Neue EU-Verordnung

Verbot von bunten Tattoos: Auswirkungen bereits spürbar - Tätowierer bangen um Existenz

Die Tätowier-Szene schaut mit Unsicherheit ins neue Jahr. Grund ist eine EU-Verordnung, die künftig für weniger bunte Haut sorgen könnte. Anna Bube vom Tattoostudio „Anna Ironheart“ in Bebra trifft diese Verordnung besonders hart, da sie sonst zum größten Teil mit bunter Farbe tätowiert.
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Die Tätowier-Szene schaut mit Unsicherheit ins neue Jahr. Grund ist eine EU-Verordnung, die künftig für weniger bunte Haut sorgen könnte. Anna Bube vom Tattoostudio „Anna Ironheart“ in Bebra trifft diese Verordnung besonders hart, da sie sonst zum größten Teil mit bunter Farbe tätowiert.

Fast alle Tattoofarben sind seit Dienstag aufgrund einer verschärften Richtlinie in der gesamten EU verboten. Viele Tätowierer rechnen deshalb mit Umsatzeinbußen.

Hersfeld-Rotenburg – Viele Tätowierer sind fassungslos, dass ihre Farben plötzlich gesundheitsgefährdend sein sollen. „Auch wenn ich in den vergangenen Monaten versucht habe, die Farben aus meinem Lager aufzubrauchen, musste ich am Dienstag Tattoofarben im Wert von 2600 Euro wegwerfen“, sagt Anna Bube vom Tattoostudio „Anna Ironheart“ in Bebra. Die Verordnung betreffe nicht nur die bunten, sondern auch die weißen, schwarzen und grauen Töne, erklärt sie.

Das Problem: Auf dem deutschen Markt verfügbare alternative Farben entsprechend der neuen EU-Verordnung seien bislang nur Schwarz, Grau und Weiß. Das bedeutet, dass vorerst keine bunten Tattoos mehr gestochen werden können. „Ich denke, dass dadurch mindestens ein Drittel, wenn nicht sogar die Hälfte an Aufträgen wegbricht“, sagt Bube.

„Unsere Branche hatte und hat schon erheblich zu kämpfen mit den Corona-Einschränkungen und Lokdowns. Diese neue Verordnung ist jetzt ein weiterer Schlag“, sagt Sabrina Kampermann, Geschäftsführerin des Tattoostudios „The Bearded Dragon“ in Lispenhausen. Für sie mache es überhaupt keinen Sinn, jetzt neue Farben auf den Markt zu bringen, die potenziell neue Gefahren bergen können.

Wegen EU-Verbot: Tattoofarbe ist jetzt deutlich teurer

Sie fürchtet auch, dass Tattoo-Fans zu unseriösen Angeboten greifen könnten, die trotz Verbots bunte Farben tätowieren. Oder sich im Ausland unter die Nadel legen und das Geschäft hierzulande leiden könnte. „Ich kann meinen Kunden nun gar nicht mehr sicher sagen, wie die Qualität der Farbe ist. Sprich wie das Tattoo in mehreren Jahren aussehen wird und wie Sonneneinstrahlung die Farbe eventuell verändert“, fügt Bube hinzu.

Dazu seien die neuen Farben auch um einiges teurer. Was Anna Bube bisher für 150 Milliliter Farbe gezahlt hat, das müsse sie jetzt für 50 Milliliter auf den Tisch legen.

Im Tattoostudio „Slitisian Ink“ in Bad Hersfeld kann wegen des neuen Verbots aktuell nur diese eine schwarze Farbe verwendet werden, wie Shopmanager Chris Weber zeigt.

Dass die Verordnung für weniger Umsatz sorgen wird, da ist sich auch Chris Weber, Shopmanager des Tattoostudios „Slitisian Ink“ in Bad Hersfeld sicher: „Ich schätze, dass circa 15 von 50 Kunden sich bei uns bisher bunte Tattoos haben stechen lassen. Diese 30 Prozent fehlen uns nun und das werden wir dann natürlich auch finanziell spüren.“

Außerdem seien bunte Tattoos oft teurer, weil sie aufwendiger und mehr Zeit in Anspruch nehmen würden. Zudem habe er nie schlechte Erfahrungen mit den betreffenden Farben gemacht, betont er.

„Wann neue Farben auf den Markt kommen, ist noch unklar – viele hoffen zwar, dass es schon im Laufe des Jahres 2022 so weit ist und wir wieder bunt statt schwarz-weiß stechen können. Aber das ist ungewiss, wir können jetzt nur hoffen“, sagt Weber. Fest steht: Nach einer Schonfrist werden 2023 weitere Pigmente verboten, die in vielen Tattoofarben zu finden sind.

Ansturm auf die Tattoo-Studios, bevor Gesetz in Kraft getreten ist

Alle drei Studios berichten außerdem von einem regelrechten Ansturm, bevor die Verordnung in Kraft getreten ist. „Da haben manche Kunden ziemlich Panik bekommen, die zum Beispiel noch unvollständige Tattoos hatten, die fertig werden mussten“, erzählt Kampermann aus Lispenhausen.

Anna Bube habe sogar ihren gesamten Weihnachtsurlaub gestrichen, um all ihren Kunden noch vor der neuen Verordnung gerecht zu werden und zusätzliche Termine annehmen zu können.“

„Anna Ironheart“ könnte auch eines der ersten Studios im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sein, die wieder bunt tätowieren können: „Ich habe bereits sechs Farben im Ausland bestellen können, die der Verordnung entsprechen. Ich bin gespannt, wie sie sich verarbeiten lassen.“ (Carolin Eberth)

Ein Wissenschaftler aus Göttingen hat bereits 2018 vor den Gefahren durch Tattoo-Farbe gewarnt. Weitere Nachrichten aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg gibt es in unserem kostenlosen Newsletter.

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