Landwirt verliert 200 Heu- und Strohballen

Polizei Hessen: Familie wurde Opfer eines Brandes - wurde das Feuer gelegt?

Markus und Nina Schäfer mit ihren Kindern Emma, Matheo und Lenn sitzen auf Holzklötzen auf der Brandwiese nördlich des Alheimer Ortsteils Obergude, auf der 200 Heu- und Strohballen der Familie verbrannt sind.
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Sind dankbar für die Hilfsbereitschaft der Oberguder: Markus und Nina Schäfer mit ihren Kindern Emma, Matheo und Lenn auf der Brandwiese, rund 150 Meter vom Haus der Familie entfernt.

Ein Feuer suchte das Futter Lager eines Landwirtes in Hessen heim. Laut Polizei kann Brandstiftung nicht ausgeschlossen werden.

Obergude - Es sind mehrere Wochen Arbeit, die über Nacht vernichtet werden. Am Samstagabend denkt Markus Schäfer aus Obergude noch: „Wir können gelassen auf den Winter schauen.“ Einige Stunden später ist es mit der Gelassenheit vorbei. Auf einer ein Hektar großen Wiese nördlich von Obergude wüten die Flammen. Der Biolandwirt lagert dort 50 Heu- und 150 Strohballen, die er bereis im vergangenen Jahr für seine Tiere zurückgelegt hat. Sie überstehen das Feuer nicht. Es war Brandstiftung, sagen Feuerwehr und Polizei. „Es ist eine Schweinerei“, sagt Markus Schäfer.

Das Feuer erfordert ein Großaufgebot der Alheimer Wehren, Unterstützung kommt aus Rotenburg und vom Technischen Hilfswerk (THW). Erst am Montagmorgen, nach 33 Stunden, endet der kräftezehrende Einsatz für die Feuerwehrleute – vorerst. Am Dienstag flammen die Glutnester erneut auf, wieder müssen die Brandschützer anrücken. Wieder sind die Schäfers im Ausnahmezustand. Die fünfköpfige Familie hat den Verlust vom Wochenende bisher mit Fassung getragen. Jetzt macht sich die Erschöpfung bemerkbar. Und: „Die Wut auf den Brandstifter wird größer“, sagt der Landwirt.

Brandstiftung: Mit Ausbruch des Feuers ist auch ganz Obergude im Einsatz

In Obergude dürfte es so viel Aufregung schon lange nicht mehr gegeben haben. Als in der Nacht zum Sonntag das erste Feuer ausbricht, ist nach und nach das ganze Dorf im Einsatz. Es beginnt mit den Bewohnern eines nah an der Brandstelle liegenden Ferienhauses, die noch spät abends im Garten sitzen und die Flammen bemerken. Es geht weiter mit Markus Schäfers Cousin und einem Bekannten, die mit Güllewagen kubikmeterweise Wasser auf die Wiese karren und so bei der Brandbekämpfung helfen.

Die Polizei geht von Brandstiftung aus: Rund 50 Heu- und 150 Strohballen sind auf der Wiese von Landwirt Markus Schäfer nördlich des Alheimer Ortsteils Obergude verbrannt.

Im Hause Schäfer steht wegen besorgter Nachfragen und vieler Hilfsangebote das Telefon nicht mehr still. Noch ist die Erntezeit nicht vorbei, einige Landwirte wollen für die Schäfers Stroh übrig lassen. Am Sonntagnachmittag werden die Einsatzkräfte so gut mit geschmierten Broten, Kaffee und Wasser versorgt, „dass wir gar nicht alles essen und trinken konnten“, so Gemeindebrandinspektor Bernd Hildebrand.

Es ist daher auch nicht das Bild der brennenden Ballen, das den Schäfers am deutlichsten in Erinnerung bleibt: Es ist die Hilfsbereitschaft. „Und wir sind einfach froh, dass keine Menschen und Tiere zu Schaden gekommen sind“, sagt Nina Schäfer. Trotzdem hat das Wochenende Spuren hinterlassen. „Nach dem ersten Schock am Samstag sind mir am Sonntag in einer ruhigen Minute fast die Tränen gekommen“, sagt ihr Mann.

Landwirt: Brandstifter hat schlimmeren Ausgang in Kauf genommen

Die Polizei schätzt den entstandenen Schaden auf 5000 Euro. „Das reicht nicht“, sagt der 45-Jährige. Schäfer ist zwar versichert, „aber eine finanzielle Belastung ist es trotzdem.“ Die verbrannten Heuballen, mit denen der Biobauer seine Tiere füttert, müssen ersetzt werden – und zwar in Bioqualität. Wie gut sich eine so große Menge Futter finden lässt, kann er noch nicht sagen.

Dass die vermutliche Brandstiftung persönliche Hintergründe hat, können sich die Oberguder nicht vorstellen. „Ich habe mit niemandem Ärger“, sagt Markus Schäfer, der in dem Alheimer Ortsteil aufgewachsen ist und den Betrieb mit 120 Tieren vor 15 Jahren von seinem Vater übernommen hat. „Es ist Zufall, dass es uns getroffen hat“, ist auch seine Frau überzeugt. Die Hinweise auf Brandstiftung sind für den Biolandwirt aber eindeutig: „Es ist auffällig, dass bei Ankunft der Feuerwehr alle Ballen in Flammen standen, aber auf dem Gras dazwischen nichts zu sehen war.“

Die Gedankenlosigkeit des Brandstifters, der einen noch weit schlimmeren Ausgang billigend in Kauf genommen hat, macht Schäfer fassungslos: „Das Dorf war völlig eingenebelt – und 80 Meter weiter haben Kinder im Garten gezeltet.“ (Von Clemens Herwig)

Auch Feuerwehr glaubt nicht an eine Selbstentzündung der Ballen

Im Fall des Oberguder Feuers vom Wochenende ermittelt die Polizei wegen Verdachts auf Brandstiftung. Der Brandausbruch sei noch nicht geklärt, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung. Die Ermittler suchen Zeugen. Auch die Alheimer Feuerwehr glaubt nicht an eine Selbstentzündung der Heu- und Strohballen, „wenn das Material dort seit einem Jahr abgelagert ist“, sagt Gemeindebrandinspektor Bernd Hildebrand.

„Wir haben nun schon etwas Bauchschmerzen“, sagt der Brandschützer, der sich Sorgen wegen der Wiederholungsgefahr macht. Vor fünf Jahren gipfelte eine Brandserie in Alheim, bei der auch Ballen angesteckt wurden, in einem Scheunenbrand in der Oberellenbacher Ortsmitte. Gefasst wurde der Brandstifter nicht.

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