Hessen

Mann zeigt Zivilcourage und wird verletzt: „Ein bisschen schief ist die Nase immer noch“

Kam im Zug einem Pärchen zu Hilfe und wurde dabei selbst verletzt: Steffen Schwedka aus Bad Hersfeld.
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Kam im Zug einem Pärchen zu Hilfe und wurde dabei selbst verletzt: Steffen Schwedka aus Bad Hersfeld.

Ein Mann aus Hessen kommt einem Paar zu Hilfe, das von einer Männergruppe belästigt wurde. Dabei muss er selbst Prügel einstecken.

Bad Hersfeld - Der 15. Dezember 2019 ist zwar schon über ein Jahr her, doch so schnell vergessen wird Stefan Schwedka aus Bad Hersfeld diesen Sonntag nicht. Der 37-Jährige war damals mit dem Zug auf dem Weg nach Uelzen, um einen Freund zu besuchen, als er kurz nach dem Umstieg am Hamburger Hauptbahnhof einem jungen Pärchen zu Hilfe kommen wollte und dabei selbst Prügel einstecken musste. Davon zeugen nicht nur diverse ärztliche Dokumente, sondern auch ein genauer Blick in sein Gesicht. „Ein bisschen schief ist die Nase immer noch“, zeigt der angehende Sport- und Fitnesskaufmann. Zudem sei die Spitze taub und er habe Probleme beim Atmen.

Schon beim Einsteigen in den Zug sei ihm an diesem Dezembertag eine vierköpfige Gruppe aufgefallen, die sich schließlich in Sichtweite zu einer jungen Frau und einem jungen Mann setzte. Als zwei Männer aus der Gruppe anfingen, zunächst die Frau zu belästigen und dann ihren Begleiter zu schlagen, habe Schwedka schnell den Schaffner geholt und gemeinsam habe man versucht, die Situation zu klären.

Mann aus Hessen zeigt Zivilcourage: Nase soll zum zweiten Mal operiert werden

„Als ich die beiden Täter beschuldigte, angefangen zu haben, und mich schützend vor den Geschädigten stellte, ist es aber eskaliert und es kam zu einer heftigen Schlägerei“, erzählt der 37-Jährige relativ gefasst, obwohl ihn der Vorfall nach wie vor belaste. Neben der Nasenbeinfraktur erlitt er ein leichtes Hämatom und einen kleinen Cut. Die Nase soll demnächst zum zweiten Mal operiert werden.

Auch an den Moment, in dem die Nase brach, erinnere er sich noch sehr genau: „Plötzlich wurde es ganz weich und warm“, so Schwedka. „Der Schlag kam von der Seite.“ Fast noch schlimmer sei allerdings das hämische Grinsen des Täters gewesen. Im anschließenden Tumult hätten sich die beiden Männer dann im Zug versteckt, während er diesen an der Weiterfahrt gehindert und nach der Polizei gerufen habe.

Zivilcourage: Bundespolizei kann Männer festnehmen

Die Bundespolizei konnte die Männer etwas später festnehmen. Ein Held war der 37-Jährige aber offenbar nur für einige wenige, von denen er Lob und Unterstützung erhielt, wie er sagt. Weitaus mehr Leute hätten ihn für verrückt erklärt oder sich sogar abschätzig geäußert, berichtet der 37-Jährige, der schließlich selbst an sich und seinem Verhalten zweifelte, sich in Bus und Bahn unwohl fühlte und jede verdächtige Situation mied.

„Natürlich habe ich mich im Nachhinein auch gefragt, was sonst noch hätte passieren können. Was, wenn die ein Messer gezogen hätten?“ In der Situation habe er einfach aus dem Affekt heraus gehandelt. Inzwischen gehe es ihm wieder gut und er sei froh, damals geholfen zu haben, denn auch der Angriff auf das Pärchen hätte ja anders ausgehen können.

Täter sitzt in Haft

Einer der beiden Täter sitzt laut Schwedka inzwischen wegen einer anderen Sache in Haft, gegen den anderen soll demnächst ein Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung beginnen. Dem Prozess am Amtsgericht in Hamburg blickt Schwedka mit einem mulmigen Gefühl entgegen, denn als Zeuge wird er dem Angeklagten dann vermutlich gegenübertreten müssen. Dass er auch auf Schmerzensgeld hoffen kann, stehe für ihn nicht im Vordergrund. Lieber wären ihm eine Entschuldigung und eine aus seiner Sicht gerechte Strafe. „Ich möchte mit dem Thema endlich abschließen können.“

Zuletzt fiel ein kleines Kind im Kreis Kassel in die Nieste. Glücklicherweise bemerkt dies ein unbekannter Mann und zeigt Zivilcourage. Die Feuerwehr musste nur noch zur Erstvorsorgung anrücken. (Von Nadine Maaz)

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