Erst einmal beschnuppern

Fragen und Antworten: Warum Tiere kein gutes Geschenk zu Weihnachten sind

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Lieblingsplatz: Auf der Couch macht es sich Zsofie, der sechsjährige Dackel-Terrier-Mischling von unserem Volontär Sebastian Schmidt, gern mit Kuscheltieren gemütlich. Nach der Rettung aus ihrer Heimat Ungarn verbrachte die Hündin bis zum Sommer 2013 sieben Monate im Kasseler Tierheim Wau-Mau-Insel, weil niemand sich dem verängstigten Tier annehmen wollte.

Hersfeld-Rotenburg. Der treue Blick eines Hundewelpen, das Schnurren einer Schmusekatze, das flauschige Fell eines Goldhamsters: Drei Gründe, die Menschen mitunter verleiten, ein Haustier zu Weihnachten zu verschenken.

Aber macht das Sinn? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Was sollte vorm Tierkauf grundsätzlich beachtet werden?  

Sind alle Familienmitglieder einverstanden? Gibt es Allergien und darf in der Mietwohnung überhaupt ein Hund gehalten werden? Auch die Kosten müssen beachtet werden. Für Hunde etwa sind Steuern fällig, das Fressen muss bezahlt werden und wenn man Pech hat, raubt einem der Besuch beim Tierarzt nicht nur Nerven, sondern viel Geld.

Wenn alles passt, stellt sich noch die Frage, ob der neue Freund auf vier Pfoten aus dem Tierheim, vom Züchter oder aus der Zooabteilung kommen soll. Gerade bei Hunden empfiehlt sich eine Kennenlernphase, um sich gegenseitig zu beschnuppern.

Wie viel Verantwortung bedeutet es, sich einen Hund anzuschaffen? 

Das ergebene Tier schenkt einem zwar seine ganze Liebe und Treue, kann aber eben nicht sprechen. Also gilt es, Gesten und Laute richtig einzuschätzen. Mindestens dreimal pro Tag ist „Gassigehen“ angesagt – auch nachts bei Wind und Wetter. Zwei bis fünf Stunden Aufmerksamkeit gilt es je nach Rasse einzuplanen. Im Idealfall sind die Vierbeiner ein ständiger Begleiter. Auch sollten Urlaube nun besser geplant werden. Denn nicht überall dürfen Hunde mitreisen.

Abhilfe schaffen können neben Privatpersonen Tierheime. Spezialisiert hat sich darauf etwa der Tierschutzverein Bad Hersfeld. Über 200 Tiere werden in dem für den Landkreis Hersfeld-Rotenburg zuständigen Heim in den Ferien kostenlos von 15 bis 20 ehrenamtlichen Helfern versorgt. Mit der positiven Folge, dass laut dem 1. Vorsitzenden Winfried von Alpen zum Glück kaum noch Tiere in Kartons vor die Tür gestellt oder öffentlich nach den Feiertagen ausgesetzt werden.

Was spricht dagegen, an Weihnachten zu Herrchen oder Frauchen zu werden? 

Grundsätzlich bedeuten Feiertage Stress für Vierbeiner. Die Kinder sind aufgeregt, Verwandtschaft kommt zu Besuch, es herrscht hektische Betriebsamkeit und ist in der Regel auch lauter als sonst. Zu viel Trubel also für einen Welpen oder ein ohnehin schon verunsichertes Wesen aus dem Tierheim.

Konsequenz für seriöse Gemeinschaften wie den Tierschutzverein Bad Hersfeld: „Wir vermitteln seit über 30 Jahren jeweils eine Woche vor Weihnachten keine Hunde mehr“, betont von Alpen. Zumal nach Weihnachten das Feuerwerk an Silvester naht, was vielen Tieren noch mehr zu schaffen macht.

Was sind alternativ tierfreundliche Geschenke zu Weihnachten?  

Gutscheine sind möglich, um sich als Familie oder Paar im neuen Jahr in Ruhe umzusehen. Tierheime und Tierrechtsorganisationen wie Peta und Tasso freuen sich über Spenden. Auch ehrenamtliche „Gassigeher“ sind an den Auffangstationen herzlich willkommen – das kann der Anfang einer besonderen Beziehung werden.

Kompromisse sind gefragt: Sebastian Schmidt über den Alltag mit seiner Hündin

Auf den Hund gekommen bin ich erst als Volljähriger. Mein halbes Leben hatte ich großen Respekt vor den Vierbeinern. Als Kleinkind wurde ich nämlich gebissen. Meine beste Freundin und ehemalige Partnerinnen haben mich nach und nach überzeugt, warum – wie es so schön heißt – ein Leben ohne Hunde möglich, aber nicht sinnvoll ist. Für die Suche nach dem richtigen Tier haben wir uns viel Zeit genommen. 

Streng genommen bin ich als Herrchen ausgewählt worden. Denn Zsofie, ein sehr zurückhaltendes Wesen, nahm im Tierheim all ihren Mut zusammen, wagte sich an den anderen Hunden im Zwinger vorbei und leckte mir über die Hand. Seitdem dackelt mir die Kleine täglich hinterher. Hundehalten heißt übrigens Kompromisse eingehen. Mittlerweile stehe ich für Zsofie regelmäßiger am Herd als für mich. Auf der Couch nimmt das neun Kilo leichte Engelchen – Tierfreunde werden das Phänomen kennen – auf sonderbare Weise mehr Platz ein als ich. 

Auch „Hundeoma und -opa“ planen ihre Urlaube so, dass unser Bambi nie allein sein muss. Statt nach Gran Canaria, Lanzarote und Thailand geht’s nun vor allem an die Ostsee. Wir begleiten das Tier also auf seinen Reisen. Wenn es nach den Wellen schnappt, im Sand tobt und mit anderen Hunden spielt, setzt auch bei mir die Erholung ein. Dann merke ich immer wieder, wie groß das Glück ist, einen dankbaren Vierbeiner an seiner Seite zu haben. Ein Geschenk zu Weihnachten ist es allerdings nicht.

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