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Entgleister ICE: Hersfeld-Rotenburg und Schwalm-Eder-Kreis probten für Ernstfall

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Unter schwierigsten Bedingungen mussten die teilweise schwerverletzten Fahrgäste aus ihrer Lage befreit und aus dem Tunnel gebracht werden.
Unter schwierigsten Bedingungen mussten die teilweise schwerverletzten Fahrgäste aus ihrer Lage befreit und aus dem Tunnel gebracht werden. © YULIYA KRANNICH

Eine Großübung, wie sie aufgrund der langen Planungszeit nur alle paar Jahre stattfinden kann, veranstalteten in der Nacht von Samstag auf Sonntag der Landkreis Hersfeld-Rotenburg und der Schwalm-Eder-Kreis.

Hersfeld-Rotenburg – Für die Ausarbeitung der Übung wurde bereits im März 2021 eine Arbeitsgruppe unter Federführung des Regierungspräsidiums Kassel gebildet. An der Übung nahmen Kräfte der Rettungsdienste und der Feuerwehr aus beiden Landkreisen teil.

Mit dabei waren auch die Bundespolizei und die Rettungszüge aus Kassel und Fulda. Als Beobachter war ebenfalls eine Abordnung der Bundeswehr mit sieben Offizieren anwesend. Unterstützt wurden die Übungskräfte von der Schutzpolizei aus Rotenburg und Bad Hersfeld, die für den Verkehrsraum rund um das Übungsgebiet zuständig waren und für einen reibungslosen Pendelverkehr der Übungskräfte sorgten. Die Landstraße zwischen Hausen und Ersrode musste von der Polizei bis vier Uhr voll gesperrt werden, da das Südportal des Schalkenbergtunnels unmittelbar an der Landesstraße liegt und der gesamte Bereich als Rettungsplatz benötigt wurde.

Schon am Tage wurden über 100 Statisten mit mehr oder weniger schweren Verletzungen durch die hierfür von ausgebildeten Maskenbildnern der Rettungsorganisationen geschminkt und kurz vor Übungsbeginn, der für 24 Uhr angesetzt war, auf die zugewiesenen Plätze verlegt. Übungsort war der 2834 Meter lange Schalkenbergtunnel zwischen Hausen und Ersrode. Laut Übungsszenario sollte dort ein ICE gegen eine Kuhherde gefahren und aus den Schienen gesprungen sein.

Der ICE war mit 105 Fahrgästen besetzt, von denen 25 Personen so schwer verletzt waren, dass sie teilweise liegend gerettet werden mussten. Andere Fahrgäste konnten den Zug eigenständig verlassen und liefen durch den Tunnel zum Nord- und Südportal, wo sie von Helfern der Feuerwehr empfangen wurden. Bevor jedoch die Verletzten aus dem Zug gerettet werden konnten, musste der Tunnelbereich von Notfallmanagern der Bahn stromlos gemacht und die Oberleitung geerdet werden.

Statisten dienten den Rettungskräften bei der Großübung als Verletzte, die versorgt werden mussten.
Statisten dienten den Rettungskräften bei der Großübung als Verletzte, die versorgt werden mussten. © Krannich, Yuliya

Unter schwierigsten Bedingungen mussten die teilweise schwerverletzten Fahrgäste befreit und aus dem Tunnel gebracht werden. Dafür setzte die Feuerwehr auch spezielle Rollwagen ein, mit denen die Patienten zu den Rettungszügen gebracht wurden. Die Rettungszüge fuhren die liegenden Verletzten dann zu den Tunnelportalen, wo sie von Notärzten und dem Rettungsdienst in Empfang genommen und weiterversorgt wurden.

Unter den Rettern befanden sich Sanitäter und Rettungsassistenten vom DRK, dem Malteser Hilfsdienst und der Johanniter-Unfall-Hilfe. Eine mobile Einsatzleitung übernahm die Koordination des Einsatzes von der Alarmierung bis zum Abtransport der Verletzten. Auch Regierungspräsident Mark Weinmeister und der Landrat des Kreises Hersfeld-Rotenburg Torsten Warnecke machten sich ein Bild vom Ablauf der Übung.

Die Anforderungen bei der Übung waren sehr vielfältig und durch die hohe Kunst der Maskenbildner sehr realitätsnah. Zu einer Großübung gehört nicht nur, dass die Rettung von Verletzten aus einer Notlage geübt wird, auch die Betreuung und Versorgung der Kräfte vor Ort hat seinen Platz im Übungsablauf.

Um fünf Uhr meldete der Übungsleiter das Ende. In einem Nachgespräch werden in den nächsten Tagen Fehler besprochen. Die Aufarbeitung wird noch über Wochen, wenn nicht Monate andauern, bevor eine Lösung umgesetzt werden kann. (yk)

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