Mit viel Liebe zur Natur

Friederike Cecchini ist die jüngste Revierförsterin in Hersfeld-Rotenburg

Hat alles im Griff: Forstbetriebsassistentin Friederike Cecchini hat kommissarisch die Leitung der Revierförsterei Triesch in Nentershausen übernommen. Unser Bild zeigt die 31-Jährige mit einer sogenannten Kluppe zum Bestimmen von Baumdurchmessern und einem besonders robusten Tablet-Computer vor dem Forstamt in Rotenburg.
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Hat alles im Griff: Forstbetriebsassistentin Friederike Cecchini hat kommissarisch die Leitung der Revierförsterei Triesch in Nentershausen übernommen. Unser Bild zeigt die 31-Jährige mit einer sogenannten Kluppe zum Bestimmen von Baumdurchmessern und einem besonders robusten Tablet-Computer vor dem Forstamt in Rotenburg.

Sie wirkt zurückhaltend, sachlich und konzentriert – aber wenn sie über ihren Beruf spricht, beginnt sie förmlich zu leuchten und ihre Augen funkeln freudig: Friederike Cecchini ist die jüngste Revierleiterin bei Hessen Forst im Landkreis.

Hersfeld-Rotenburg - Seit dem 1. Juni hat die 31-Jährige – zunächst kommissarisch – das Revier Triesch übernommen. „Mein Vorgänger Werner Sandrock hat es über 30 Jahre lang betreut und sich dort verdient gemacht“, sagt die studierte und gelernte Forstbetriebsassistentin voller Respekt. Denn sie weiß: „Wir legen mit unserer Arbeit den Grundstein für die kommenden Jahrzehnte – ein Baum wächst 80 bis 100 Jahre – die Kulturen, die ich jetzt anpflanze, werde ich nicht mehr selbst ernten.“ Sie habe daher Ehrfurcht vor der Aufgabe, „weil ich das, was ich jetzt entscheide, für künftige Generationen entscheiden muss“.

Das Revier Triesch erstreckt sich auf dem Gebiet der Gemeinde Nentershausen auf einer Breite von Süß bis nach Bebra-Braunhausen an die Bundesstraße 27. Es ist mit 78 Prozent ein Schwerpunktrevier für Privatwald – 14 Prozent gehören der Gemeinde und nur acht Prozent sind Staatswald. „Das heißt, die Revierförsterei muss guten Kontakt zu den Waldbesitzern und der Gemeinde halten“, weiß Cecchini.

Auf ihren Traumberuf gekommen ist die gebürtige Kasselänerin bereits als 20-Jährige, als sie ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) im Wisent-Gehege im niedersächsischen Springe absolvierte. „Auf den Studiengang aufmerksam gemacht hat mich dort eine Kollegin – sie hat meine Begeisterung für den Beruf geweckt“, sagt die Forstbetriebsassistentin. Viele wüssten leider zu wenig, was ihren Beruf ausmache und dass ein Studienabschluss in Forstwissenschaft oder Forstwirtschaft dafür Voraussetzung ist. „Der Bachelor dauert sechs Semester und nach dem Studium folgt das Anwärterjahr, in dem man den Förster im praktischen Forstdienst begleitet und Einblick in alle anfallenden Arbeiten bekommt“, erklärt sie. Ihre Ausbilderin für den gehobenen Dienst war Iris Beisheim vom Forstamtsbezirk Bengendorf. Neben dem Außendienst bei ihr lernte Friederike Cecchini auch im Rotenburger Forstamt die Büroarbeit im Innendienst kennen – und, wie beide Prozesse ineinandergreifen.

Die 31-Jährige, die während ihres Studiums in Göttingen zusätzlich auch noch den Masterabschluss in Forstwissenschaft absolviert und ihre Laufbahnprüfung im Forstlichen Bildungszentrum Weilburg im September 2020 abgelegt hat, arbeitet seit dem 1. November im Rotenburger Forstamt. „Ich habe erstmal die anderen Reviere unterstützt – bei der Forstwirtschaftsplanung von der Pflege bis hin zur Planung der Anpflanzung neuer Kulturen – wenn zum Beispiel mehrere Rückebetriebe in einem Revier eingesetzt werden, teilt man sich die Betreuung auf und unterstützt den Revierförster, der die ganze Arbeit alleine sonst gar nicht bewältigen kann“, sagt Cecchini.

In Revieren, in denen der Leiter in Ruhestand gehe oder ein Wechsel anstehe, für den es noch keine Ausschreibung gebe, würden die Forstbetriebsassistenten als kommissarische Leiter eingesetzt – so wie in ihrem Fall. Inzwischen hat sie sich offiziell um die Betreuung des Reviers Triesch als Nachfolgerin beworben. Zu ihrer täglichen Arbeit gehören die Kontrolle und Organisation der Waldbestände. „Es wird nur so viel Holz dem Wald entnommen, wie auch wieder nachwächst“, sagt Cecchini, denn „Nachhaltigkeit ist unser Grundprinzip in der Forstwirtschaft“. Richtig nah gehe ihr, wie viel Waldbestand gerodet werden muss, weil er vom Borkenkäfer befallen ist. „Ich hatte manchmal Angst, mit der Hessen-Forst-Jacke rumzulaufen, weil die Menschen doch denken müssen: das sind die, die einfach alle Bäume abholzen“, sagt die 31-Jährige. Dabei habe man mit aller Kraft und vollem Einsatz den Kampf gegen den Borkenkäfer geführt – und der sei trotz aller Anstrengungen verloren gegangen.

„Es ist komplett etwas anderes, wenn ich privat im Wald wandern gehe oder mein Revier kontrolliere“, berichtet Cecchini. Begleitet wird sie in beiden Fällen meist von ihrem Schäferhund Alf. „Der ist seit dem Abi übers Studium und die Ausbildung bis jetzt mein treuer Begleiter“, sagt die Tierfreundin.

Sie hat ihn als Welpen bekommen. Mit seinen 40 Kilo und 13 Jahren auf dem Buckel könne er allerdings lange Märsche nicht mehr mitmachen. „Ein schöner Aspekt meines Berufes ist, dass man auch seine Liebe zu Tieren gut mit ihm kombinieren kann – das bedeute für mich Lebensqualität“, sagt sie.

Überhaupt gebe es viele Bezüge zum Naturschutz: „wie den Rhäden, den wir ja auch betreuen – mit unserer Arbeit erhalten wir Lebensräume“, sagt Cecchini. Gerade während Corona hätten viel mehr Menschen den Wald und seine Erholungsfunktion für sich entdeckt. Angesichts dessen sei ein großes Thema, dass es im Wald auch sicher sein muss und angesichts der vielen trockenen Bäume, die umzufallen drohen, nichts passiere.

Die Verantwortung, die ihr Beruf mit sich bringt, sei daher gleich auf mehreren Ebenen groß. Neben der praktischen Arbeit draußen sei der Beruf durch die Bürotätigkeit und Arbeit am Computer aber auch sehr vielfältig und abwechslungsreich, sodass es nie langweilig werde. Deshalb liebe sie ihren Beruf – „weil ich da auch total drin aufgehen kann“.

Vieles hänge auch vom Wetter ab. „Nach dem Anwärterjahr wusste ich: das ist das, was Du machen möchtest – und zwar bis zur Rente hin“, sagt Friederike Cecchini. Sagt’s und scheint dabei innerlich fast ein wenig zu leuchten.

Von Peter Gottbehüt

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