Interview mit der Leiterin der Dext-Stelle

Fortbilden für die Demokratie: Vanessa Hüfner hilft im Kampf gegen Extremismus in Hersfeld-Rotenburg

Im Einsatz für Demokratie: Vanessa Hüfner unterstützt Demokratie- und Anti-Rassismus-Projekte zum Beispiel an Schulen und in Jugendzentren und organisiert auch Weiterbildungen für Landkreismitarbeiter.
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Im Einsatz für Demokratie: Vanessa Hüfner unterstützt Demokratie- und Anti-Rassismus-Projekte zum Beispiel an Schulen und in Jugendzentren und organisiert auch Weiterbildungen für Landkreismitarbeiter.

Eine 27-Jährige leitet die neue Fachstelle für Demokratieförderung und phänomenübergreifende Extremismusprävention im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Wir uns von ihr erklären lassen, was sie da eigentlich macht.

Hersfeld-Rotenburg - „Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“ heißt das Programm, von dem seit August auch der Landkreis Hersfeld-Rotenburg profitieren soll. Und wie es oft bei solchen Programmen ist: Sie haben aufwendige Namen, inhaltlich bleiben sie unkonkret. Vanessa Hüfner hat die neue Fachstelle für Demokratieförderung und phänomenübergreifende Extremismusprävention (Dext) im Landkreis inne. Wir haben uns von ihr erklären lassen, was sie da eigentlich macht.

Frau Hüfner, sagen Sie jetzt bitte nicht, dass Sie sich vernetzen, wenn ich frage, was Sie tun. „Vernetzen“ sagen alle, die im sozialen Bereich arbeiten. Also, was tun Sie?
(Sie lacht) Ich bin tatsächlich dabei, mich mit allen lokalen Akteuren im Landkreis zu vernetzen, die sich für Prävention und Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts besonders bei Kindern und Jugendlichen einsetzen. Zum Erhalt der Demokratie und gegen extremistische Tendenzen sollte man früh ansetzen und gucken, was konkret in einer Schule oder in der örtlichen Kinder- und Jugendarbeit anliegt. Ich muss den Bedarf kennen, um unterstützende Angebote machen zu können. Und dazu muss ich mich eben vernetzen.
Die Demokratie zu stärken und gegen Extremismus zu arbeiten – ist das auch in unserer ländlichen Region nötig?
Studien zeigen, dass demokratiefeindliche Einstellungen auch in der Mitte der Gesellschaft zunehmen. Deshalb werden in ganz Hessen Dext-Stellen eingerichtet. Im Zuge der Pandemie ist zu befürchten, dass auch die Radikalisierung der Proteste zunimmt. Außerdem gibt es auch Rassismus im Kreis Hersfeld-Rotenburg.
Was können Sie konkret dagegen machen?
Ich bin so etwas wie eine Mittlerin. Direkt eingreifen tue ich nicht, aber ich kann wichtige Kontakte knüpfen. Wenn es also, wie bereits geschehen, an einer Schule einen rassistischen Vorfall gab, kann das im Interesse der Schule aufbereitet werden. Dann kann ich Kontakte zu Beratungsstellen herstellen und mit Lehrkräften und Schulsozialarbeiterinnen einen Projekttag zum Thema an der Schule entwickeln. Auch ein Workshop für Lehrkräfte wäre denkbar, in dem man erarbeitet, wie man konkret an der Schule mit demokratiefeindlichen Vorfällen umgehen kann.
Dann organisieren Sie also Fortbildungen?
Ja, auch das. Fort- und Weiterbildungen biete ich auch im Landratsamt an. Wir haben zum Beispiel interne Online-Veranstaltungen für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Thema Verschwörungsmythen. Wie diskutiert man mit Menschen, die glauben, eine verborgene ‚Wahrheit’ entdeckt zu haben, was hilft wirklich gegen Verschwörungserzählungen?
Braucht man so etwas im Landratsamt?
Ja, damit sind tatsächlich Kolleginnen und Kollegen konfrontiert. Etwa in der Ordnungsbehörde im Umgang mit sogenannten Reichsbürgern und Selbstverwaltern. Die gibt es in Osthessen, und da gibt es auch Anfeindungen. In Weiterbildungen können wir Handlungsoptionen aufzeigen.
Ihre Stelle ist dem Jugendamt zugeordnet.
Das ist hilfreich, weil ich eng mit der Kinder- und Jugendförderung und der Jugendsozialarbeit kooperiere, um junge Menschen zu erreichen. Das hat zum Beispiel Auswirkungen auf eine gute Zusammenarbeit mit der Schulsozialarbeit und auch den Ortsjugendarbeitenden im Landkreis. Die arbeiten direkt vor Ort und kennen die Bedarfe und Interessen der Jugendlichen. Wenn man Projekte zur Stärkung der Demokratie anschieben möchte, sollten sie passgenau auf die jeweiligen Schulen oder Jugendzentren zugeschnitten sein.
Für wen sind Sie eigentlich da? Lehrkräfte, Schulleitungen? Jugendpfleger? Vereine?
Tatsächlich für alle, die gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Hate Speech (Hass-Sprache, d. Red.) präventiv begegnen wollen oder auch für die, die mit anderen Demokratie gefährdeten Vorkommnissen bis hin zu Extremismus konfrontiert sind. Alle Bürgerinnen und Bürger können mich kontaktieren. In Vereinen, die oft schon gute Integrationsarbeit leisten, könnte man sehr gut Bildungsveranstaltungen zum Beispiel über Homophobie, Sexismus oder Rassismus organisieren. Vorstellbar wäre eine Zusammenarbeit mit dem Sportkreis.
Sie sind erst seit August im Dienst. Was wünschen Sie sich?
Ich wünsche mir, dass möglichst viele Akteure für diese Fachstelle offen sind und gemeinsam mit mir bedarfsgerecht Projekte entwickeln möchten. Vertraulichkeit ist übrigens oberstes Gebot beim Kontakt mit mir als Dext-Fachstelle. Kontakt: vanessa.huefner@hef-rof.de

Zur Person

Vanessa Hüfner (27) wurde in Burghaun geboren und wuchs dort auf. Nach dem Abitur studierte sie Soziale Arbeit in Fulda mit dem Schwerpunkt Antidiskriminierung. Ihre Abschlussarbeit verfasste sie zum Thema Antiziganismus. Hüfner wohnt im Nachbarkreis.

Von Silke Schäfer-Marg

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