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Der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth meldet sich nach längerer Auszeit zurück

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Wieder im Dienst: Der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth meldet sich nach längerer Krankheit zurück.
Wieder im Dienst: Der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth meldet sich nach längerer Krankheit zurück. © Kai A. Struthoff

Michael Roth meldet sich zurück: Der SPD-Bundestagsabgeordnete war für drei Monate krankgeschrieben und hatte sich zur Behandlung seiner mentalen Probleme zurückgezogen.

Hersfeld-Rotenburg –Bereits in Frühjahr 2022 hatte er seine Krankheit öffentlich gemacht und sich in Behandlung begeben – doch die Auszeit reichte damals offenbar nicht aus.

„Gemeinsam mit meiner Ärztin habe ich mir gesagt: Jetzt mache ich es richtig“. Weit weg vom politischen Tagesgeschäft hat Michael Roth versucht, „abzuschalten, achtsamer zu leben, viel Sport zu treiben und wieder zu Kräften zu kommen.“ Jetzt meldet er sich zurück, gut erholt, leicht gebräunt und so Energie geladen, wie man ihn kennt. „Es geht mir wieder gut, und ich freue mich auf die Arbeit“, sagt Roth im Gespräch mit unserer Zeitung.

Auch wenn der SPD-Politiker eine Weile weg war, die Welt hat sich weitergedreht und die Probleme sind nicht kleiner geworden. An seiner – selbst in der eigenen Partei durchaus umstrittenen – Position, die Ukraine mit schweren Waffen im Kampf gegen den russischen Aggressor zu versorgen, hat sich auch während seiner Auszeit nichts geändert. „In der Sache habe ich eine klare Haltung, und dafür werbe ich auch.“

Aus diesem Grund sei er vor seiner Krankheit so „omnipräsent“ in den Medien gewesen – um den Menschen seinen Standpunkt zu erklären. Als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses war der ehemalige Staatsminister im Auswärtigen Amt ein gefragter und kompetenter Gesprächspartner.

Trotz seiner psychischen Erkrankung lässt Roth im Gespräch keinen Zweifel daran, dass er sein Amt als Ausschussvorsitzender auch weiter ausüben will und für seine Überzeugungen eintreten will. „Ich habe zwar den Wehrdienst verweigert, aber ich war nie Pazifist“, sagt Roth. Der Angriffskrieg gegen die Ukraine habe ihn in seiner Überzeugung bestärkt, „dass wir unsere Freiheit und unsere Demokratie im äußersten Fall auch mit militärischen Mitteln verteidigen müssen“. Trotzdem hält er das „behutsame Vorgehen“ von Kanzler Olaf Scholz mit Blick auf die Waffenlieferungen für richtig. „Auch ich will keinen deutschen Alleingang“, stellt er klar und plädiert für eine enge Abstimmung mit den internationalen Verbündeten. Michael Roth rechnet damit, dass über die Lieferung von Kampfpanzern an die Ukraine in Kürze entschieden wird. „Wir müssen uns auf die von Präsident Putin angekündigte Frühjahrsoffensive einstellen“ – und deshalb der Ukraine weiter moderne westliche Waffen zur Verfügung stellen. Roth lobt in diesem Zusammenhang auch die USA und Präsident Joe Biden, die ein 45 Milliarden Dollar schweres Paket zur Unterstützung der Ukraine auf den Weg gebracht haben.

Zurückhaltend äußert sich Michael Roth zum Rücktritt seiner Parteifreundin Christine Lambrecht, der am Wochenende bekanntgeworden war. „Ich war von 1998 bis 2021 gemeinsam mit Christine Lambrecht im Bundestag und habe sie immer als Vollprofi erlebt.“

Mit dem Amt der Verteidigungsministerin sei sie aber offenbar nie richtig warm geworden. „Das passte nicht zu ihr.“ Anerkennend lobt Roth aber, dass sich unter ihrer Führung im vergangenen Jahr bei der Bundeswehr viel getan habe. Über mögliche Nachfolger oder Nachfolgerinnen will sich Roth nicht äußern. Er ist aber davon überzeugt, dass das Amt SPD-geführt bleibe. „Es ist das Schlüsselministerium bei der Umsetzung der Zeitenwende. Deshalb muss es künftig von einer Person geführt werden, die die schwierigen Aufgaben mit Sachverstand, Autorität und Kommunikationsgeschick angeht.“

Der Krieg in der Ukraine hat die bisherige Weltordnung durcheinandergeschüttelt, und er fordert seine Opfer – auch unter den Politikern. (Kai A. Struthoff)

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