Betrieb lohnt sich nicht

Hotel Prinz von Hessen in Friedewald im Corona-Schlaf: „Alles Jammern bringt ja nichts“

Hoffen auf eine baldige Normalität: Im Wintergarten des Schlosshotels in Friedewald „Prinz von Hessen“ stehen Markus Göbel, Juniorchef der Göbel-Gruppe, und seine Ehefrau Andrea Göbel.
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Hoffen auf eine baldige Normalität: Im Wintergarten des Schlosshotels in Friedewald „Prinz von Hessen“ stehen Markus Göbel, Juniorchef der Göbel-Gruppe, und seine Ehefrau Andrea Göbel.

Ob Kinos, Schwimmbäder, Tanzlokale oder Museen: Viele Einrichtungen sind wegen Corona gezwungen, „Winterschlaf“ zu halten. Wir haben hinter die Kulissen geblickt.

Friedewald – Menschenleer ist das große Foyer des Schlosshotels „Prinz von Hessen“ in Friedewald. Auch in den zahlreichen Restaurants und in den 90 Zimmern ist niemand anzutreffen. „Geschlossen haben wir seit Anfang November, denn der Betrieb ohne Wellness- und Tagungsgäste macht wirtschaftlich keinen Sinn“, sagt Hotelier Markus Göbel beim Durchqueren der dunklen Gänge. Verboten seien zwar nur touristische Reisen, aber es gebe zu wenig Übernachtungen von Geschäftsleuten, dass sich der Hotelbetrieb ausschließlich dafür lohne.

Frustriert über politische Entscheidungen

Der Juniorchef der Göbel-Gruppe mit 15 Hotels und sieben Gastronomiebetrieben, darunter auch das Hotel Rodenberg und das Posthotel in Rotenburg, ist frustriert über die politischen Entscheidungen der vergangenen Wochen. „Wir haben viel gemacht, um unsere Gäste und Mitarbeiter zu schützen. Es wurden Entkeimungsanlagen in den Lüftungen eingebaut, überall lang anhaltende Oberflächendesinfektion aufgetragen, Schnelltests besorgt, Tische auseinander gestellt und Vieles mehr. Und dennoch war unsere Branche die erste, die wieder schließen musste“, sagt er und kann den Frust in seiner Stimme nicht verbergen. Göbel hofft, Ostern wieder öffnen zu dürfen. „Früher wäre beim Blick auf die aktuellen Infektionszahlen unrealistisch.“

Weiter Hoffen auf Unterstützung

Vom Staat bekam die Göbel-Gruppe wegen der Größe des Unternehmens bis jetzt noch keine wirkliche finanzielle Unterstützung, sagt der Hotelier. Erst die vor Kurzem beschlossene Anhebung der EU-Beihilfegenzen lässt Göbel hoffen, doch noch eine November- und Dezemberhilfe im Nachgang zu erhalten. Bislang hätten seine Hotel- und Gastrobetriebe Kredite aufgenommen, um die coronabedingte Schließzeit überbrücken zu können. Der Umsatzrückgang betrage seit der Coronakrise bisher 50 Prozent des Jahresumsatzes – ein Verlust in Millionenhöhe.

Die 2000 Quadratmeter große Wellness- und Saunalandschaft im Schlosshotel „Prinz von Hessen“ in Friedewald ist verlassen.

Der Hotelier blickt über die leeren Sitzplätze im Wintergarten. Ihm tue es in der Seele weh, seinen Betrieb so zu sehen. „Diese Totenstille, und alles ist dunkel. Ich selbst bin trotzdem jeden Tag hier. Ich kann einfach nicht ohne.“ Außer ihm ist noch seine Ehefrau Andrea Göbel täglich an der Rezeption, um Stornierungen, aber auch einige wenige Neubuchungen entgegenzunehmen.

Hausmeister noch vor Ort

„Auch unser Hausmeister ist vor Ort. Er kümmert sich um Wartungs- und Reparaturarbeiten. Wir erledigen viele Dinge, die in den vergangenen Jahren liegen geblieben sind, räumen auf und digitalisieren unsere Tagungsräume. Die Buchungs-, An- und Abreiseprozesse der Gäste wurden ebenfalls digitalisiert“, sagt Göbel.

Fast alle Mitarbeiter in Kurzarbeit

Nahezu alle der insgesamt 1200 Mitarbeiter der Göbel-Gruppe seien zu Hause und in Kurzarbeit. „So langsam geht es an die Psyche. Das merke ich auch bei unseren Mitarbeitern. Unsere Familie, die Direktion und die Betriebsleiter versuchen, in ständigem Kontakt mit den Mitarbeitern und Kollegen zu bleiben, das ist uns sehr wichtig“, sagt Göbel und läuft zielstrebig durch den riesigen Wellnessbereich, der für Ortsfremde einem Labyrinth ähnelt.

Eine Achterbahnfahrt

Für den Chef der Göbels Hotelgruppe war das Jahr 2020 sehr emotional. Er sagt: „Es gab viele Höhen und Tiefen. Insgesamt war es wie eine einzige Achterbahnfahrt für unsere gesamte Branche. Schön zu sehen ist auch, dass die Hotel- und Gastronomiekollegen in dieser Krise digital näher zusammengerückt sind. Alle helfen sich gegenseitig“, sagt Göbel und lobt dabei auch die Arbeit des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes. Insgesamt bleibt der Hotelier positiv. „Alles Jammern bringt ja nichts. Wir helfen bei der Bekämpfung des Virus, schauen nach vorn und sind bereit, wenn wir wieder öffnen dürfen.“ (Anna Weyh)

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