Aufwärtstrend freut Naturschützer

Es gibt wieder mehr Weißstörche im Kreis Hersfeld-Rotenburg

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Sind nicht mehr die einzigen: Zwei Weißstörche in Niederaula – aufgenommen von unserem Leser Bernd Möller. 

Hersfeld-Rotenburg. Er gilt als Frühjahrsbote, Glücksbringer und Babylieferant: Der Storch. Fast 600 Weißstorch-Paare brüten laut des Naturschutzbundes (Nabu) mittlerweile wieder in Hessen, und auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind die Tiere vermehrt anzutreffen.

Von einem erfreulichen Aufwärtstrend spricht Walter Gräf vom Nabu Wildeck, der sich seit vielen Jahren für den Vogelschutz engagiert. Allerdings habe es auch einiger Anstrengungen bedurft, nachdem der Weißstorchbestand Anfang der 80er-Jahre so gut wie nicht mehr vorhanden gewesen sei, betont er. Ein Schwerpunkt der Weißstorch-Population im Fuldatal ist laut Hermann Glebe vom Nabu Bad Hersfeld die Marktgemeinde Niederaula, in der allein vier Masten für Storchennester stehen.

Weitere gibt es in Bad Hersfeld, Ludwigsau, Bebra, Rotenburg, Heringen und Alheim. Mit fünf bis sechs erfolgreichen Bruten seien die Populationen im Fulda- und Werratal in den vergangenen Jahren fast identisch, so Glebe. Der Nabu Hessen listet für 2016 und 2017 sogar zehn Bruten auf.

„Die Brutpaare sind fast alle da“, berichtet Naturschützer Hans-Joachim Schmidt aus Nentershausen mit Blick auf die aktuelle Saison. Bestätigen kann das Heinrich Wacker, Mitglied im Nabu-Landesverband. Anfang März kämen in der Regel die älteren Störche zurück, es könne also sein, dass im April noch weitere junge Paare dazukommen, erklärt der Rotenburger, der ebenfalls von einer Erfolgsgeschichte spricht, was die Wiederansiedlung des Weißstorchs betrifft.

Eine Heimat bieten

Um den Tieren auch in Zukunft eine Heimat zu bieten, müssten laut der Experten aber nicht nur geeignete Brutplätze vorhanden sein, auch das Nahrungsangebot muss stimmen. Gleichzeitig hänge die Entwicklung von der Zug-route und den Winterquartieren ab, so Wacker. Wenn es diesbezüglich keine Verluste gebe, könnte die Zahl in den kommenden Jahren noch weiter steigen. Nur noch ein einziges Storchen-Brutpaar gab es in den 80er-Jahren im Landkreis Hersfeld-Rotenburg – und selbiges war damit gleichzeitig das einzige in ganz Hessen. Das berichten die heimischen Naturschützer heute.

Im Landeanflug: Störche brüten in der Höhe.

Inzwischen hat sich die Zahl der Weißstörche wieder gut entwickelt, und das liegt offenbar auch an den Bemühungen der Ehrenamtlichen, die in den vergangenen Jahren unter anderem Storchenhorste gebaut und aufgestellt haben. Im Landkreis haben sich diesbezüglich allen voran Walter Gräf und Hans-Joachim Schmidt verdient gemacht, die von ihren ehrenamtlichen Kollegen gern augenzwinkernd als Storchenväter bezeichnet werden.

Als positives Beispiel und Erfolgsgeschichte, die motiviere, bezeichnet Heinrich Wacker den Aufwärtstrend – auch mit Blick auf andere Tiere, deren Vorkommen abnehme, wie Feldvögel oder Insekten.

„Störche sind Sympathieträger“, begründet Wacker sein Interesse an Meister Adebar, wie der Storch in Märchen und Fabeln genannt wird. Außerdem ist der Weißstorch auch das Wappentier des Naturschutzbundes.

Zehn Weißstorch-Bruten listet der Naturschutzbund Hessen für den Kreis Hersfeld-Rotenburg in den vergangenen beiden Jahre auf – der Landkreis liegt damit weit hinter Regionen wie Groß-Gerau mit 236 Bruten im Jahr 2017 und 203 ein Jahr zuvor oder Main-Kinzig mit 60 beziehungsweise 47 in Südhessen, aber vor dem Vogelsbergkreis (3/2) und gleichauf mit Schwalm-Eder (11/10).

Ein nistplatztreues Tier

Der Weißstorch ist laut Nabu ein nistplatztreues Tier, wobei das Männchen vor dem Weibchen eintrifft und möglichst das Nest vom Vorjahr besetzt. Mitunter könne es zu heftigen Kämpfen mit Besetzern vorjähriger Nester kommen. Der Weißstorch brütet auf Hausdächern, Türmen, Strommasten oder Bäumen, aber auch künstliche Horste würden gerne angenommen. Brutzeit ist von Anfang April bis Anfang August.

Laut Wacker bevorzugen die Tiere Nester, die sie gut anfliegen können, weshalb die künstlichen Horste in offenen Landschaften gut angenommen würden.

Das Klappern mit dem Schnabel dient übrigens der Begrüßung des Partners. Außerhalb der Brutzeit leben die Störche in kleineren oder größeren Verbänden.

Für die Zukunft des Weißstorches in Hessen ist laut Nabu vor allem der Erhalt von Feuchtgrünland von entscheidender Bedeutung. Um genug Futter für ihre Jungen zu finden, bräuchten die Störche möglichst viele nasse Wiesen in Horstnähe. Vor allem der Umbruch von Grünland zu Maisäckern für die Erzeugung von Biogas sei eine große Gefahr für die weitere Entwicklung der Bestände, heißt es.

Schwarzstörche gibt es im Landkreis ebenfalls, sie sind jedoch um einiges scheuer und eher im Wald, gerne mit Still- und Fließgewässern, anzutreffen – wenn man sie denn zu Gesicht bekommt.

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