SOMMERINTERVIEW 2021

Friedewalds Bürgermeister Dirk Noll: „Wir sind ein Gewerbe-Schwerpunkt“

Bürgermeister Dirk Noll vor der Festhalle in Friedewald.
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Die gute Stube der Friedewälder: Bürgermeister Dirk Noll vor der Festhalle, deren Sanierung fast abgeschlossen ist. Anstelle der ehemaligen Bürgerstube sind im Zuge des Umbaus auf der bisherigen Rückseite ein Glasfoyer sowie ein Vorplatz entstanden.

Über aktuelle und künftige Baustellen in der Dreienberggemeinde Friedewald sprach Rathauschef Dirk Noll im Sommerinterview mit Jan-Christoph Eisenberg.

Trotz niedriger Fallzahlen und Lockerungen wird auch der zweite Sommer in Folge noch durch die Pandemie bestimmt. Wie ist Friedewald bislang durch die Krise gekommen?

Wir stehen nach wie vor ganz gut da. Die Inzidenz lag lange Zeit bei Null. Zwischenzeitlich hatten wir dann den höchsten Wert. Mit dem Testzentrum haben wir jetzt ja ein wunderbares Angebot vor Ort, das auch gut angenommen wird.

Ein mögliches Logistikzentrum auf dem Wolfstall hat eine Bürgerinitiative auf den Plan gerufen. Hat die Gemeinde bei der Gewerbeentwicklung die Grenze des für die Bürger Erträglichen überschritten?

Das glaube ich nach wie vor nicht. Natürlich gab es Diskussionen. Das ist bei solchen Großprojekten ganz normal. Wir sind ein Gewerbe-Schwerpunkt. Das sieht auch das Regierungspräsidium so. Das wollen wir auch bleiben und die Gemeinde hat dadurch einen enormen Nutzen. Deshalb wollen wir auch in Zukunft schauen, was vertretbar noch geht.

Teil des geschlossenen Kompromisses ist, dass dem Investor stattdessen im geplanten Gewerbegebiet Ost eine Fläche im Wald angeboten werden soll. Können Sie das Unternehmen so lange bei der Stange halten?

Da habe ich keine Bedenken. Die Nachfrage ist nach wie vor riesengroß aufgrund der infrastrukturell hervorragenden Lage am Autobahnzubringer.

Ist es vor dem Hintergrund der aktuellen Klimadebatte noch zeitgemäß, Wald für Logistikhallen zu roden?

Wir müssen dort fast keine Bäume roden. Auf Luftbildern ist deutlich erkennbar, dass dort durch Trockenheit und Borkenkäfer kaum noch ein Baum steht. Außerdem spielt mittlerweile der grüne Fußabdruck auch bei den Investoren eine große Rolle. Gewerbehallen haben heute selbstverständlich eine Photovoltaikanlage. Auch möchten wir dort eine Stromversorgung durch eigene Windkraftanlagen generieren.

Kaum ein Baum steht noch: Dieses Luftbild zeigt die potenziellen Erweiterungsflächen für das Gewerbegebiet Friedewald.

Aco Passavant hatte für dieses Jahr den Baubeginn seines neuen Werks im Gewerbegebiet West angekündigt. Gibt es schon Signale, wann genau die Bagger rollen?

In den nächsten Tagen geht es mit der Bauleitplanung weiter. Es gab noch Diskussionen bezüglich des Schallschutzes, die wir sehr ernst genommen und deshalb etwas länger geprüft haben. Corona hat auch alles noch etwas verzögert. Nach meinem Kenntnisstand soll es im ersten Quartal 2023 baulich losgehen. Gemeinsam mit Aco Passavant planen wir alsbald eine Informationsveranstaltung.

Auch mit dem Bau des Gesundheitszentrums wurde noch nicht begonnen. Wird das Projekt noch weiterverfolgt?

Wir sind ganz feste dran. Die Pläne liegen uns vor. Jetzt warten wir noch auf die Kostenschätzung. Damit gehen wir dann in die politischen Gremien. Wir gehen davon aus, dass es alsbald losgeht. Wir sind im kleinen Friedewald natürlich an vielen Stellen sehr aktiv und können die Projekte deshalb nur schrittweise abarbeiten.

Als Ersatz für die Kläranlage steht seit geraumer Zeit der Anschluss an die Anlagen in Malkomes oder Bad Hersfeld im Raum. Woran hängt es jetzt noch?

Es hängt daran, dass auch unsere Partner in Schenklengsfeld eine Entscheidung treffen müssen. Es soll ja ein gemeinsames Projekt werden. Für Friedewald steht fest, dass wir den Anschluss an die Kläranlage Bad Hersfeld präferieren, weil wir das, gerade mit Blick auf die Nachhaltigkeit, für die beste Lösung halten.

Wie ist der Sachstand bei den übrigen Großprojekten wie der Trinkwasser-Verbindungsleitung zwischen Friedewald und Lautenhausen und dem Neubau der Kinderkrippe?

Für den Krippenneubau haben wir den Förderbescheid erhalten. Jetzt werden wir mit der Umsetzung beginnen. Auf alle Fälle wollen wir in diesem Jahr noch einen Schritt weiterkommen. Auch für die Wasserverbindungsleitung haben wir einen Förderbescheid über 50 Prozent erhalten. Die Maßnahme müssen wir bis Ende des Jahres abgeschlossen haben. Die Planungen gestalten sich nicht ganz einfach, weil wir durch Schutzgebiete müssen. Dennoch soll im Herbst gebaut werden.

Dass Friedewald umfangreich investiert und investiert hat, spiegelt sich auch im Schuldenstand von voraussichtlich 9,9 Millionen Euro zum Jahresende wider. Wie und über welchen Zeitraum sollen diese Verbindlichkeiten abgebaut werden?

Wichtig ist, dass wir die 9,9 Millionen Euro seit dem Jahr 2013 trotz der umfangreichen Investitionen konstant gehalten haben. Angesichts der bevorstehenden Projekte werden wir von dieser Summe so ganz schnell nicht herunterkommen. Wir tilgen aber jedes Jahr eine knappe halbe Million. Mittelfristig werden wir den Schuldenstand also senken können.

Was ist eigentlich aus der Idee für einen Aussichtsturm auf dem Dreienberg geworden?

Die Konzeptstudie liegt uns vor. Es sind sehr gelungene Entwürfe dabei. Ich würde mich freuen, wenn wir das Projekt realisieren können. Klar ist natürlich auch, dass das nur mit einer hohen Förderung geht.

Die Gemeinde hat kürzlich zu einem Treffen eingeladen, um die kulturellen Aktivitäten nach der Corona-Pause wiederzubeleben. Wie war die Resonanz?

Die Resonanz war leider überschaubar. Das liegt vielleicht auch daran, dass die kulturellen Aktivitäten erst wieder anlaufen müssen. Die Teilnehmenden waren sich aber einig, dass wir am besten jemand Externes als Kultur-Kümmerer brauchen. Ich bin guter Dinge, dass wir jemanden finden.

Ferienzeit ist auch Urlaubszeit. Welche Pläne haben Sie für den Sommer?

Wenn die Inzidenzen es hergeben, fahren wir an den Gardasee. In Italien sieht es momentan ja noch ganz gut aus.

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