„Aufschlag“ in der Tennishalle auf der Unterau

„Extrawurst“ – Komödie mit viel Tiefgang bei den Bad Hersfelder Festspielen

Das Foto zeigt Matthias Scholz und Erol Oturan (rechts) in der Komödie „Extrawurst“ der Bad Hersfelder Festspiele.
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Zwei Grills?: Matthias Scholz und Erol Oturan diskutieren, was eigentlich auf den Rost darf, und was nicht.

Bei der Komödie „Extrawurst“ der Bad Hersfelder Festspiele geht es um gesellschaftliche Miteinander im Verein. Ein Stück mit Tiefgang, das auf der Tennisanlage aufgeführt wird.

Bad Hersfeld – Es ist wieder Festspielzeit. Doch in Schloss Eichhof wird es auch in diesem Jahr wegen der vielen Corona-Vorgaben keine Komödie geben. Pro Vorstellung wären dort nur 40 Zuschauer zulässig gewesen. Und das würde dem Stück „Extrawurst“ in keiner Weise gerecht.

Mit der Tennishalle an der Unterau ist ein passender Ersatzspielort gefunden worden. Und pro Aufführung sind dort auch bis zu 150 „Mitglieder“ dabei, wenn der der Tennisverein TuS Eichhof 09 seine Jahreshauptversammlung abhält. Dabei wird das Publikum von den fünf Protagonisten immer wieder in das heitere Stück mit viel Tiefgang einbezogen.

Eigentlich ist die Tagesordnung schnell abgearbeitet: Einstimmig werden Präsident Dr. Heribert Bräsemann (Carsten Hentrich) und sein Stellvertreter Mathias Scholz (Matthias Scholz) wieder gewählt, es wird ohne Diskussion über den Bau des Vereinsheims entschieden und das Buffet kann eröffnet werden.

Eigentlich. Wäre da nicht noch der Tagesordnungspunkt Sonstiges. Plötzlich wird es turbulent. Der Verein benötigt einen neuen Grill. Und so eine Anschaffung will bestens vorbereitet sein.

Noch einmal intensiver wird die Diskussion, wenn Melanie Pfaff (Laura Puscheck) darauf hinweist, dass mit dem Türken Erol Oturan (Parbet Chugh) ein Moslem Vereinsmitglied ist und dieser ja kein Schweinefleisch essen dürfe. Somit wäre es ja nur fair und auch sinnvoll, gleich einen zweiten Rost für die Rindswurst von Erol anzuschaffen – auch wenn der dies als nicht notwendig erachtet. Wenig hilfreich sind dabei auch immer wieder die Zwischenrufe des selbst ernannten Witzbolds Torsten Pfaff (Johann Anzberger).

Die gut gemeinte Grill-Idee löst eine Diskussion unter den fünf Vorstandsmitgliedern aus, die den eigentlich friedlichen Verein an seine Grenzen bringt. Plötzlich werden ganz andere Fragen diskutiert: Wie viel Rücksicht muss eine Mehrheit gegenüber einer Minderheit nehmen? Kann und soll die Mehrheit bestimmen, was auf den Grill kommt? Wie politisch korrekt oder tolerant sind wir wirklich? Gibt es am Grill eine deutsche Leitkultur? Und sind auch Vegetarier eine Glaubensgemeinschaft, die einen eigenen Grill braucht? Und was ist eigentlich mit den Veganern ...?

Ebenso respektlos wie komisch prallen Atheisten und Gläubige, Deutsche und Türken, Gutmenschen und Hardliner direkt aufeinander.

Allen wird ganz schnell klar: Es geht bei der Diskussion um viel mehr als bloß einen herkömmlichen Grill. Es geht um das gesellschaftliche Miteinander, bei dem die Trennlinien zwischen „rechts und links“, „tolerant und intolerant“, „religiös und ungläubig“ wesentlich unschärfer sind, als manche denken. (Mario Reymond)

Die Komödie „Extrawurst“

Inszenierung: Dr. Bettina Wilts, Regieassistenz: Diana Margolina, Bühne und Kostüme: Wesko Rohde, Darsteller: Carsten Hentrich (Dr. Heribert Bräsemann), Dirk Hoener (Matthias Scholz), Parbet Chugh (Erol Oturan), Laura Puscheck (Melanie Pfaff), Johann Anzenberger (Torsten Pfaff). Spielort: Tennishalle auf der Unterau. Dauer: 90 Minuten.

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