Kreis Hersfeld-Rotenburg

Fahrlehrer zu Corona-Stopp: „Lage ist katastrophal“

+
Bild aus vergangenen Tagen: Seit Mitte März dürfen Fahrlehrer in Hessen keine Fahrstunden mehr geben. Wann der Unterricht wieder beginnen kann, ist unklar. Die Fahrschulen im Landkreis haben für einen Neustart bereits vorgesorgt, um etwaige Hygieneauflagen sofort zu erfüllen.

Die Corona-Krise macht auch den Fahrschulen im Kreis Hersfeld-Rotenburg schwer zu schaffen. Warum sie nicht mal die Motorradausbildung anbieten dürfen, verstehen sie nicht.

Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten über weitere mögliche Lockerungen der Corona-Einschränkungen berät, werden auch die Fahrlehrer und Fahrschüler im Landkreis ganz genau hinschauen, was am Ende dabei herauskommt. Denn die Stimmung in den Fahrschulen, die seit nunmehr sechs Wochen geschlossen bleiben müssen, ist schlecht.

„Dass wir noch nicht mal die Motorradausbildung anbieten dürfen, ist ein Witz“, sagt Aribert Kirch, Vorsitzender der Fahrlehrervereinigung Hessen, der Fahrschulen in Alheim, Bebra und Rotenburg betreibt. „Motorradfahrer tragen sowieso schon eine Schutzausrüstung. Und kommuniziert wird ohnehin per Funk. Wo ist also das Problem?“, fragt Kirch.

Lkw-Fahrschulen dürfen ausbilden

Unverständlich sei auch, dass in Hessen einzig die Lkw-Fahrschulen seit Ende März wieder ausbilden dürfen, „obwohl ein enger Kontakt mit dem Fahrschüler unausweichlich ist. Das Ministerium meint, dass die Lkw-Ausbildung systemrelevant ist. Was für ein Quatsch“, sagt Kirch, der seit 35 Jahren Fahrlehrer ist.

Leasingraten für Autos müssen bedient werden

Auch Oliver Paul, Inhaber der gleichnamigen und nach eigenen Angaben ältesten Fahrschule in Bad Hersfeld, findet deutliche Worte: „Die Lage ist katastrophal.“ Vor allem junge Fahrschulen, die noch keine finanzielle Rücklagen bilden konnten, treffe die Corona-Pause hart. „Wenn man null Einnahmen hat, aber laufende Kosten wie Leasingraten für die Autos bezahlen muss, wird’s richtig eng“, sagt Paul.

Bundesweit könnte jede dritte der insgesamt 10 000 Fahrschulen durch die Coronakrise vor dem Aus stehen – trotz wirtschaftlicher Unterstützung des Staates. Das geht aus einer Umfrage des Branchenverbands Moving hervor.

Aribert Kirch kündigt an, mit der Fahrlehrervereinigung über den Rechtsanwalt und früheren Verkehrsminister Dieter Posch, „unseren Anspruch auf Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz“ durchsetzen zu wollen.

Mehr Zeit nach bestandener Theorie

Eine gute Nachricht gibt es immerhin für Fahrschüler: Sie haben laut ADAC wegen der Corona-Pause nun nicht mehr nur ein Jahr, sondern anderthalb Jahre Zeit, um nach bestandener Theorie die Fahrprüfung zu meistern. Diese Fristverlängerung sei aber auch nötig, sagt Fahrlehrer Oliver Paul. „Die fehlenden Stunden, die jetzt auflaufen, werden wir so schnell nicht aufholen können.“

Ein weiterer Kritikpunkt von Fahrlehrern aus dem Landkreis: Die Kollegen in NRW dürfen seit vergangener Woche wieder die Fahrschulen öffnen, wenn auch unter strengen Auflagen. „Das ist uns doch nicht mehr vermittelbar“, sagt Kirch.

In seiner Funktion als Vorsitzender der Fahrlehrervereinigung Hessen hat er sich auch schon ans Verkehrsministerium ins Wiesbaden gewandt. Dort habe man ihm lediglich mitgeteilt, dass die hessischen Fahrschulen weiterhin bis zum 4. Mai geschlossen bleiben. „Ich hoffe, dass wir danach wieder Vollgas geben können.“

Handschuhe und Desinfektionsmittel im Kofferraum

Bereit wären die Fahrschulen. „Handschuhe und Desinfektionsmittel habe ich schon im Kofferraum, Mundschutzmasken sind bestellt“, sagt Kirch. Von möglichen Schutzvorrichtungen wie Plexiglasscheiben zwischen Fahrer- und Beifahrersitz hält er indes nichts. „Ich muss im Ernstfall ja ins Lenkrad greifen können.“

Wann es tatsächlich wieder losgeht, darüber entscheidet die Politik. Auch deshalb warten Aribert Kirch, Oliver Paul und alle anderen Fahrlehrer und Fahrschüler gespannt darauf, was Kanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten nach ihrer für Donnerstag geplanten Telefonkonferenz verkünden werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.