Vorfälle im Kurpark und im Schilde-Park

Frauen und Männer sexuell bedrängt: 20-Jähriger aus Bad Hersfeld vor Gericht

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Symbolbild Gericht

Wegen Beleidigung und Belästigung muss sich ein 20-Jähriger vor dem Jugendschöffengericht in Bad Hersfeld verantworten. Es gibt jedoch Zweifel an seiner Schuldfähigkeit.

Die Liste der Vorwürfe ist lang: Beleidigung, sexuelle Belästigung von jungen Mädchen, Frauen und Männern, Diebstahl – der junge Kroate war schon häufig auffällig. Schon bei der Feststellung seiner Personalien vor dem Jugendschöffengericht in Bad Hersfeld gibt es Unstimmigkeiten. Der 20 Jahre alte Mann zückt seinen Personalausweis, als er nach seinem Geburtsdatum gefragt wird, auswendig kann er das nicht sagen. Und dann gibt es in anderen Akten auch andere Angaben zur Geburt. Demnach wäre er ein Jahr älter. Mai 1999 sei das richtige Datum, versichert der junge Mann, der den letzten Termin vor dem Jugendschöffengericht hatte platzen lassen.

Warum er da nicht erschienen sei? Er habe keine Zeit gehabt, sagt der Kroate, der nur gebrochen Deutsch spricht und der Verhandlung nur mit Dolmetscher folgen kann. Achselzucken auf die Frage von Richterin Michaela Kilian-Bock, warum er nicht besser Deutsch spreche: „Weiß nicht.“ Er weiß auch nicht genau, wie lange er schon in Deutschland ist. Bleiben will er und arbeiten, doch meistens macht er nichts.

Wenn er dann unterwegs ist, kommt es immer wieder zu Zwischenfällen, nicht erst, seit er in Bad Hersfeld lebt. Auch an seinen früheren Wohnorten Rheine und Lauterbach wurde er auffällig. Am Busbahnhof in Lauterbach betatschte er 2016 ein damals 15 Jahre altes Mädchen und forderte sie unflätig zum Geschlechtsverkehr auf. In Rheine hatte er im Jahr zuvor ein Smartphone gestohlen und bei einem Unbekannten gegen ein Fahrrad eingetauscht.

In Bad Hersfeld hatte sich der Angeklagte im März 2017 einer Frau in der Banater Straße in den Weg gestellt und ihr sein entblößtes Glied gezeigt. Im Juli belästigte er eine Joggerin im Kurpark, stellte sich ihr in den Weg und bedrängte sie. Im August verfolgte er eine Frau im Schilde-Park, wurde aufdringlich und forderte sie auf, mit ihm zu schlafen. „Ich kann gut ficken“, versprach er. Im September 2017 war es dann ein Mann, der in der Unterführung unter der Hochbrücke von dem Angeklagten, der meistens mit dem Fahrrad unterwegs war, angesprochen, angefasst und zum Sex aufgefordert wurde.

Auf dem Obi-Parkplatz in Bad Hersfeld bedrängte der junge Mann schließlich im Juni 2019 eine Frau und fasste ihr ans Gesäß.

Auf die Vorwürfe reagierte der Angeklagte teils mit Lachen, teils mit Unverständnis. Und weil die Zweifel des Jugendschöffengerichts unter Vorsitz von Richterin Michaela Kilian-Bock an den intellektuellen Fähigkeiten des jungen Mannes immer größer wurden, befragt die Richterin schließlich den Bruder des jungen Mannes. Der erzählte von einem Unfall im Kindesalter und dass der große Bruder viermal die erste Klasse besucht habe, aber immer noch nicht lesen und schreiben könne. Er könne sich nichts merken und sei wie ein Kind, sagte der Bruder und bestätigte den Eindruck des Gerichts.

Nun soll ein Gutachten klären, ob der Angeklagte überhaupt strafrechtlich verantwortlich und schuldfähig ist. Onkel und Bruder versicherten, dass sie dafür sorgen wollten, dass die Termine tatsächlich eingehalten würden. „Er braucht Hilfe“, sagte der Onkel und versicherte, dass es keine Vorfälle mehr geben werde. Warum diese Hilfe nicht schon früher organisiert und geleistet wurde, blieb allerdings offen. (zac)

Quelle: Hersfelder Zeitung

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