Das passiert mit dem Altgold, wenn es bei Goldschmiedemeister Frank Metzger landet

Mit Feuer und Flamme

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Bei der Arbeit: Goldschmied Frank Metzger arbeitet mit Bunsenbrenner und Hydrozongerät daran, Altgold einzuschmelzen.

Rotenburg. Drei Ringe und ein Paar goldene Creolen lässt Frank Metzger in eine kleine feuerfeste Schale auf seiner Werkbank aus Holz fallen.

Dann zückt der Goldschmiedemeister aus Rotenburg eine kleine Pistole und zielt auf das goldene Gewirr, das unter weißem Pulver versteckt ist. Ein Reinigungsmittel. Eine grüne Flamme schießt aus dem Lötgerät und züngelt um das Gold herum. Drei Minuten später wird aus dem Altgold ein kleiner Goldklumpen, aus dem Metzger einen neuen, hochwertigen Ring für eine Kundin fertigen will.

„Gold ist der meistrecycelte Werkstoff überhaupt. Der wird nie weggeschmissen, sondern kommt immer wieder in Umlauf“, sagt Goldschmiedemeister Frank Metzger, als er vom Verkaufsraum seines Juweliers Meyer & Sohn in seine Werkstatt geht. Gerade hat ihm ein Mann mehrere Stücke Altgold in die Hand gedrückt, darunter Ohrringverschlüsse und eine Kette. Gebracht hat es dem Kunden um die 70 Euro: Geld, das er gleich benutzt hat, um eine Rechnung zu bezahlen.

„Nicht jedes Stück Altgold geht in die Scheideanstalt, um dort zu Feingold verarbeitet zu werden. Ich als Goldschmied brauche den Werkstoff auch. Aber von uns gibt es ja nicht mehr viele.“ Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind es insgesamt nur noch drei.

In der Werkstatt des 43-Jährigen steht eine Werkbank vor dem Fenster. Gleitet ein Finger über das Holz, erspürt er scheinbar unzählige Kerben und Ritzer. Mit einem Blick auf seine Finger grinst Metzger: „Ja, Goldschmiede haben nicht die schönsten Hände.“ Mehrere kurze weiße Linien ziehen sich über seine Haut. Die rauen Fingerkuppen zeigen Spuren von abgerutschten Zangen, Schleifwerkzeugen und Feilen.

Die reihen sich vor dem Fenster, als der Rotenburger eine faustgroße feuerfeste Schale auf die Bank stellt. Die Flamme, die gleich darauf aus der Pistole schießt, erhitzt das Edelmetall darin auf 1300 Grad. In Zeitlupe verschwimmen die Konturen der Ringe. Das Gold schimmert leicht rötlich, als Metzger die Hydrozon-Flamme so richtet, dass die angeschmolzenen Teile zu einem sonnengelb-glänzenden Ball zusammenprallen. „Das Gerät spaltet Wasser auf in Wasserstoff und Sauerstoff. Damit löten wir auch kaputte Schmuckstücke“, sagt Metzger.

Es kokelt und zischt

Während er sich dicht über das Gold beugt, riecht es im Raum immer mehr verbrannt. „Wollen Sie wirklich wissen, was das ist? Es riecht nicht nach Gold, sondern nach allem, was an dem Schmuck haften geblieben ist. Abgestorbene Hautschüppchen zum Beispiel“, erklärt der Goldschmied und lacht. Dabei packt er die feuerfeste Schale und lässt das gelb-rote Klümpchen in ein Glas mit Wasser fallen. Es zischt. Qualmt. Was er mit Daumen und Zeigefinger wieder herausfischt, sieht aber nicht nach Gold aus.

Durch die Schwarz-blaue Färbung ähnelt es eher einer Kohle. „Enttäuschend, was?“ Mit einem leisen Brummen springt ein Ultraschallreinigungsgerät an. Ein Griff hinein und die Augen beginnen doch zu leuchten. Fast so wie die Farbe des Goldes, die jetzt von allen Rückständen befreit ist und auf der Handfläche funkelt.

Von Judith Strecker

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