Immer mehr Flüchtlinge suchen Zuflucht mit Kindern

Frauenhaus in Bad Hersfeld: Bedarf ist weiter ungebrochen

Hersfeld-Rotenburg. Alle zehn Zimmer im Bad Hersfelder Frauenhaus sind voll belegt. Die Nachfrage nach einem Raum, der Frauen und Kindern Schutz vor körperlicher oder seelischer Gewalt bietet, ist ungebrochen groß, berichtet Sabine Schütt-Dörrbeck vom Verein „Frauen helfen Frauen“, der das Schutzhaus in Bad Hersfeld seit über 30 Jahren betreibt.

50 bis 60 Frauen und ebenso viele Kinder suchen Jahr für Jahr dort Zuflucht. Sie werden von sechs pädagogischen Mitarbeiterinnen und einer Verwaltungskraft (alle in Teilzeit) betreut. Zwei der Mitarbeiterinnen sind speziell für die Kinder zuständig.

„Das ist nach wie vor ganz wichtig“, erklärt Sabine Schütt-Dörrbeck. Die oft traumatisierten Kinder benötigten eigene Ansprechpartnerinnen, um mit den als bedrohlich erlebten Erfahrungen in der Familie umgehen zu können, sagt die erfahrene Mitarbeiterin.

Zunehmend suchen Flüchtlingsfrauen im Bad Hersfelder Frauenhaus Schutz und stellen die Mitarbeiterinnen vor neue Herausforderungen. Viele der Frauen seien bereits als ganz junge Mädchen, mit 13 oder 14 Jahren, verheiratet worden und hätten bereits in ihren Heimatländern Gewalt erlebt. Durch die Flucht seien sie zusätzlich traumatisiert. Das Bedrohungspotenzial durch die gewalttätigen Ehemänner sei bei vielen der geflohenen Frauen größer, haben die Mitarbeiterinnen im Frauenhaus festgestellt.

Die betroffenen Frauen würden häufig von Flüchtlingshelfern darauf aufmerksam gemacht, dass eheliche Gewalt in Deutschland verboten sei und dass es Hilfsangebote gebe. Sie haben aber auch von Bewohnerinnen gehört, dass sie in Europa nicht nur die Sicherheit vor Krieg und Verfolgung suchten, sondern bewusst auch vor ihren schlagenden Ehemännern.

„Wir erwarten, dass noch mehr geflüchtete Frauen bei uns Schutz suchen werden“, sagt Mitarbeiterin Nicole Stein. (zac)

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