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Erweiterung des Gewerbegebiets: Friedewalder Parlament beschließt Grundstückskäufe

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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Das Gewerbegebiet aus der Vogelperspektive: Der Logistiker Hermes will seinen Zentralumschlag (rechts an der Autobahn) bis in das Waldgebiet im Vordergrund hinein erweitern. Auf den Wiesen links davon zwischen Waldkante und bestehenden Betrieben will die Gemeinde Industrie- und Gewerbeflächen für Neuansiedlungen schaffen. archiv
Das Gewerbegebiet aus der Vogelperspektive: Der Logistiker Hermes will seinen Zentralumschlag (rechts an der Autobahn) bis in das Waldgebiet im Vordergrund hinein erweitern. Auf den Wiesen links davon zwischen Waldkante und bestehenden Betrieben will die Gemeinde Industrie- und Gewerbeflächen für Neuansiedlungen schaffen. archiv © Gemeinde Friedewald/Dirk Lorey

Die Friedewalder Gemeindevertretung hat am Mittwochabend die nächsten Schritte für eine mögliche Erweiterung des Gewerbegebiets in östlicher Richtung auf den Weg gebracht.

Friedewald – Nachdem die Mandatsträger im vergangenen April den baurechtlichen Planungsprozess angestoßen hatten (unsere Zeitung berichtete bereits), beauftragten sie nun die Hessische Landgesellschaft (HLG) mit dem Kauf der benötigten Grundstücke. Konkret soll die HLG insgesamt 8,74 Hektar Wald- und Wiesenfläche „In den Sommerrödern“ für die Erweiterung des Hermes-Zentralumschlags sowie 13,84 Hektar Freifläche mit den Flurbezeichnungen „Im nassen Siffig“ und „Vor´m Schlag“ zwischen bestehendem Gewerbegebiet und Waldkante für ein Industrie- und Gewerbegebiet zum Preis von jeweils 15 Euro pro Quadratmeter – in Summe also rund 3,39 Millionen Euro – erwerben.

Getätigt werden sollen die Grundstückskäufe aber nur, falls rechtskräftige Bebauungspläne für die Areale aufgestellt werden. Voraussetzung dafür ist unter anderem, dass die Regionalversammlung eine Abweichung vom Regionalplan Nordhessen zulässt.

Hermes-Erweiterung

Grundsätzlich einig waren sich die Fraktionen darüber, Hermes als ortsansässigem Unternehmen die Erweiterung ermöglichen zu wollen. Der Kauf der dafür nötigen Flächen wurde dementsprechend auch einstimmig beschlossen. Eine Diskussion hatte sich bei diesem Tagesordnungspunkt allerdings, um Vorauszahlungen von 1,30 bis 1,50 Euro pro Quadratmeter entsponnen, die bei früheren Grundstücksverhandlungen offenbar geleistet oder den Eigentümern zumindest in Aussicht gestellt worden waren. Da das Geld bei Baureife zwar mit dem Grundstückspreis verrechnet würde, anderenfalls aber nicht zurückflösse, befürchteten Wilfried Möller und Michael Joppich von der Offenen Liste (OL), dass die Gemeinde schlechtesten Falls eine sechsstellige Summe in den Sand setzt. Denn noch sei nicht klar, ob das Regierungspräsidium die Erweiterungspläne überhaupt zulasse.

Vorab werde kein Geld fließen, versicherte hingegen Bürgermeister Julian Kempka (SPD): „Das müsste Teil unserer Projektvereinbarung mit der HLG und somit auch der heutigen Beschlussvorlage sein.“ Gegen Vorauszahlungen sprachen sich auch die Vertreter der SPD-Fraktion aus, was es entsprechend im Sitzungsprotokoll zu vermerken gelte, wie Friedhelm Schönewolf unterstrich.

Platz für Neuansiedlung

Kontroverser waren hingegen die Ansichten zu den Flächen für Neuansiedlungen, die laut Bürgermeister Julian Kempka als Erweiterung des bestehenden Gewerbegebiets eigenständig und nicht in interkommunaler Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden entwickelt werden sollen.

Wenngleich in der Beschlussvorlage nicht explizit genannt, hat der Discounter Lidl dort bereits Interesse am Bau eines Logistikzentrums bekundet (unsere Zeitung berichtete).

Nach dem entsprechenden Grundatzbeschluss im April gelte es laut Rathauschef nun, die Flächen zu sichern. „Lasst uns die Chance nutzen“, pflichtete ihm Friedhelm Schönewolf (SPD) bei, der davon ausging, dass außer Lidl auch weitere Unternehmen Interesse an diesem Standort haben werden. Wegen „vieler Fragezeichen“ plädierte Wilfried Möller (OL) hingegen dafür, das Tempo zu drosseln und zunächst die Entscheidung der Regionalversammlung abzuwarten. Sein Fraktionskollege Michael Joppich beklagte, die Gemeinde tue den zweiten Schritt vor dem ersten. Da mit dem möglichen Investor erheblicher Lkw-Verkehr verbunden sei, müsse zunächst die Bevölkerung eingebunden werden.

„Die Firma wäre ein guter Steuerzahler und würde weitere Arbeitsplätze schaffen“, unterstrich hingegen Bernd Iffland (SPD). Das Unternehmen solle seine Pläne baldmöglichst vorstellen. Grundlage für alle weiteren Schritte seien aber zunächst die Grundstücke. „Die Kaufverhandlungen brauchen Zeit, um die Eigentümer nicht zu überfahren“, argumentierte der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten. Bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung aus der OL-Fraktion stimmten die Mandatsträger schließlich auch dem Ankauf dieser Flächen zu. (Jan-Christoph Eisenberg)

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