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Langeweile kennt er nicht: Franz Giebel ist seit 40 Jahren im Öffentlichen Dienst tätig

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Von: Mario Reymond

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Das Bild zeigt Franz Giebel mit einem Comic-Bild. Dort ist zu lesen: Ich hab‘ hier bloß ein Amt und keine Meinung.
Den Humor nicht verloren: Franz Giebel (61) ist seit 40 Jahren im Öffentlichen Dienst tätig. Der Oberamtsrat arbeitet seit 1986 für die Marktgemeinde Eiterfeld. Noch heute macht er seinen Job gern. Hin und wieder auch mit einem Augenzwinkern. © Mario Reymond

Seit 40 Jahren arbeitet Franz Giebel nun im Öffentlichen Dienst. Die allermeiste Zeit davon für die Marktgemeinde Eiterfeld. Ein reiner Schreibtischtäter ist er aber nicht.

Eiterfeld – Beamte werden landläufig ja nicht selten als Sesselfurzer und Bleistiftanspitzer bezeichnet. Diese Vorurteile mögen auf manchen Amtmann sicher zutreffen. Auf den 61 Jahre alten Franz Giebel aus Bad Hersfeld aber sicher nicht.

Der in Arzell aufgewachsene Franz Giebel arbeitet nunmehr seit 40 Jahren im Öffentlichen Dienst. Die allermeiste Zeit davon für die Marktgemeinde Eiterfeld. In der dortigen Verwaltung startete er am 1. April 1986 als Inspektoren-Anwärter. In den unzähligen Jahren in der Eiterfelder Verwaltung ist Giebel jedoch nie reiner Schreibtischtäter gewesen.

Das liegt alleine schon in der Tatsache begründet, dass die Marktgemeinde derzeit 7244 Einwohner zählt. Und in einer derart großen Kommune hat der büroleitende Beamte auch hoheitliche Aufgaben zu übernehmen. Diese würden erst wieder in die Zuständigkeit des Landkreises Fulda zurückfallen, wenn die Einwohnerzahl Eiterfelds unter die Marke von 6750 rutschen würde. Das ist bei aktuell steigender Tendenz aber unwahrscheinlich.

Daher ist Giebel als Leiter des Haupt-, Ordnungs- und Personalamts beispielsweise auch für Gewerbeabmeldungen, -anmeldungen und -ummeldungen verantwortlich. Er setzt dabei Märkte sowie verkaufsoffene Sonntage an. Auch die Aufgaben einer Verkehrsbehörde übernimmt er für die Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen auf Eiterfelder Gebiet – also auch bei der Anordnung von Geschwindigkeitsbegrenzungen oder der Verkehrüberwachung. Zudem ist er für die Gefahrenabwehr zuständig und genehmigt Sprengungen in den Kalkbrüchen bei Ufhausen und Leibolz sowie Feuerwerke.

Wenn für Obdachlose Wohnungen bereitgestellt werden müssen, führt an Franz Giebel ebenfalls kein Weg vorbei. Und auch bei der Umsetzung des hessischen Gesetzes über Hilfen bei psychischen Krankheiten leistet er der Polizei immer wieder Amtshilfe. Das ist dann der Fall, wenn bestimmte Personen, darunter auch immer wieder einmal Drogenabhängige, zu ihrem Schutz in Kliniken eingewiesen werden müssen. „Das geht nicht immer ohne Blutergüsse ab. Hin und wieder gibt es Blessuren, wenn sich jemand zur Wehr setzt. Aber ich bin ja kein Dressman“, scherzt er.

Langweilig wird es dem Beamten Giebel keinesfalls. Schon zu Beginn seiner Zeit in Eiterfeld war er gefordert. Nach der Grenzöffnung im Jahr 1989 leistete er in den Kommunen des Landkreises Bad Salzungen kommunale Aufbauarbeit. „Da haben wir Kinderkrippen schließen müssen, da sie nicht wirtschaftlich waren. Und heute bauen wir sie auch hier in Eiterfeld wieder auf. Das ist schon komisch“, so der Oberamtsrat.

Gerne erinnert sich Franz Giebel auch an den Umzug aus dem alten Amtsgericht in das seinerzeit neue Rathaus. Erster Arbeitstag im aktuellen Verwaltungsgebäude war der 16. Mai 1999.

Auch daran, dass sich Eiterfeld seit dem 4. Juli 1995 wieder Marktgemeinde nennen darf, hat Giebel großen Anteil. „Ich habe 1987 ein erstes Schreiben in dieser Angelegenheit an das Marburger Staatsarchiv geschrieben. Es ist schier unfassbar, wenn ich sehe, wie lange wir an irgendwelchen Dingen arbeiten müssen“, entfährt es dem büroleitenden Beamten.

Aktuell sind er und seine Mitarbeiterinnen damit befasst, ukrainische Kriegsflüchtlinge, die es nach Eiterfeld verschlagen hat, zu registrieren. Das sind bisher 75. Schon zu Beginn der 90-er Jahre hatte es die Verwaltung mit Kriegsflüchtlingen – damals aus Bosnien und Kroatien – zu tun. Ein Geschäftsmann hatte 1993 gar eine Asylantenunterkunft auf seinem Betriebsgelände eingerichtet. „Dort waren 126 Menschen in großen Containern untergebracht“, erinnert sich Giebel.

Nach all den Jahren bereitet ihm sein Job noch immer Freude, was sicher auch an dem guten Arbeitsklima in der Eiterfelder Verwaltung liegt. So habe er immer vertrauensvoll und ohne Probleme mit den Bürgermeistern Winfried Plappert und Berthold Jost zusammengearbeitet. Mit dem amtierenden Rathauschef Hermann-Josef Scheich tut er dies noch heute. Mit einer Stimme sprechen ist irgendwie logisch, denn in Scheichs Abwesenheit ist Giebel im Innenverhältnis dann ja auch der Verwaltungschef.

Nach Außen übernimmt dies in Scheichs Abwesenheit aktuell der Erste Beigeordnete Theodor Kohlmann (FWG). Auch mit ihm, wie bereits mit all seinen Vorgängerinnen und Vorgängern, habe es so gut wie nie Reibungspunkte gegeben. „Das ist es dann auch, was mir an diesem Beruf Spaß bereitet“, erklärt Oberamtsrat Franz Giebel. (Mario Reymond)

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