Feuerwehr statt Fußball

Kirchheims Gemeindebrandinspektor Thomas Schneemilch muss seine Laufbahn beenden

Thomas Schneemilch bei einem seiner letzten aktiven Einsätze als Gemeindebrandinspektor in Kirchheim. Gesundheitlich Gründe zwingen den Feuerwehrmann aus Leidenschaft zur vorzeitigen Aufgabe des Amtes.
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Thomas Schneemilch bei einem seiner letzten aktiven Einsätze als Gemeindebrandinspektor in Kirchheim. Gesundheitliche Gründe zwingen den Feuerwehrmann aus Leidenschaft zur vorzeitigen Aufgabe des Amtes.

Gesundheitliche Gründe zwingen den Kirchheimer Gemeindebrandinspektor Thomas Schneemilch zur vorzeitigen Aufgabe des Amtes.

Kirchheim – „Meine Kumpels spielten alle Fußball, aber ich war nie ein Fußballspieler. Daher war ich ganz froh, als man mich fragte, ob ich nicht Mitglied in der Jugendfeuerwehr werden wollte“, erzählt Thomas Schneemilch. Das war 1977 und da war er zwölf Jahre alt. Jetzt, nach 44 Jahren geht die Karriere eines engagierten und erfolgreichen Feuerwehrmannes – zumindest offiziell – zu Ende.

„Als Gemeindebrandinspektor musst du schnell und möglichst als erster vor Ort sein, egal ob es sich um einen Unfall oder ein Feuer handelt“, sagt Schneemilch. Solche Vor-Ort-Einsätze ließen gesundheitliche Einschränkungen nicht mehr zu. Folglich gab er sein Amt ab an Hannes Eckhardt und dessen zwei Stellvertreter Björn Wettlaufer und Marcel Schmidt. Was deren Einarbeitung und Unterstützung bezüglich Verwaltung, Organisation und Büroarbeit angeht, will er aber als kompetenter Partner soweit wie möglich weiterhin seine Erfahrungen einbringen.

Als er mit 18 Jahren in die Einsatzabteilung wechselte, sei aus der anfangs kleinen Feuerwehr eine recht schlagkräftige Gruppe geworden, erinnert sich Schneemilch, und in der ersten Zeit habe es kleine Machtkämpfe gegeben zwischen den „Gestandenen“ und den „Neuen“.

Bereits im September 1982 konnte Schneemilch seinen Grundlehrgang absolvieren. Nach ungezählten Lehrgängen, Aus- und Weiterbildungen wurde er 1988 zum Wehrführer in der Kerngemeinde Kirchheim, 1991 zum stellvertretenden Ortsbrandmeister und 2001 zum Gemeindebrandinspektor gewählt. Dazwischen lagen oder liegen (noch bis heute) zahlreiche andere Tätigkeiten, beispielsweise als Jugendwart, als Kreisausbilder Maschinist, im Stab des Katastrophenschutzes im Landkreis, als technischer Einsatzleiter oder Sachbereichsleiter oder auch als Kassierer im Feuerwehrverband und noch einiges mehr.

Die Feuerwehr Kirchheim nahm eine steile Entwicklung, wurde Autobahnfeuerwehr mit teilweise mehr als 100 Einsätzen pro Jahr und aus den einzelnen Ortsfeuerwehren wuchsen so genannte Ausrückebereiche, ein besonderes Anliegen Schneemilchs zur Sicherstellung der Alarmbereitschaft.

Ein Ereignis hat den Feuerwehrprofi besonders geprägt. 1994 kollidierte am Hattenbacher Dreieck ein Pkw mit einem Lkw. Der Pkw-Fahrer wurde schwerverletzt eingeklemmt. Wegen des sich bildenden Staus konnte die Hersfelder Autobahn-Feuerwehr den Unfallort nicht erreichen. An diesem Abend war die komplette Kirchheimer Feuerwehr zu Übungszwecken am Gerätehaus versammelt, durfte aber auf die Autobahn nicht ausrücken. „Der Mann musste sterben, weil uns irgendwelche Bürokraten den Einsatz verboten. Damals habe ich beschlossen: So etwas passiert mir nie wieder“, regt sich Schneemilch noch heute sichtlich auf. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge zieht sich der Feuerwehrmann aus Leidenschaft jetzt aus dem operativen Geschäft zurück. „Es ist beruhigend und schön zu wissen, dass mich nachts kein Alarm mehr aus dem Tiefschlaf holt, aber es gibt auch viel zu tun“, resümiert Schneemilch.

Die Bambini-Gruppe und die Jugendfeuerwehr werden nach der Pandemie wohl wieder nahezu bei null anfangen müssen, befürchtet er. Und irgendwann dürfen die ehrenamtlichen Einsatzkräfte nur noch für Lehrgänge, Übungen und Einsätze herangezogen werden. Alle anderen Arbeiten wie Wartung, Instandhaltung, Reinigung müssen hauptamtliche Kräfte übernehmen, und die Fuhrparks müssen neu strukturiert werden, wagt Schneemilch den Blick in die Zukunft. Der Mann ist bekannt für seine Visionen, und dafür, dass er sie auch umsetzt – und: Ganz weg ist er noch nicht. (Bernd Löwenberger)

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