Fichten fallen - der Eschkopf bei Rockensüß wird renaturiert

Der Eschkopf zwischen Rockensüß und Königswald: Die sieben Hektar große Fläche wird von Grund auf renaturiert. Das heißt zum Beispiel, der standortfremde Fichtenbestand wird komplett entfernt. Ein orchideenreiches Kalk-Magerrasengebiet soll wieder hergestellt werden. Träger des Projektes ist die Nabu-Stiftung Hessisches Naturerbe. Fotos: Schäfer-Marg

Rockensüss. Wo heute serbische Fichten vor sich hinkümmern und der Boden darunter fast völlig ohne Vegetation ist, sollen sich in spätestens zehn Jahren wieder Orchideen, Enziane und andere Blumen ausbreiten: Geplant ist die Renaturierung des Eschkopfs, einem Hügel zwischen Rockensüß und Königswald.

Das sieben Hektar umfassende Gelände befindet sich im Besitz der Nabu-Stiftung Hessisches Naturerbe. Es ist Teil des europaweit geschützten FFH-Gebiets „Kalkmagerrasen zwischen Morschen und Sontra“. Verantwortlich für die Umsetzung ist der Bundesforstbetrieb. Bei einem Ortstermin stellte dessen Mitarbeiter Werner Rocke das Projekt vor.

Im lichten Kiefern-Wald: Werner Rocke vom Bundesforstbetrieb, rechts, erläuterte die geplanten Arbeiten am Eschkopf. Unter den Zuhörern: von links Dieter Gothe (Nabu), Schäfer Anton Göbel, Cornbergs Bürgermeister Achim Großkurth, Michael Herzog (Nabu), Hartmut Mai (Nabu-Stiftung) und Volker Neumann von Hessen-Forst.

Und das wird auf unbeteiligte Beobachter erst mal radikal wirken:Die etwa 30 Jahre alten standortfremden Fichten werden fallen, Büsche werden entfernt - etwa 1500 Kubikmeter Holz werden komplett vom Eschkopf abgeräumt und zu Hackschnitzeln verarbeitet, erläuterte Rocke. Und damit diese Flächen nicht wieder verbuschen, wird Schäfer Anton Göbel aus Spangenberg-Herlefeld mit seinen Schafherden den Wald beweiden - so wie er es schon auf anderen Magerrasen des FFH-Gebietes tut.

Zurück bleiben sollen ein Teil des Kieferbestandes sowie Randstreifen mit Büschen. Die dadurch entstehenden Grenzlinien bieten vielen kleineren Tieren Lebensraum. Totholzinseln in den Kieferbeständen, Steinriegel und Steingruben sind ebenfalls als Lebensräume für Reptilien und Kleinsäuger gedacht.

Magerrasen an der Straße nach Rittershain: So ähnlich könnte es später am Eschkopf aussehen.

Etwa 300 000 Euro wird die Renaturierung kosten, berichtete Hartmut Mai von der Nabu-Stiftung. Finanziert werden soll sie auch durch Ökopunkte, die es für eine ökologische Aufwertung gibt und die dann verkauft werden können an Investoren, die an anderer Stelle Natur verbrauchen und für einen Ausgleich sorgen müssen.

Schon seit fünf Jahren wurde auf Initiative der heimischen Nabu-Vertreter am Eschkopf-Projekt gearbeitet. Sie wissen, dass der Eschkopf vor Urzeiten ein Magerrasen-Gebiet war. Und sie wissen, dass man bei der Reanaturierung in großen Zeiträumen denken muss. Also: Bevor die artenreiche Naturwiese entsteht - und nichts anderes ist der Magerrasen - wird das Gelände zunächst befremdlich kahl wirken.

Im Raum Rockensüß kennt man das schon. Auch bei der Doline ist ein großes Magerrasen-Gebiet entstanden.

Von Silke Schäfer-Marg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.