Solarstrom lädt Handy-Akkus und hilft, Lebensmittel zu kühlen

Existenzgründer unter der Sonne

Im Sonnen-Systeme-Shop von Luwero in Uganda: Angestellter Asalia, in der Mitte mit T-Shirt im firmenorange, berät Kunden und hält auch Ersatzteile vor. Auch bei der Finanzierung eines Solar-Home-Systems helfen die Mitarbeiter. Foto:  nh

Heinebach. Das Wichtigste in Afrika ist Licht. Weil es dort früh am Abend stockfinster wird, brauchen die Menschen Lichtquellen, weiß Samuel Fan. Der 44-jährige Mann von der Elfenbeinküste, der in Kassel Internationale Argrarentwicklung studiert hat, betreut für die Heinebacher Sonnen-Systeme-Projektgesellschaft den Vertrieb von Solarkoffern und von den so genannten Solar-Home-Systems. Mit den mobilen Geräten kann Solarstrom produziert und gespeichert werden.

Wennn Du Leuten ein bisschen Strom gibst, wollen sie immer mehr“.

Samuel Fan

In Afrika werden damit nicht nur Lampen, sondern auch Kühlschränke, Ventilatoren oder Fernseher betrieben. Und Handys können aufgeladen werden. Das Mobilfunknetz ist auf dem südlichen Kontinent unglaublich gut ausgebaut, erzählt Samuel Fan. Den Handys kommt dort eine wichtige Funktion zu: Sie bilden die Verbindung zwischen Stadt- und Landbevölkerung, sichern soziale Strukturen.

Die in Heinebach produzierten Geräte sorgen aber nicht nur für Komfort, sondern bilden einen wichtigen Grundstein für Existenzgründer: Viele Menschen, besonders Frauen, schließen sich zu kleinen Genossenschaften zusammen und verkaufen den Sonnenstrom weiter. Oder sie schaffen sich einen Fernseher an und lassen gegen ein kleines Entgeld andere mitschauen. Selbst ein Frisiersalon wurde mithilfe eines Home-Systems eingerichtet. „Das ist unsere Philosopie: Es geht nicht darum, einfach Geld zur Verfügung zu stellen, sondern die Eigeninitiative der Menschen in Afrika zu stärken,“ sagt Samuel Fan.

2003 kennengelernt

Die Sonnen-Systeme-Projektgesellschaft gehört zur Elektro-Kirchner-Gruppe. Lars Kirchner und Samuel Fan haben sich 2003 kennengelernt. Fan lebte damals mit seiner Frau in Heinebach, war eng mit der dortigen Chrischona-Gemeinde verbunden. Später besuchte Kirchner seinen Freund, als der in Uganda für eine Hilfsorganisation als Entwicklungshelfer arbeitete. Schon damals überlegte Kirchner, wie man die in Afrika überreichlich vorhandene Sonnenergie nutzen könnte. 2005 besuchten Lars Kirchner, sein Mitgesellschafter Karsten Dippel sowie Christof Förtsch Samuel Fan erneut und begannen, das Projekt Solarstrom für Afrika konkret voranzutreiben.

Kibanga-Ndola – Schritt für Schritt, wie es in Uganda heißt, engagiert sich das Unternehmen dort. Es vergibt auch Kredite zur Anschaffung der Strom produzierenden Geräte. Mit Banken, so sagt Samuel Fan, arbeiten die Einheimischen nicht so gern zusammen.

Werbung wie in Heinebach

Das Kirchner-Unternehmen hat natürlich Arbeitsplätze vor Ort geschaffen – Frauen und Männer gehören zu den Angestellten. Frauen haben einen leichteren Zugang zu den Kundinnen in Afrika, weiß Samuel Fan.

Werbung für die Sonnensysteme wird in Afrika nicht anders gemacht als im Heinebacher Kompetenzzentrum: Mitarbeiter stellen die Produkte in Informationsveranstaltungen vor. Allerdings geschieht das in Dörfern Afrikas unter freiem Himmel. Der Markt ist ausbaufähig: „Wenn Du Leuten ein bisschen Strom gibst, wollen sie immer mehr“ sagt Samuel Fan.

Von Silke Schäfer-Marg

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