Salons dürfen Montag wieder öffnen

Friseure in Hersfeld-Rotenburg sind fast ausgebucht

Das Bild zeigt Bärbel Purkl, die ein Haarwaschbecken desinfiziert. Zwischen den Waschbecken ist ein Trennwand aus Plexiglas.
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Keine Chance dem Coronavirus: Hygienetechnisch nochmal aufgerüstet hat auch Bärbel Purkl, die in Bebra den Salon Haareslust betreibt.

Wenn am Montag die Friseure in Kreis Hersfeld-Rotenburg nach zehn Wochen Zwangspause wieder öffnen dürfen, sind die meisten Termine im März bereits vergeben.

Hersfeld-Rotenburg – Denn schon kurz nach der Bekanntgabe, dass die Salons am 1. März unter Einhaltung bestimmter Hygieneauflagen die Arbeit wieder aufnehmen können, klingelten bei zahlreichen Betrieben die Telefone.

Zwar haben viele Friseure auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ihre Öffnungszeiten erweitert, um möglichst viele Kunden bedienen zu können, allerdings schränkt vor allem die neue Zehn-Quadratmeter-Regel den Betrieb in manchen Salons deutlich ein. Auf zehn Quadratmetern Ladenfläche darf sich demnach nur eine Person aufhalten, was für Kunden ebenso wie für das Personal gilt. „Das trifft natürlich gerade die kleinen Salons, in denen vor Corona ganz bewusst platzoptimiert gearbeitet wurde“, erklärt Peter Fiebig, Obermeister der Friseurinnung Hersfeld-Rotenburg.

Auch in seinem Salon sei es in den ersten 14 Tagen schon „richtig voll“, ähnlich äußern sich weitere Kollegen, deren Terminkalender im Monat März längst gut gefüllt sind.

Mitunter müssen sich die Kunden zudem erneut auf moderate Preiserhöhungen einstellen. Schon nach dem ersten Lockdown 2020 war der Friseurbesuch für einige teurer geworden, was allerdings nicht nur an Hygienezuschlägen, sondern auch an der Waschpflicht lag. „Ich gehe von kleineren kalkulatorischen Anpassungen aus“, sagt Fiebig, das müsse letztlich aber natürlich jeder Saloninhaber selbst für den eigenen Betrieb entscheiden. Absprachen gebe es nicht.

Nicht alle, aber einige Inhaber haben hygienetechnisch nun nochmal aufgerüstet und entsprechend investiert, zum Beispiel in spezielle Luftreinigungsgeräte oder zusätzliche Trennscheiben. Hinzu kommt, dass zum 1. Januar eine Tariferhöhung in Kraft getreten ist. „Die Situation ist fatal“, warnt der Obermeister mit Blick auf insgesamt vier fehlende Monate innerhalb eines Jahres. Von Geschäftsaufgaben aufgrund der Coronakrise sei ihm bisher aber nichts bekannt, wobei er nur für die der Innung angeschlossenen Salons spreche könne.

Zehn Wochen lang mussten alle Friseursalons geschlossen bleiben; Zeit zum Ausruhen hatte Sonja Erbe-Bock, wie viele ihrer Kollegen, aber nicht. Vor allem seit Bekanntgabe der Wiederöffnung hat sie gut zu tun.

„Die Planung läuft auf Hochtouren, wir telefonieren unentwegt“, berichtet die Inhaberin des Salons Haarmonie in Schenklengsfeld. Es gilt, die Kundentermine und das Personal zu koordinieren. „Wir sind bis kurz vor Ostern so gut wie voll.“

Um den ersten geregelten Ansturm abzuarbeiten, hat auch sie die Öffnungszeiten vorerst erweitert. Statt um 18 Uhr schließt der Salon unter der Woche nun erst um 20 Uhr, samstags ist bis 16 Uhr geöffnet und auch montags wird geschnitten und gefärbt. Hygienetechnisch hat Erbe-Bock ebenfalls aufgerüstet, um Kunden und Mitarbeiter bestmöglich zu schützen und ihnen ein „gutes Gefühl zu geben“, wie sie sagt.

Natürlich müsse man unter erschwerten Bedingungen arbeiten, erklärt sie; was den Abstand und die neue Zehn-Quadratmeter-Regel betrifft, „habe ich mit einem großen Salon aber noch Glück“.

Ein neues Lüftungsgerät anschaffen wollte auch Uwe Merkert für seinen Familienbetrieb in Friedewald, es sei allerdings nicht lieferbar gewesen. Wenigstens sei das Querlüften in seinem Salon problemlos möglich und bei steigenden Temperaturen müsse niemand Bedenken haben, sich zu erkälten. Auch Merkert öffnet ab 1. vorerst montags, trotzdem ist der März bereits ausgebucht. Das gleiche Konzept hat Bärbel Purkl, die in Bebra den Salon Haareslust betreibt. Auch dort entfällt der freie Montag und samstags ist länger geöffnet. „Wir arbeiten alle etwas mehr, um möglichst viele Kunden bedienen zu können“, erklärt sie.

Das gelte allerdings erst mal nur für die ersten zwei Wochen, dann müsse man weitersehen – „Auf Dauer hält man es nicht durch“, fürchtet sie. Was die Arbeitsbedingungen und die Hygienestandards angeht, sei man zumindest schon erprobt, auch sie sei aber nun froh, einen großen Salon zu haben, in dem mehr als ein Kunde bedient werden kann. Ein Luftreinigungsgerät hat sie trotzdem angeschafft. „Das ist gerade in diesen Zeiten zwar eine große Investition, aber es geht um den Schutz der Kunden und des Personals.“

Von einer großen Nachfrage und erweiterten Öffnungszeiten inklusive Montag berichtet auch Norbert Eckart aus Bad Hersfeld. „Die ersten drei Wochen sind fast ausgebucht“, stellt er fest. Erst um 17 Uhr ist künftig samstags Feierabend, bisher war um 13 Uhr Schluss. Wie alle seine Kollegen und Kolleginnen ist er trotz der Umstände froh, wieder öffnen zu können.

„Unsere Branche ist gut gerüstet und wir freuen uns auf die Kunden“, betont Innungsobermeister Peter Fiebig, der hofft, für den Rest des Jahres durcharbeiten zu können.
Bei aller Freude bleibt indes Kritik nicht aus. Nicht alle Friseure im Landkreis sehen ihre Branche von der Politik und den bestehenden Unterstützungsangeboten ausreichend bedacht. Ein Ärgernis sei zudem Schwarzarbeit, die dem geschulten Auge in den vergangenen Wochen nicht entgangen sei. (Nadine Maaz)

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