Besuch in der freien christlichen Martin-Luther-Grundschule in Heinebach

Heinebach. Das morgendliche Gebet im Stuhlkreis ist den Kindern ein vertrautes Ritual. Jedem fällt schnell ein Grund ein, um heute zu Gott zu beten.

Für schönes Wetter am Nachmittag beim Spielen, für die Gesundheit des erkrankten Cousins. Dann murmeln die Kinder reihum leise ihre Gebete. Danach beginnt der Unterricht.

Dieses Ritual am Morgen macht einen Unterschied der freien christlichen Martin-Luther-Grundschule in Heinebach zu staatlichen Schulen aus. Eine andere Besonderheit: Die Schule ist winzig klein. Nur 15 Kinder besuchen sie und bilden eine gemeinsame Klasse der Jahränge eins und zwei.

Wer morgens von Mama oder Papa gebracht wurde, der tauscht die Straßenschuhe zunächst gegen ein Paar Hausschuhe, sucht sich seinen Platz und einen Gesprächspartner oder beschäftigt sich still mit Malen oder Lesen, bis der Unterricht beginnt. Natalia Funk ist die alleinzuständige Lehrerin, seit die Schule vor zwei Jahren den Unterrichtsbetrieb aufnahm.

Natalia Funk ist 27 Jahre alt und stammt aus Hergershausen. Nach dem Studium in Kassel und dem Referendariat hätte sie sich an einer Schule des Verbandes evangelischer Bekenntnisschulen beworben, wären nicht die Gründer der Heinebacher Martin-Luther-Schule auf sie aufmerksam geworden. „Ich habe mich für ein Leben mit Jesus entschieden“, sagt Funk. Die Liebe, die sie spürt, will sie den Kindern weitergeben: „Ich weiß, dass jedes Kind von Gott geliebt ist. Und so will ich das Kind auch behandeln.“ Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit, sagt sie, sind Werte, die sie vermitteln will.

Die christliche Ausrichtung der Schule spiegelt sich neben dem Morgengebet darin, dass Religion ein Pflichtfach für alle ist. Immer montags findet ein Gottesdienst statt, den die Eltern mitgestalten. Den hessischen Lehrplan für den Sachunterricht hat die Schule beispielsweise um die Beschäftigung mit dem Leben Martin Luthers ergänzt.

So zentral an der Gründung einer neuen Schule beteiligt zu sein, empfindet Natalia Funk als spannende Herausforderung. Ihre Rolle fordert viel Verantwortung und bringt etwas Freiheit mit sich. Es gibt keine Schulglocke, und so dehnt oder kürzt die Lehrerin einzelne Unterrichtsstunden, wenn sie es für angebracht hält.

Ansonsten gilt: Mathe, Deutsch, Kunst, Sport, Musik - all diese Fächer unterrichtet Funk wie die Lehrer an anderen Grundschulen. Schließlich sollen die Kinder optimal auf weiterführende Schulen vorbereitet werden.

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