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Ferienpark Machtlos: Ortsbeirat positioniert sich gegen Dauer-Wohnrecht

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Von: Thomas Klemm

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Die Schranke am Eingang des Ferienparks Machtlos ist meist oben, die Zufahrt zur Anlage damit ungehindert möglich. Das findet nicht jedermann gut.
Die Schranke am Eingang des Ferienparks Machtlos ist meist oben, die Zufahrt zur Anlage damit ungehindert möglich. Das findet nicht jedermann gut. © Thomas Klemm

Der Ferienpark im Ronshäuser Ortsteil Machtlos soll touristisch möglichst wieder „nach vorn gebracht werden“.

Machtlos – Die Mitglieder des Ortsbeirats Machtlos sprachen sich am Montagabend in ihrem Dorfgemeinschaftshaus dafür aus, die Anlage „mit allen Mitteln, die es gibt, zu aktivieren“ und für Touristen wieder attraktiver zu machen. Das erklärte der Ortsbeiratsvorsitzende Udo Berle den etwa dreißig gespannt zuhörenden Gästen im Namen seines Gremiums.

„Der Ortsbeirat des Ortsteiles Machtlos empfiehlt dem Gemeindevorstand die Beibehaltung des jetzigen Bebauungsplanes Nr. 11 Feriendorf Ronshausen-Machtlos“ wurde bei dieser Gelegenheit mit sechs Ja-Stimmen und einer Enthaltung angenommen. „Mir geht das etwas zu schnell. Meiner Meinung nach fehlen noch einige Informationen, ehe wir uns entscheiden sollten“, begründete Andreas Hohmann seine Stimmenthaltung.

Vor der Abstimmung gab es wenige Anfragen aus den Reihen der Ortsbeiratsmitglieder. Klar, über das Thema wird seit Jahren debattiert. Das kam sicherlich schon alles einmal zur Sprache. Ein reger, mehr als zweistündiger Meinungsaustausch unter den Beiratsmitgliedern und mit den zahlreichen Gästen entspann sich erst nach der Beschlussfassung. „Wir haben uns in der Vergangenheit sehr viele Gedanken im Ortsbeirat über das Thema Ferienpark gemacht und lange darüber diskutiert“, wies Berle noch einmal auf den langen Entscheidungsprozess hin. „Aber es muss doch möglich sein, die Häuser in dieser Anlage ordentlich zu vermieten.“ Darauf solle man sich in Zukunft auch wieder konzentrieren, meinte er in Anbetracht des mittlerweile öffentlich gemachten Ansinnens einiger Hausbesitzer in dieser Anlage, im Ferienpark ein Dauerwohnrecht etablieren zu wollen.

Am Thema Dauerwohnrecht hatte sich zuletzt die öffentliche Wahrnehmung entzündet. In der jüngsten Gemeindevertretersitzung in Ronshausen war es ebenfalls auf der Agenda. Dort war angeregt worden, die Zukunftschancen des Ferienparks eventuell von Uni-Studenten genauer unter die Lupe nehmen zu lassen.

Weil das Thema in der öffentlichen Wahrnehmung gelandet ist, sah sich der Ortsbeirat in der Pflicht, eine verbindliche Stellungnahme zu diesem Thema abzugeben, damit die Gemeindevertretung Ronshausen das Statement aus Machtlos in ihre Überlegungen einbeziehen kann. Sollte ein Dauerwohnrecht eingeräumt werden, müsste der Bebauungsplan 11 der Gemeinde diesbezüglich geändert werden. Dazu bedarf es eines Gemeindevertreterbeschlusses.

Interessiert an der „Gefühlslage“ des Machtloser Ortsbeirates und der Machtloser Einwohner war auch Ronshausens Bürgermeister Markus Becker (CDU).

Deshalb verfolgte er während der Sitzung gespannt mit, wie sich die Ortsbeiräte in Sachen Ferienpark positionieren würden. Und bekam die längst bekannten und hinlänglich diskutierten Schwierigkeiten noch einmal präsentiert, die mit der Umstellung einhergehen würden. „Es gibt keine Telefonanschlüsse in der Anlage. Was ist mit der Zuwegung, mit der Müllentsorgung, mit der Postzustellung und mit der Löschwasserversorgung, sollte es mal brennen“, fragte Ortsbeiratsmitglied Christian Roppel.

Die Anlage ist immer noch „grundlegend als Ferienpark ausgewiesen“, auch wenn sich einige Dinge mittlerweile eingeschliffen haben, die diesem Charakter nicht mehr ganz entsprächen, hieß es. Er habe ein Problem damit, „den Park für die Wohnlegalisierung freizugeben, nur weil zwei Interessenten das so wollen“, meinte das Ortsbeiratsmitglied Dietmar Kropp. „Für mich wäre vielmehr interessant“, so Kropp, „ob die Ferienpark GmbH überhaupt noch vermieten will und ob die Gemeinde auch in Zukunft den Park unterstützt“.

Die beiden stärksten Befürworter des Dauerwohnrechts, Hans Dienz und Helmut Naderer, saßen im Publikum und drängten darauf, auch einmal zu Wort kommen zu können. „Wir wollen den Ferienpark nach vorn bringen und investieren in unser Eigentum“, betonte Dienz. „Das kann doch nicht verkehrt sein!“ Mit seinen Worten fand er in der Sitzung wenig Gehör.

„Es wird noch ein langer Prozess sein, bevor die Gemeindevertretung einen entsprechenden Aufstellungsbeschluss fassen kann“, erklärte Bürgermeister Becker. Die Aufgabe des Gemeindevorstands sei es zunächst, die „divergierenden Gruppen zu fragen, wie sie zum Thema Dauerwohnrecht im Ferienpark stehen“. Und diese divergierenden, also auf gut Deutsch auseinanderstrebenden Gruppen überhaupt zu finden, sei schon schwierig genug. „Um mir Meinungen einzuholen, bin ich heute Abend hier.“

In einer Beziehung waren sich alle recht einig. Der Fahrzeugverkehr soll „entschleunigt“ und der Schwerlastverkehr so gut wie möglich aus dem Ort verbannt werden. „Vierzigtonner haben hier eigentlich gar nichts verloren“, so die einhellige Meinung nach langer Debatte. Allerdings wohnen einige Trucker im Ferienpark und parken ihre Laster da, wo Platz ist. (Thomas Klemm)

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