Feine Stiche zum Menü - Die Dornrosen unterhielten in Weiterode musikalisch-kabarettistisch

Keine Fest-Fans: Wenn man den „Dornrosen“ glaubt, ist der Advent so ambivalent, dass er für den einen besinnlich ist und den anderen um die Besinnung bringt: Veronika (von links), Christine und Katharina Schicho. Foto: Apel

Weiterode. Herrlich, stimmungsvoll, mitunter fast himmlisch und so recht zur Advents- und Weihnachtszeit passend präsentierten sich am Wochenende gleich zweimal die drei „Dornrosen“ aus Wien in Weiterode. Dazu kredenzte das Team von Ellis Saal und der Lindenwirtschaft ein passendes viergängigen Menü.

Was die in der Obersteiermark groß gewordenen und in der österreichischen Bundeshauptstadt lebenden Schwestern Katharina (37), Christine (36) und Veronika (32) Schicho auftischten, gehörte zum Besten, was man in Weiterodes Kulturpalast seit langer Zeit gehört hat. Einfach nur großartig, wie sie zur Freude des Publikums mit Kontrabass, Geige, Gitarre, Cello und Sprache spielten, mal rauchig, mal groovig, mal Gesangshöhen anvisierend, überaus unterhaltsam alles gaben, um „die Ambivalenz des Advents“ zu entlarven.

Wie sie nicht nur dreistimmig, sondern fast schon in Choresbreite agierten, Herzlichkeit und Ursprünglichkeit ausstrahlten, Geschichten aus der noch gar nicht lange zurückliegenden guten alten Zeit erzählten, in der man sich am Heiligen Abend - zumindest bei Familie Schicho - keine Geschenke, sondern Aufmerksamkeit schenkte und in vertrautem Kreise Auftritte von Familienmitglieder genoss.

Schon gleich zu Beginn ihres Programms „Knecht Ruprechts Töchter Volume II“ verlassen die Musikkabarettistinnen sprachgewaltig die üblichen Wege. Aus „Ave Maria“ wird „Auweh Maria“, aus dem Tannenbaum mit den treuen Blättern wird ein untreuer, und auch am „Glühweinstanderl“ in Wien geht es ungewöhnlich zu: „Da gibt’s Nüsse, Keks, Palatschinken, jede Menge Glühwein zu trinken - und Joints so dick wie Bananen!“

Auf das Wortspiel „Rehgehege-Wegepflege-Schräge-Säge-Song“ folgt das nächste, und so manches schöne Weihnachtslied findet sich neu arrangiert in einem Christmas-Menü oder später in einem schmalzigen André-Rieu-Verschnitt wieder. Die bei dem einen oder anderen Mann schon lange vor Weihnachten exorbitant ausgeprägte Plätzchenlust persiflieren die „Dornrosen“ mit ihrem wunderbar verspielten Lied „Du gehst mir auf den Keks“, in dem sie nach wiederholtem Entdecken von Plätzchen-Verstecken von fast schon herzzerreißenden Geigenklängen begleitet singen: „Du gehst mir auf den Sack, ab jetzt gibt’s nur noch Zwieback!“

Man kann sich so richtig vorstellen, wie der im Wald nach dem richtigen Weihnachtsbaum suchende Vater ein „gräusliches Grangerl“ mit nach Hause bringt, wie am Heiligen Abend die Schwiegereltern „Champagner auf ex“ trinken und wie sich der liebende Gatte ein Gläschen Likör gönnt.

Dazu passte bestens eine der begeistert beklatschten Zugaben, in der das Damen-Trio nach allen Regeln der Kunst einen „volles Rohr“ schnarchenden, wie ein Wildschwein grunzenden Ehemann besingt. Schnell-Check nach knapp zwei Stunden: Von den piksenden „Dornrosen“ ist noch viel Rosiges zu erwarten.

Von Wilfried Apel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.