Hilfe für Familien in Not

Familie Kacmaz hat Verpflichtungserklärungen für 16 syrische Flüchtlinge übernommen

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Erkan Kacmaz, Hala Abdo, die Frau seines Cousins, und seine Frau Sona (von rechts): Das Ehepaar Kacmaz verbringt seit Mitte 2013 seine Freizeit mit der Hilfe für die Flüchtlinge, Schriftverkehr und Begleitung zu Behörden oder in die Schule.

Bebra. Mit vier Taschen sind Hala, ihr Mann und ihre Tochter Gabriela (3) nach Deutschland gekommen. All ihr sonstiges Hab und Gut haben sie in Syrien zurückgelassen.

Sie hatten noch Glück, denn sie konnten packen und ein paar Erinnerungsstücke mitnehmen.

Die Familie stammt aus einer kleinen Stadt im Norden Syriens. Wenige Kilometer entfernt kontrollieren die Isis-Islamisten das Land. Sie entführen Frauen und Kinder, töten die Männer, die wie ihr Mann syrische Christen sind. Strom und Wasser gibt es nur noch sporadisch, der Preis für Brot ist auf das Vierfache gestiegen. Zuerst gingen sie nach Marmarita an der libanesischen Grenze, wo sie ein Ferienhaus besitzen. Auch dort fehlten Strom und Wasser, sie hatten keine Arbeit mehr, lebten von ihren Ersparnissen.

Hala ist froh, denn sie und ihre Familie sind jetzt in Sicherheit. Dafür haben Erkan und Sona Kacmaz gesorgt. Sie haben die Familie von Erkans Cousin nach Deutschland holen können und kommen für die Mietkosten auf.

„In Syrien ist Krieg. Wir haben eine Verpflichtung, zu helfen.“ 

Erkan Kacmaz (39) erzählt, dass er gerne noch mehr helfen möchte. Seine Eltern, christliche Aramäer aus der Türkei, sind selbst vor knapp vier Jahrzehnten als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen - Erkan war damals noch ein Baby. „In Syrien ist Krieg“, sagt er, „wir haben eine Verpflichtung, zu helfen“.

Für 16 weitere Menschen aus Syrien hat das Ehepaar Kacmaz deshalb weitreichende sogenannte Verpflichtungserklärungen unterschrieben und ist damit ein hohes Risiko eingegangen.

Doch die Hilfe wird ihm nicht leicht gemacht. Obwohl er dazu in der Lage wäre, darf er sich nicht für mehr als die 16 Verwandten eines Freundes verpflichten. Das darf ohnehin nur, wer entsprechend finanzielle Sicherheit nachweisen kann.

Die Verpflichtung umfasst inzwischen den kompletten Unterhalt für die Flüchtlinge, die damit keinerlei Anspruch auf staatliche Unterstützung in Deutschland haben. Auch wenn sie Arbeit gefunden haben, erhalten sie kein Kindergeld - Wohngeld und Kinderzuschlag ohnehin nicht. Könnte Kacmaz seiner Zahlungsverpflichtung nicht mehr nachkommen, würde der Staat zwar einspringen, sich das Geld aber von ihm wiederholen.

Bis Anfang Juni 2014 habe das Land Hessen noch die Krankenversicherung für die Flüchtlinge übernommen, erzählt Kacmaz. Danach wurde auch diese Hilfe gestrichen. Das Land übernimmt nun seit Anfang November 2014 erneut die Krankenversicherung, doch Kacmaz hilft das nicht. Die Menschen, für die er sich verpflichtet hat, sind vor November eingereist.

Die syrisch-orthodoxen Christen der Bebraer Gemeinde befinden sich in einem Dilemma: Sie würden ihren Familienangehörigen in Syrien, die teilweise in den Libanon, die Türkei oder Jordanien geflüchtet sind, gerne helfen.

Doch wer nicht die erforderlichen finanziellen Mittel nachweisen kann, dem sind die Hände gebunden. Dann springen Menschen wie Erkan und Sona Kacmaz mit Verpflichtungserklärungen ein, doch damit übernehmen sie ein unüberschaubares Risiko. Erkrankt eine Person schwer, wird gar ein Pflegefall, kann sie das in den finanziellen Ruin treiben.

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