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Frauen- und Gleichstellungsbüro des Kreises Hersfeld-Rotenburg hat sich neu formiert

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Von: Christine Zacharias

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Kümmern sich seit Monaten um die Anliegen von Frauen und um die Gleichstellung, jetzt ist es auch offiziell: Corinna Zehender (links) ist die neue interne und externe Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, Christel Zimmermann ihre Stellvertreterin.
Kümmern sich seit Monaten um die Anliegen von Frauen und um die Gleichstellung, jetzt ist es auch offiziell: Corinna Zehender (links) ist die neue interne und externe Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, Christel Zimmermann ihre Stellvertreterin. © Christine Zacharias

Corinna Zehender und Christel Zimmermann bilden seit einiger Zeit das neue Team im Frauen- und Gleichstellungsbüro des Kreises. Und die beiden Frauen haben viel vor.

Hersfeld-Rotenburg – Chancengleichheit, Vielfalt, Gleichberechtigung und der Kampf gegen Gewalt – Corinna Zehender und Christel Zimmermann wollen diese Schlagworte mit Leben füllen. Sie sind – seit Oktober auch offiziell – das neue Team im Frauen- und Gleichstellungsbüro des Kreises und Ansprechpartnerinnen für alle Fragen der Gleichstellung innerhalb der Verwaltung und für Frauenthemen im Kreis.

Und da gibt es viele. „Wir müssen Schwerpunkte setzen“, ist den beiden in Teilzeit tätigen Frauenbeauftragten sehr bewusst. Ihr Kernthema ist deshalb das Engagement gegen Gewalt an Frauen. Unter dem Motto „Wir müssen reden“ haben sie eine Veranstaltung organisiert, in der die Umsetzung der Istanbul-Konvention im Kreis Thema war (unsere Zeitung berichtete). Die Istanbul-Konvention ist eine Vereinbarung fast aller europäischer Staaten, in der Vorgaben zum Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt gemacht werden. Sie muss in den Ländern auf allen Ebenen umgesetzt werden, also auch auf Kreisebene. Hierzu haben Zehender und Zimmermann bereits eine Liste erarbeitet, die sie an den Ersten Kreisbeigeordneten Dirk Noll übergeben haben.

Handlungsempfehlungen zur Umsetzung der Istanbul-Konvention erarbeitet eine Arbeitsgruppe, die auch dem Runden Tisch gegen Gewalt an Frauen angehört. Dieses Gremium, an dem zahlreiche Organisationen teilnehmen und das neben dem Austausch von Informationen auch der Prävention dient, hat coronabedingt länger pausiert und wurde jetzt reaktiviert.

„Wir hätten gerne noch medizinische Expertise beim Runden Tisch“, erklärt Corinna Zehender, also eine Ärztin oder einen Arzt, die regelmäßig an den Treffen teilnehmen. Ein Anliegen ist es den beiden Frauen zudem, eine Schutzambulanz im Kreis Hersfeld-Rotenburg einzurichten, möglichst in Anbindung ans Klinikum. Diese Ambulanz wäre eine zentrale Anlaufstelle für von Gewalt betroffene Frauen und Opfer von Vergewaltigungen. Sie könnten dort – auch anonym – ihre Verletzungen gerichtsfest dokumentieren lassen und beraten werden.

Häusliche Gewalt, so betont Christel Zimmermann, müsse zudem noch stärker öffentlich wahrgenommen werden. In diesem Zusammenhang kritisiert sie das Polizeipräsidium Osthessen, das unter dem Vorwand, die Anonymität der Beteiligten zu wahren, nicht über häusliche Gewalt berichtet – im Gegensatz zum Polizeipräsidium Nordhessen, das regelmäßig Berichte über Gewalt an Frauen in seinen Pressemitteilungen veröffentlicht.

Ins Leben gerufen hat das Frauen- und Gleichstellungsbüro ein Netzwerk für Alleinerziehende. „Das läuft gut an“, freut sich Corinna Zehender. Hauptproblem sei nach wie vor die Kinderbetreuung. Familienfreundlichkeit müsse zudem noch viel stärker in den Unternehmen und ganz allgemein in der Gesellschaft verankert werden. „Da müssen wir noch dicke Bretter bohren“, ist Christel Zimmermann bewusst.

Ein weiteres Anliegen ist es den beiden, dass mehr Frauen in Führungspositionen kommen. Weniger als ein Viertel der Führungskräfte in Wirtschaft und Verwaltung sei weiblich, stellt Zehender fest. Es gebe viel zu wenig Modelle, wie Frauen in Unternehmen gefördert werden und wie Väter und Mütter Familie und Beruf vereinbaren könnten.

Zehender und Zimmermann wollen im kommenden Jahr ein neues Netzwerk aufbauen für Frauen, die sowohl beruflich als auch ehrenamtlich Verantwortung übernehmen wollen: wir-sind-fella.de (Christine Zacharias)

Das Angebot des Frauen- und Gleichstellungsbüros des Kreises

Das Frauen- und Gleichstellungsbüro bietet auch im kommenden Jahr wieder eine Reihe von Online-Vorträgen und Präsenzveranstaltungen an. Dabei geht es zum Beispiel darum, wie Wünsche zu Zielen werden, die auch tatsächlich angepackt werden, wie Frauen mit der Mehrfachbelastug durch Beruf, Familienorganisation, Fürsorgearbeit und Hausarbeit umgehen können oder wie Frauen Selbstbewusstsein und Mut entwickeln, sich auch für Führungspositionen zu bewerben. Es gibt einen Workshop zur souveränen Gesprächsführung oder dazu, wie Frauen gelassen älter werden. Die Veranstaltungen finden in Zusammenarbeit mit dem Büro für Staatsbürgerliche Frauenarbeit statt.

Bedienstete des Landratsamts können daran kostenlos und während ihrer Arbeitszeit teilnehmen. Den Flyer und ausführliche Informationen zum Programm gibt es auf der Homepage des Frauen- und Gleichstellungsbüros unter hef-rof.de/frauen-gleichstellung.

Fortgesetzt wird zudem die Reihe „Leinwandheldinnen“mit spannenden Filmen über interessante Frauen. Präsenz zeigen will das Büro außerdem an markanten Gedenktagen, bei One Billion Rising am 14. Februar, beim Equal Pay Day am 7. März und beim Internationalen Frauentag am 8. März. red/zac

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