Gefahr im Wald nimmt zu

Förster im Landkreis Hersfeld-Rotenburg warnen: Klimastress lässt Bäume brechen

Hessen Forst sorgt für Sicherheit an der A4: Aktuell finden Baumfällarbeiten direkt an der Autobahn zwischen Hönebach und Friedewald statt. Markus Schneider, Revierleiter Hönebach, zeigt zwar mit einem Lächeln auf abgestorbene Bäume direkt an der A4, dennoch bereiten sie ihm Sorgen.
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Hessen Forst sorgt für Sicherheit an der A4: Aktuell finden Baumfällarbeiten direkt an der Autobahn zwischen Hönebach und Friedewald statt. Markus Schneider, Revierleiter Hönebach, zeigt zwar mit einem Lächeln auf abgestorbene Bäume direkt an der A4, dennoch bereiten sie ihm Sorgen.

Als Folge der Extremwetterlagen der vergangenen Jahre und deren Auswirkungen gewinnt die Verkehrssicherung im Wald immer mehr an Bedeutung. Wir haben uns im Landkreis umgeschaut.

Hersfeld-Rotenburg - Auf der Suche nach Erholung zieht es immer mehr Menschen in Waldhessens Wälder. Doch mit dem Klimawandel wird es von Jahr zu Jahr gefährlicher: Immer mehr Bäume sterben, verlieren Äste oder stürzen gar um. Das ist auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zu spüren.

„Wir merken ganz klar, dass es im Wald gefährlicher geworden ist durch den Klimastress, dem die Bäume ausgesetzt sind“, sagt Kersten Eidam vom Forstamt Bad Hersfeld. Die ersten Herbststürme hätten im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zwar noch keinen großen Schaden angerichtet. „Dennoch birgt jeder umfallende Baum und abbrechende Aste eine Gefahr für Leib und Leben sowie Hab und Gut“, warnt auch Michael Gerst, Landesbetriebsleiter von Hessen Forst. „Bereits kleine Windböen reichen mittlerweile aus, dass ganze Baumkronen abbrechen. Wer sich im Wald bewegt, sollte deshalb immer den Blick auch nach oben richten“, sagt Kersten Eidam.

Unter den trockenen Sommern leiden nicht nur die vom Käfer befallenen Fichten, sondern auch die Buchen

Besonders schlecht für Bäume sei außerdem nasser, schwerer Schnee, sagt Dr. Hans-Werner Führer, Forstamtsleiter Rotenburg. „Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und viel Schnee kann die Last Äste nach unten biegen. Schlimmstenfalls brechen sie dabei ab.“
Beide Forstämter würden zwar versuchen, die geschwächten Bäume zu fällen, verstärkt an Wegen, um dort die Sicherheit zu gewährleisten. „Aber wir können leider nicht überall sein. Wir versuchen bereits alles und bemühen uns. Jedoch mussten wir an einigen Waldflächen bereits aufgeben, weil es nicht zu bewältigen ist. Wir stehen gerade vor einer echten Herkulesaufgabe“, sagt Eidam.

Waldhessens Bäume haben stark gelitten. Nun stellen sie Gefahr für Leib und Leben dar. Besonders stehendes Totholz ist unberechenbar. Es können Kronen aus den Bäumen brechen ohne Vorwarnung (siehe Bild).

Unter den trockenen Sommern leiden nicht nur die vom Käfer befallenen Fichten, sondern mittlerweile auch die Buchen. Diese Baumart ist eigentlich als recht anpassungsfähig bekannt. Dennoch sind die Forstleute besorgt: „Buchen sehen oft in der Krone noch gesund aus. Am Stamm platzt aber schon die Rinde ab. Das ist für uns ein sicheres Zeichen, dass der Baum abstirbt,“ sagt Michael Gerst. Dr. Führer erklärt die rechtliche Situation: Das Betreten des Waldes zu Erholungszwecken sei zwar gestattet, die Benutzung des Waldes geschehe jedoch auf eigene Gefahr. „Wir haften daher nicht für waldtypische Gefahren, wie zum Beispiel ein Astabbruch.“ Anders sei es an öffentlichen Straßen. Dort dürfe kein Baum stehen, der umzukippen droht oder dessen Äste brüchig sind.

 Friederike und Kyrill tobten am 18. Januar

Das Orkantief Friederike zog als schwerer Sturm mit Orkanböen am 18. Januar 2018 von Westen durch Irland, das Vereinigte Königreich, die Niederlande, Belgien und Deutschland bis nach Polen. Zehn Menschen starben, der versicherte Schaden betrug 1,7 Milliarden Euro, wobei mehr als die Hälfte der Summe aus Deutschland kam. Der Sturm war der stärkste seit dem Orkan Kyrill 2007. Er tobte ebenfalls am 18. Januar, der Schaden in Deutschland betrug 5,5 Milliarden Euro. 

Kranke Bäume gefährden Autobahn:  Fällaktion an der A4 zwischen Hönebach und Friedewald

Immer mehr geschädigte Laub- und Nadelbäume stehen entlang öffentlicher Straßen und Schienen. Trockene Kronen, schief hängende und absterbende Bäume müssen zur Verkehrssicherung beseitigt werden – so auch aktuell an der A4 zwischen Hönebach und Friedewald. Verantwortlich für diese zunehmende Aufgabe ist seit Anfang dieses Jahres der Waldbesitzer, in diesem Fall also Hessen Forst.

„Die Gefahr, dass kranke Bäume und Baumteile auf die Autobahn stürzen und dadurch schwere Unfälle verursachen, nimmt rapide zu und ist schon jetzt kaum noch zu bewältigen“, sagt Markus Schneider, Revierförster Hönebach. Ihre Aufgabe bestehe also darin, diese Bäume zu erkennen und dafür Sorge zu tragen, dass sie fachmännisch gefällt werden, damit die Sicherheit an den Straßen sichergestellt wird.

Viel Arbeit für Forstämter: Aktuell werden circa 500 Bäume gefällt

Nur allein in seinem Revier Hönebach müssten auf den knapp fünf Kilometern an der A4 Richtung Friedewald und auf den fünf Kilometern auf der anderen Fahrbahnseite circa 500 Bäume aktuell gefällt werden. 450 Bäume davon seien krank oder bereits abgestorben, die restlichen Bäume müsste man fällen, um überhaupt an die kranken heranzukommen, erklärt Gerd Schwarz, Forstwirt in Hönebach.

Das Betreten des Waldes ist für Erholungssuchende auf eigene Gefahr erlaubt. Forstwirt Gerd Schwarz rät ihnen vorsichtig zu sein und auch beim Spazierengehen nach oben zu schauen.

Seit Anfang dieses Jahres laufen für diese Fällarbeiten bereits die Vorbereitungen, erzählt Schwarz. „Dafür mussten wir uns natürlich zuerst einen Überblick verschaffen über den Waldrand an der Autobahn sowie die Bäume auf Schäden in der Baumkrone und Fäulnis im Stamm- oder Wurzelbereich kontrollieren.“

Die Organisation des geplanten Einschlages wurde in Zusammenarbeit mit Hessen Forst Technik vorgenommen. „Da die zu entnehmenden Bäume schon längere Zeit und teilweise abgestorben im Bereich der Fahrbahn stehen, war schnelles Handeln geboten, damit es nicht durch Sturm zu Windwürfen auf die Autobahn, mit unabsehbaren Folgen, kommen kann“, sagt Schneider.

Hessen Forst ist erst seit diesem Jahr für diese Aufgaben zuständig

Dass Hessen Forst für diese umfangreichen Aufgaben zuständig ist und die Kosten dafür trägt, ist allerdings neu: Durch die Reform der Bundesfernstraßenverwaltung ist Hessen Forst seit dem 1. Januar 2021 für die Verkehrssicherungskontrollen an den straßenbegleitenden Waldrändern entlang der Bundesautobahnen zuständig.

„Diese Änderung bedeutet für uns eine enorme zusätzliche Arbeitsbelastung und Verantwortung“, sagt Schneider. Der Ansprechpartner ist jetzt die Autobahn GmbH des Bundes. Gleichzeitig wurden Betreuungsverträge mit Hessen Mobil abgeändert. Dies bedeutet, dass auch die bisher in Zusammenarbeit mit Hessen Mobil betreuten Landes- und Kreisstraßen von Hessen Forst auf Verkehrssicherung zu überprüfen sind.

Damit der Baum später in die richtige Richtung fällt, wird eine Fallkerbe in den Stamm gesägt. Zusätzlich umspannen Waldarbeiter den Baum mit einem Drahtseil.

Doch vom Erkennen schadhafter Bäume bis zur tatsächlichen Fällung bedarf es umfangreicher Planungen insbesondere um den Gefahrenbereich abzusichern und den Verkehr nicht zu gefährden.

Hohe Kosten: Sämtliche Maßnahmen müssen von entsprechenden Unternehmen vorgenommen werden

„Sämtliche Maßnahmen, die den Verkehr betreffen, egal ob Absperrung oder Umleitung, dürfen nicht von Hessen Forst selbst vorgenommen werden, hierfür müssen entsprechende Unternehmen eingesetzt werden, was hohe Kosten nach sich zieht, die von Hessen Forst zu tragen sind“, sagt der Revierförster. Hinzu kommt bei diesen Maßnahmen, dass sie zuvor verkehrsrechtlicher Genehmigungen bedürfen.

Wenn dann alle Genehmigungen vorliegen, ist es zweckmäßig, die Arbeiten von Unternehmern mit Spezialmaschinen vornehmen zu lassen, die Erfahrungen auf diesem Gebiet haben. „Das ist mit normalem Holzeinschlag nicht zu vergleichen, auch ist das anfallende Holz durch Fäulnis nur unterdurchschnittlich abzusetzen. Der Erlös fängt die Kosten keinesfalls auf“, sagt Forstwirt Schwarz.

Verkehrssicherung am Waldrand: Dieser Baum wird nur wenige Meter neben der A4 zwischen Hönebach und Friedewald gefällt.

Es kann für Verkehrsteilnehmer zu zeitweisen Einschränkungen durch Sperrungen und Umleitungen kommen

Hierzu würden sich Fällbagger, Fällkräne, Forstspezialschlepper und Hubsteiger anbieten. Diese werden durch Ausschreibungen ermittelt und benötigen dann eine intensive Betreuung vor Ort, weil sie sich im Wald nicht auskennen. Denn nur durch diese Technik in der Anwendung vor Ort könne sichergestellt werden, dass Gefährdungen für den Verkehr ausgeschlossen sind.

Geschwächte und tote Bäume entfernt dieser Fällbagger am Rand der Autobahn 4.

Hierbei kann es für Verkehrsteilnehmer zu zeitweisen Einschränkungen durch Sperrungen und Umleitungen kommen. „Dies dient jedoch dazu, dass die Straßen sicher befahren werden können. Hierfür können wir nur um Verständnis bitten“, sagt der Revierleiter.

(Von Carolin Eberth)

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