rotenburg ist gestartet

Das Bild zeigt einen Teil der Klasse 8e der Brüder-Grimm-Gesamtschule in Bebra in ihrem Klassenraum.
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Zurück in den Klassenraum: Auch für die Hälfte der Klasse 8e der Brüder-Grimm-Gesamtschule in Bebra sieht die Welt jetzt wieder ein bisschen schöner aus. Unser Bild zeigt einige der Schülerinnen und Schüler. Sie glauben, dass Lücken im Lernstoff gut aufzuholen sind, wenn man auch zu Hause einigermaßen am Ball geblieben ist.

Erleichterung allenthalben – am Freitag hat auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg der Wechselunterricht in kleinen Gruppen wieder begonnen.

Hersfeld-Rotenburg - Schülerinnen und Schüler können nun zumindest in kleineren Gruppen wieder gemeinsam Unterricht in ihren Schulen erleben. Auch der Kreiselternbeirat hält diesen Schritt für richtig und wichtig. Vorsitzender Mario Knoch (Rotenburg) erklärte, die Belastungsgrenzen für Eltern seien nicht nur erreicht, sondern teilweise überschritten worden. Viele hätten ihm gegenüber beklagt, die Mehrfachbelastung durch Berufstätigkeit und Hausaufgabenbetreuung sowie andere Betreuung rund um die Uhr nicht mehr leisten zu können.

Wesentlich sei jedoch die Rückkehr zum Präsenzunterricht für die Kinder und Jugendlichen, die sich zu Hause in weiten Teilen allein durch den Schulalltag boxen mussten. Hinzu komme des Fehlen der sozialen Kontakte sowie von Sportangeboten, also der Austausch mit Gleichaltrigen. „Das macht was mit den Kindern“, sagt Knoch.

„Wichtig ist jetzt, dass die Schüler nicht gleich tausende Klassenarbeiten schreiben“, findet Kreisschulsprecherin Wiebke Maibaum. Dazu gebe es einen Erlass des Hessischen Kultusministeriums. Entscheidend sei jedoch, wie die Schulen und die Lehrkräfte das tatsächlich umsetzten. Es dürften nicht die gleichen Maßstäbe gelten wie in den Jahren zuvor, findet sie. Schließlich könne man nicht von einem Schüler verlangen, dass er im Homeschooling alles ganz genau so gelernt habe wie im Präsenzunterricht. Sicher habe es zu Hause oft auch technische Schwierigkeiten oder Verständnisprobleme gegeben.

Dass jetzt auch in Hersfeld-Rotenburg der Wechselunterricht starte, sei „der richtige Weg, aber auch alternativlos“, sagt Dr. Claus Wenzel. „Distanzunterricht kann Präsenzunterricht auf Dauer nicht ersetzen“, so der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbands Hessen (DLH) für die Kreise Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner. Am Dienstag ist übrigens schon wieder ein beweglicher Ferientag. Der Termin wurde bereits vor knapp zwei Jahren festgelegt, erklärte Schulamtsleiterin Anita Hofmann auf Nachfrage. 

Lehrerverband Hersfeld-Rotenburg: „Impfschutz hat zu lange gedauert“

Der Deutsche Lehrerverband Hessen (DLH) hatte bereits Anfang des Jahres verlässlichere Aussagen für den Corona-Kurs der Schulen und ein Wechselmodell aus Präsenz- und Distanzunterricht mit Teststrategie und Impfangeboten gefordert, erklärte der DLH-Vorsitzende für die Kreise Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner, Dr. Claus Wenzel.

Die Pandemie bleibe weiterhin eine Herausforderung für Schüler, Schulleitungen und Lehrer – auch, weil die Unterrichtsform an die Inzidenz gekoppelt ist und bei steigenden Infektionszahlen eine Rückkehr in den Distanzunterricht droht. „Derzeit wird viel für den Mülleimer gearbeitet“, sagt Wenzel auch mit Blick auf die Unterrichtsplanung. Bei den Nachbarn seien die Erfahrungen aber bisher positiv, berichtet der Lehrer an den Beruflichen Schulen in Eschwege.

Inzidenzbedingt startete der Werra-Meißner-Kreis schon Mitte Mai in den Wechselunterricht, der je nach Schulform und Jahrgängen aber unterschiedlich gestaltet werde. Die von den Schülern verlangten und zwei Mal pro Woche fälligen Selbsttest funktionierten gut – „auch wenn sie etwas Unterrichtszeit kosten“, so Wenzel. Eine professionelle Lösung bei der Infektions-Vorsorge sei daher sicher wünschenswert. „Vieles steht und fällt derzeit mit der Disziplin aller Beteiligten.“

Kritik äußert der Lehrervertreter an der technischen Ausstattung: Viele Lehrer hätten den Distanzunterricht durch private Anschaffungen ermöglicht, die auch im Wechselunterricht zum Einsatz kommen. „Erst jetzt werden uns Dienstlaptops in Aussicht gestellt, die wir meist gar nicht mehr brauchen.“ Sinnvoller aus Wenzels Sicht wäre es gewesen, den Lehrern den Kauf der nötigen Ausstattung bei Rechnungsvorlage zu erstatten.

Die Lehrkräfte hätten zudem sehr spät den ersten Impfschutz erhalten. „Das hat viele Gründe, aber bei allem Verständnis: Das hat zu lange gedauert“, so der Kreisverbandsvorsitzende. „Auf der einen Seite freuen wir uns natürlich, dass wir wieder in Präsenz unterrichten können, auf der anderen Seite schwingt aber auch ein Risiko mit“, so Wenzel.

Eventuell versäumten Lernstoff werde man sicher nicht in der noch verbleibenden Schulzeit bis zu den Sommerferien auf- oder nachholen können, ist sich Kreiselternbeiratsvorsitzender Mario Knoch sicher. Die von Bund und Land ausgelobten finanziellen Mittel für den Schulbetrieb sollten nun nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden, sondern zielgerichtet nach Bedarf eingesetzt werden. Ein Kind, das nach der Klasse 4 die Schulform wechsele und weitere Fächer hinzubekomme, habe sicher einen anderen Bedarf an Unterstützung als eins, das von Klasse 1 nach 2 wechsele, präzisierte Knoch.

Mit Geld und Nachhilfeangeboten allein bekomme man keinen Lernstoff in die Köpfe, mahnte er, wenngleich es zusätzliche Angebote geben müsse. Es gehe um individuelle Förderung in angemessenem Rahmen. Schließlich könne man kein Kind nach der langen Homeschoolingphase künftig sieben Tage die Woche nur vollstopfen mit Schulstoff. Darauf müssten Lehrpläne Rücksicht nehmen. (sis/rey/cig)

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